Das Filmposter mit dem Originaltitel „Akelarre“. © Netflix
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Neu bei Netflix: Mutige Mädchen feiern in „Tanz der Unschuldigen“ ein „Hexen“-Hurra

Im Netflix-Film „Tanz der Unschuldigen“ hält die Inquisition Gericht im Baskenland. Und Regisseur Pablo Aguero bricht nebenbei noch eine Lanze für die Basken. Eine doppelte Abrechnung.

Filme zur Hexenverfolgung gibt es nicht wenige, die Figur des fanatischen Inquisitors kennen wir auch aus „Der Name der Rose“. 1968 trat Vincent Price als Hexenjäger in „Witchfinder General“ an, einem Horrorstreifen, der mit Sadismus hausieren ging und in England die Zensur auf den Plan rief.

Mit Grusel und billigen Schocks hat der spanische Film „Tanz der Unschuldigen“ (zu sehen bei Netflix) nichts im Sinn, wenn er von einem Hexenprozess im Jahr 1609 erzählt. Am Anfang lodern Scheiterhaufen, Mädchen werden misshandelt, aber das wird nicht groß ausgestellt. Hier geht es um die psychologische Ebene, um das Klischeebild vom Dämon Weib, um die Angst der Kerle vor stolzen unabhängigen Frauen.

Fremdes Kauderwelsch muss eine Litanei an den Teufel sein

Ein Inquisitor (Alex Brendemühl) kommt ins Baskenland, entschlossen allem satanischen Treiben eine Ende zu machen. Wo junge Mädchen (deren Väter und Brüder zur See fahren) alleine in den Wald gehen, kann der Teufel nicht weit sein. Dass die Mädels in der Natur bloß unschuldige Lieder auf Baskisch singen, will der Mann Gottes nicht glauben.

Das fremde Kauderwelsch muss eine Litanei an Beelzebub sein, Teil eines geheimen Hexensabbats, den der Priester „wissenschaftlich“ dokumentieren will. Sechs Frauen werden gefangen, festgesetzt, verhört. Fürs Protokoll notiert ein Schreiber ihre Aussagen, sogar Zeichnungen fertigt er an.

Schon vor der Befragung steht fest, dass die Mädchen schuldig sind

Die Befragung der Gefangenen ist eine Farce, bei der man ihnen das Wort im Munde verdreht und Haarspaltereien zu Beweisen werden. Dass die Mädchen schuldig sind, steht fest.

Ana (Amaia Aberasturi) sieht, dass die Lage hoffnungslos ist. Sie erklärt sich zur Hexe und füttert den Priester mit Details zum Sabbat-Ritual. Das hat etwas von Galgenhumor, wie sie den Mann mit dessen schmutzigen Fantasien ködert. Der sabbert beinahe und will alles wissen. „Hat Satan einen Schwanz? Vorne oder hinten?“

Mit einem Akt der Selbstbestimmung täuschen die Frauen die Popen

Das Verhör verrät mehr über die Gedanken verklemmter Popen als über die angeblichen Satansbräute. Ana treibt das Spiel so weit, dass sie einen Mummenschanz bei Vollmond aufführt. Es folgt ein Akt von Mut und Selbstbestimmung, mit dem die Frauen der Inquisition ein Schnippchen schlagen – das hat feministische Tendenzen.

Regisseur Pablo Aguero bricht nebenbei noch eine Lanze für die Basken, die schon damals schikaniert und gedemütigt wurden. Kein schlechter Ansatz, diese doppelte Abrechnung.

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Kultur-Redaktion
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