Durchatmen: David (Anastasios Soulis) und Nadja (Nanna Blondell) werden nicht aufgeben. © Netflix
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Neu bei Netflix: „Red Dot“ – Leg Dich besser nicht mit den Landeiern an!

Im schwedischen Thriller „Red Dot“ - der jetzt bei Netflix zu sehen ist - kämpft ein Paar ums Überleben. Eine irritierende Begegnung erweist sich zur dramatischen Stolperfalle.

Vorweg ein Menetekel: Der Prolog zeigt Frau und Mann, die mit Blut besudelt durch eine frostige Landschaft irren. Wie kam es dazu? Der schwedische Thriller „Red Dot“ (neu bei Netflix) klärt die Frage in einer langen Rückblende. Was also hat die Stadtmenschen David (Anastasios Soulis) und Nadja (Nanna Blondell) in die Wildnis verschlagen?

Ganz einfach: Das Pärchen wollte auf Abstand zur täglichen Tretmühle gehen. Einmal unter Polarlichtern zelten, nur wir beide!

Winter-Romantik gesucht

Es lief zuletzt nicht rund in ihrer Beziehung, etwas winterliche Romantik kann nicht schaden. Bei der Gelegenheit will Nadja ihren Mann mit der Nachricht überraschen, dass sie ein Kind erwartet. Also packen sie die Langlauf-Ski ein, nehmen ihren Hund mit und fahren raus aufs Land.

Kurz vor dem Ziel haben sie eine irritierende Begegnung an der Tankstelle, wo ein Bursche Bemerkungen über die dunkelhäutige Nadja macht. David ignoriert es, bevor er – upps – den Wagen des Fremden anfährt und eine Beule hinterlässt. Ein Missgeschick, kein böser Wille. „Bloß eine Delle“, sagt er und fährt weg, ohne mit dem Kerl zu reden.

Aus Mücke wird Elefant

Aus der Mücke wird ein Elefant. Beim nächsten Halt steht „Kanake an Bord“ auf Davids Auto, Nadja zerkratzt den Lack des fremden Wagens. Die Sache eskaliert. Später in der Wildnis fallen sogar Schüsse, panisch fliehen beide in den Wald.

Der Film von Alain Darborg liebäugelt mit dem Sujet des amerikanischen Hillbilly-Horrors, wo Naivlinge unter brutale Hinterwäldler fallen. Nadja und David sind ihre Handys los, irren durch die Kälte, wittern überall Gefahr. Ein Duo im Survival-Modus, ein Gegner, der sich nicht zeigt. Das lässt sich spannend an.

Dann greift ein Erzähl-Twist, der vieles über den Haufen wirft. Die Überraschung funktioniert, ist aber so kunstlos, simpel und narrensicher eingetütet, dass sie zu den billigeren Drehbuch-Kniffen zählt. Am Ende doch nur ein mittelprächtiger Thriller.

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Kultur-Redaktion
Wie sagte "Mr. Chance": Ich gucke gern!
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