Essstörung

Was bedeutet eigentlich Orthorexie?

Bei der Ernährung gänzlich auf Fettiges oder Süßes verzichten: Menschen mit Orthorexie folgen bei ihrem Essverhalten strikten Regeln. Darunter leidet oft die Lebensfreude. Was tun?
Gesunde Ernährung gilt als der Schlüssel zu einem gesunden Leben – doch Menschen mit Orthorexie beschäftigen sich krankhaft mit der Einhaltung von Essensregeln. © Pixabay

Essen ist für die meisten Menschen nicht einfach nur Nahrungsaufnahme. Essen ist auch Spaß, Genuss, Lebensfreude. Dann etwa, wenn man sich das Stück Sahnetorte, den saftigen Schweinebraten oder die Tüte Pommes schmecken lässt.

Allerdings gibt es Menschen, die diese fettigen und süßen Leckereien ablehnen – ganz grundsätzlich. Ihr Speiseplan setzt sich ausschließlich aus Lebensmitteln zusammen, die als gesund gelten. Dieses Essverhalten nennt sich Orthorexie.

Zwanghafte Maßregelung des Essverhaltens

Das Wort „Orthorexie“ stammt aus dem Griechischen und heißt übersetzt so viel wie „der richtige Appetit“. Zucker- oder fettreiche Nahrung oder Lebensmittel mit künstlichen Zusatzstoffen sind tabu. „Das Essverhalten von Orthorektikern ist zwanghaft, reguliert und durchgeplant“, sagt Elke Binder, Ernährungsberaterin in Kempten.

Dahinter steht nicht zwangsläufig der Wunsch, das Körpergewicht zu halten oder gar abzunehmen. Wer sich kompromisslos gesund ernährt, erhofft sich davon meist, Krankheiten vorzubeugen.

Junge Frauen sind am häufigsten von Orthorexie betroffen

„Frauen sind deutlich anfälliger für Orthorexie als Männer“, sagt Prof. Johannes Georg Wechsler, Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM). Ihm zufolge sind eher jüngere Frauen betroffen. Das könnte mit dem schlanken und fitten Schönheitsideal zusammenhängen, das über soziale Medien und Werbung verbreitet wird.

Betroffenen fehlt oft das Vertrauen in ihren Körper. Auch Leistungsdruck und starke Selbstbeherrschung können Orthorexie begünstigen.

Orthorexie entsteht schleichend: Welche Anzeichen gibt es?

Die Entwicklung hin zur Orthorektikerin oder zum Orthorektiker verläuft meist schleichend. „Oft fängt es damit an, dass Betroffene sich streng reglementierte Essenspläne erstellen und sich bei der Umsetzung von einer App förmlich kontrollieren lassen“, erläutert Ernährungsberaterin Binder. So gelangen Betroffene zu einer extremen Selbstkontrolle beim Essen.

Und wenn man doch mal ein halbes Stück Kuchen gegessen – und gegen die eigenen Regeln verstoßen hat? In so einem Fall fühlen sich Betroffene oft schuldig und glauben fälschlicherweise, ihrem Körper geschadet zu haben.

Welche Folgen hat Orthorexie für Körper und Psyche?

Orthorexie kann unterschiedliche Folgen haben. Auch wenn Betroffene vor allem gesunde Lebensmittel zu sich nehmen, kann ihre Ernährung einseitig werden. Oft begleitet auch ein Gewichtsverlust die Orthorexie. Zuletzt kann es passieren, dass die Lebensfreude getrübt wird. Denn: Die starren Regeln lassen es nicht zu, sich etwas zu gönnen.

Orthorexie ist derzeit allerdings nicht als Krankheit anerkannt. „Die Fachwelt diskutiert, ob Orthorexie überhaupt einen Krankheitswert hat“, sagt Ernährungsmediziner Wechsler. Aus seiner Sicht kann nicht von einer Ess- oder Suchtstörung die Rede sein. Eine Orthorexie in leichterer Ausprägung könnte am ehesten als eine „Macke“ der jeweiligen Person durchgehen, so Wechsler.

Bei Leidensdruck ist eine Therapie sinnvoll

In solchen Fällen kann Hilfe von einer Person kommen, die das Thema Essen lockerer sieht. „Das kann etwa der Partner oder ein guter Hausarzt sein, der versucht, einen von den starren Regeln abzubringen“, so Wechsler.

Anders sieht es aus, wenn ein Orthorektiker oder eine Orthorektikerin unter dem eigenen Essverhalten leidet oder es zu einem echten Zwang wird. Dann kann laut Wechsler eine Psychotherapie sinnvoll sein, die die Gründe hinter dem Ernährungsverhalten erforscht und dabei hilft, sie zu überwinden.

Anlaufstellen sind dann Psychologen oder Psychotherapeuten, die auf Zwangshandlungen spezialisiert sind. „Je früher man sich bei Orthorexie schwerer Ausprägung Hilfe holt, desto besser ist es für den Körper des oder der Betroffenen“, so Elke Binder.

dpa

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