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Charles Gounods "Faust": Der Traum eines Sterbenden

Theater Hagen

Der Wolf kommt gern im Schafspelz - und er liebt den starken Auftritt. Zumindest für den teuflischen Mephisto lässt sich dies wohl behaupten. Im Theater Hagen bekommt der Böse in Charles Gounods "Faust" seine Show.

HAGEN

von Von Karsten Mark

, 18.01.2015 / Lesedauer: 2 min
Charles Gounods "Faust": Der Traum eines Sterbenden

Méphistophélès (Rainer Zaun) und der sterbende Faust (Klaus Klinkmann)

Kein Geringerer als ein Bischof dient ihm zur Tarnung. Gerade hat der vermeintliche Kirchenfürst dem sterbenden Faust die Letzte Ölung verabreicht, da wird er noch einmal gerufen – und entschlüpft im Handumdrehen der falschen Soutane.

Gelungenes Regiedebüt

Als surrealen Fiebertraum eines Sterbenden hat der Berliner Holger Potocki Charles Gounods Opernversion des Faust inszeniert. Am Theater Hagen gibt er damit sein rundum gelungenes Regiedebüt. Allerdings ist es eine Teamleistung, die es zu würdigen gilt. Ausstatterin Lena Brexendorff hat keinen geringen Anteil daran, dass Potockis Konzept so gut funktioniert. 

Sie entwickelt sämtliche folgenden Szenen aus dem Krankenzimmer heraus, in das die Handlung am Ende zurückkehren wird.Das Traumkonstrukt rückt die Figur des Faust wieder mehr in den Mittelpunkt – neben der eigentlich zentralen Marguerite, dem Gretchen der Goetheschen Vorlage. Es erlaubt ein wirkungsvoll surreales Wechselspiel aus schwarzem Humor, ernster Tragödie und Gruseleffekten.

Verdienter Applaus

In den Schatten gerät die gebeutelte Marguerite dabei keineswegs. Zumal Veronika Haller mit ihrem jugendlich-lyrischen und doch kräftigen Sopran eine bemerkenswerte Präsenz entfaltet. Paul O´Neill singt als Gast die Titelpartie mit Schmelz und Strahlkraft. Rainer Zaun präsentiert als Méphistophélès seine Qualitäten als spielfreudiger Charakterbass geradezu lustvoll von der dunklen Seite des Humors.

Der Hagener Faust bedient Augen und Ohren gleichermaßen. Dazu gehören eindrucksvolle Videoeinspielungen, ein konzentriert wie engagiert aufspielendes Orchester (Leitung von Steffen Müller-Gabriel) und ein gut integrierter Chor. Verdienter langer Applaus nach drei Stunden reiner Spielzeit ohne Längen. 

Termine: 23.1., 1./6./18./ 26./28.2.; Karten: Tel. (0 23 31) 2 07 32 18.

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