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Spaßiger Widerstandszug

Kunstaktion kämpft für Anwohner

An den alten Wilhelm erinnert am Duisburger "Kaiserberg" nur noch der Name. Längst hat ein Anderer unüberhörbar die absolute Herrschaft übernommen: der Verkehr.

DUISBURG

von Von Karsten Mark

, 18.08.2013
Spaßiger Widerstandszug

Ein Hauch der 80er-Jahre umwehte die politische Kunstaktion am Kreuz Kaiserberg. Sonic und Eva gehören zu den Bewohner einer kleinen Bauwagensiedlung und sorgten für die musikalische Begleitung des Performance-Zugs.

Über 200 000 Fahrzeuge rauschen jeden Tag durch das gleichnamige Autobahnkreuz, die Bahnlinie kreuzt mit mehr als einem halben Dutzend Gleisen, über die unablässig Güter- wie Personenzüge rattern. Wer genau hinschaut, kann allerdings noch einen Rest der ländlichen Idylle entdecken, die es dort noch bis in die 60er-Jahre gab.Ruhr.2010-Projekt

Maisfelder und eine Pferdekoppel zeugen vom ehemaligen Dörnerhof, den schon vor rund 100 Jahren erst die Eisenbahn und dann der Ruhrschifffahrtskanal in kleine Teile zerlegt hatte. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 gab es mit dem Projekt "B1/A40 - Die Schönheit der großen Straße" eine öffentliche (Wieder-)Entdeckung der idyllischen Enklave hinter der Lärmschutzwand.Begeistert war nicht nur das angereiste Publikum, auch die Anwohner standen hinter dem Projekt und vor allem hinter der Rotterdamer Künstlerin Jeanne van Heeswijk, die sich zur Vorkämpferin ihrer Interessen machte und damals die Einwohner der kleinen Siedlung "Werthacker" an einen gemeinsamen "Gallischen Tisch" brachte - frei nach Asterix.Vorkämpferin ist zurück

Nun ist die Holländerin wieder zurück am Kaiserberg und knüpft unmittelbar an den damaligen "Widerstand des kleinen Glücks" an. Die Bewohner des Werthackers haben es geschafft, ihren Gemeinschaftssaal zu erhalten, den die katholische Kirche mitsamt der aufgegebenen Kirche verkauft hat.Nun droht ihren unmittelbaren Nachbarn Ungemach im kleinen Glück. Die Stadt Duisburg will im Autobahnkreuz einen Autohof bauen lassen, also einen Rasthof mit Parkplätzen, Restaurants und einem Hotel. Doch das Projekt ist heftig umstritten.Mogelpackung?

Zum Geschäftskonzept des Investors gehört ganz wesentlich ein "Glücksspielcenter". Viele Anwohner halten den Autohof deshalb für eine "Mogelpackung". Eine große Spielhalle und dazu noch ein billiges Hotel würden weniger müde Fernfahrer als ein zwielichtiges Publikum anlocken, fürchten sie - zumal der nahe Straßenstrich schon jetzt in die Wohngebiete ausfranst.Protest-Performance Um die Diskussion in Gang zu bringen, baute von Heeswijk eine Art Karnevalswagen mit einem überdimensionalen Spielautomaten und machte am Samstag damit einen ersten Zug durch die Gemeinde. Rund 80 Interessierte folgten dem bunten Zug mit kleinen, spaßbetonten Performances rund drei Stunden lang. Erst im kommenden Jahr wird es das fertige Kunstprojekt zur "Schönheit der großen Straße" geben. Bis dahin aber will von Heeswijk noch einige Male durch die Gemeinde ziehen.

 

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