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Kinobetreiber fordern mehr Abstufungen

FSK-Kritik

Die FSK-Altersvorgaben für Filme halten einige Kinobetreiber für veraltet. Sie würden der Entwicklung von Jugendlichen nicht „gerecht werden“. Die Regeln stammen aus dem Jahr 1957. Die FSK warnt jedoch vor mehr Alters-Stufen.

von Frederike Schneider, Sandra Schaftner

Dortmund

, 16.04.2018
Kinobetreiber fordern mehr Abstufungen

Der Horrorfilm „The Boy“ erschien im Jahr 2016 und ist ab zwölf Jahren freigegeben. Foto: dpa

Die Schauburg in Dortmund, die Lichtburg in Essen und die Cineworld in Lünen sind sich einig: Die Freigaben der FSK sind veraltet.

Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft bestimmt grundsätzlich, ab welchem Alter ein Film zulässig ist. Kinder müssen mindestens 6, 12, 16 oder 18 Jahre alt sein, um Filme sehen zu können.

Sprung von FSK 6 auf FSK 12 ist „viel zu groß“

Diese Regeln gelten seit 1957. Im Jahr 1985 kam noch die Stufe 0 hinzu – für jene Filme, die auch Kleinkinder sehen dürfen.

Die Entwicklung von Jugendlichen und Teenagern wird hier nicht abgebildet, meinen die Kinobetreiber. Lutz Nennmann, Geschäftsführer der Cineworld in Lünen, meint, dass der Sprung zwischen FSK 6 und FSK 12 „viel zu groß“ sei, weil er „den Kindern in ihrer Entwicklung über diese lange Zeitspanne überhaupt nicht gerecht“ werde.

Drei-Jahres-Schritte als Alternative gefordert

Nennmann hat Verbesserungsvorschläge: „Eine FSK 9 würde diese Lücke schließen.“ Er schlägt vor, die Freigabe in Drei-Jahres-Schritten zu regeln. Also die Freigabe ab 6, 9, 12, 15 und 18 Jahren.

David Schreiber, Assistent der Theaterleitung im Lichtburg-Kino in Essen, schlägt in dieselbe Kerbe. Der Sprung von sechs auf zwölf Jahren sei „zu groß“. Alexander Terzakis, Veranstaltungsleiter der Schauburg Dortmund, wünscht sich, dass eine Altersfreigabe ab 14 Jahren eingeführt wird. „In England gibt es diese schon“, berichtet Terzakis.

Mehr Abstufung sorgen für „schwierige“ Alters-Überprüfung

Und was meint die FSK dazu? „Über die Frage, ob die Altersstufen noch zeitgemäß beziehungsweise die Abstände zwischen den Altersstufen adäquat sind, wird immer wieder diskutiert“, sagt Geschäftsführerin Christiane von Wahlert.

„Grundsätzlich gilt es zu bedenken, dass die Überprüfung an der Kinokasse umso schwieriger wird, je feiner die Abstufungen sind“, so von Wahlert. Eine Änderung wäre nur über eine Änderung des Jugendschutzgesetzes möglich.

Ein Ausweg aus der FSK kann für Eltern die „Parental Guidance“ (elterliche Beratung) sein. Es handelt sich dabei um eine Regelung, die das Jugendschutzgesetz seit 2003 ergänzt.

PG gilt als Ausweg aus der FSK

„Parental Guidance“ (PG) bedeutet, dass Eltern mit ihrem Kind in einen Film mit der Altersempfehlung zwölf Jahre gehen dürfen, obwohl das Kind beispielsweise zehn Jahre alt und damit eigentlich zu jung für den Film ist.

Das Gesetz spricht nicht konkret von Eltern, sondern von „personensorgeberechtigten Personen“. Dazu zählen Menschen, die von den Eltern eine schriftliche Erlaubnis für den Kinobesuch mit dem Kind vorweisen können.

Aber auch für die PG hagelt es Kritik: „Filme, die ab zwölf Jahren freigegeben sind, sind nicht zwangsläufig deshalb für unter Zwölfjährige geeignet, nur weil ein oder zwei Erwachsene das Kind begleiten“, sagt Cineworld-Geschäftsführer Nennmann.

Kinder können mit Begleitung in Filme für Ältere

Kinobetreiber müssen die „personensorgeberechtigten Personen“ kontrollieren, lassen sich Ausweise zeigen und gleichen die Nachnamen ab. In der Praxis könne diese Überprüfung jedoch schwierig sein, sagt die Geschäftsführerin der FSK. In Deutschland gebe es keine Pflicht für Kinder, einen Ausweis zu tragen. Die Kinos müssten daher eine Plausibilitätsprüfung vornehmen.

Und was passiert, wenn die Personen nicht dazu berechtigt sind, ein Kind in einen Film zu begleiten, für den es zu jung ist? „Es kam vor, dass wir leider Besucher wegschicken mussten. Aber die meisten verstehen das“, sagt Lichtburg-Mitarbeiter Schreiber.

Kinobetreiber findet FSK-Angabe teils „zu lasch“

Lutz Nennmann berichtet außerdem von Filmen, bei denen die FSK-Angaben seiner Meinung nach „zu lasch“ waren. Beispielsweise der unheimliche Horrorstreifen „The Boy“, der ab zwölf Jahren freigegeben ist. „Wir haben dann die FSK von uns aus für unsere Kinos auf FSK 16 hochgestuft“, berichtet der Geschäftsführer. Dieser Fall sei nicht der einzige gewesen, so Nennmann.

Von Wahlert empfiehlt Kinobetreibern und Eltern die kostenlose FSK-App. Diese führe neben der Altersfreigabe eine kurze Begründung auf. Damit könnten Eltern leichter entscheiden, ob sie mit ihrem eigentlich zu jungen Kind einen Film sehen wollen.

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