Von Schüler bis Rentner: Welche Ansprüche bestehen im Praktikum?

Praktikum: Vergütung und Mindeststunden
Ob ein Praktikum vergütet wird und wie viele Stunden geleistet werden müssen, hängt von bestimmten Voraussetzungen ab. © Adobe Stock
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In einem Praktikum lässt sich ausloten, ob eigene Vorstellungen von einem Beruf mit der Realität übereinstimmen. Das ist nicht nur in jungen Jahren, sondern auch noch später möglich. Was sich allerdings unterscheiden kann, sind die Rechte und Pflichten beider Seiten.

Ansprüche im Praktikum

Generell gilt: „Alle Praktikantinnen und Praktikanten haben Anspruch auf einen schriftlichen Praktikumsvertrag und später auf ein Zeugnis“, sagt Daniel Stach, Arbeitsrechtler beim Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Anspruch auf Urlaub besteht in der Regel nur bei freiwilligen Praktika. Komplizierter wird es zum Beispiel bei den Themen Vergütung oder Mindestdauer. Ob ein Anspruch besteht, hängt je nach Status von bestimmten Voraussetzungen ab.

Schnupperpraktikum für Schüler

In einigen Bundesländern sehen die Lehrpläne mehrwöchige Betriebspraktika vor. Bei solchen Schnupperpraktika geht es nicht ums Ausbilden, sondern ums Kennenlernen. Der Schülerstatus bleibt erhalten.

Einen Anspruch auf Mindestlohn haben die Schülerinnen und Schüler nicht. Arbeitgeber müssen bei der Beschäftigung Minderjähriger die Vorgaben des Jugendarbeitsschutzgesetzes beachten.

Pflichtpraktikum/freiwilliges Praktikum für Studierende

Pflichtpraktika, die für Studierende in der Studien- oder Prüfungsordnung vorgesehen sind, sind vom gesetzlichen Mindestlohn ausgenommen.

„Das gilt auch für Orientierungspraktika bis zu einer Höchstdauer von drei Monaten“, sagt Stach. Bei Praktika, die bis zu drei Monaten studienbegleitend freiwillig absolviert werden, besteht ebenfalls kein Anspruch auf Mindestlohn.

In der gesetzlichen Rentenversicherung sind Praktikanten versicherungsfrei, wenn sie als eingeschriebene Studierende ein vorgeschriebenes Praktikum ableisten.

Praktikum nach abgeschlossener Ausbildung/Studium

Hier gilt der gesetzliche Mindestlohn uneingeschränkt. Er beträgt aktuell zwölf Euro brutto je Zeitstunde. Aber auch für Praktika, die nicht dem gesetzlichen Mindestlohn unterliegen, ist laut Berufsbildungsgesetz eine angemessene Vergütung zu zahlen.

Berufsbegleitendes Praktikum

Diejenigen, die neben dem Beruf ein Praktikum absolvieren möchten, sollten dafür unbedingt das Einverständnis des aktuellen Arbeitgebers einholen, rät Katharina Hain vom Personaldienstleister Hays. Allerdings gibt es für ein Praktikum neben dem Beruf einige Hürden.

„Es ist unzulässig, wenn dadurch die gesetzlich vorgeschriebene Höchstarbeitszeit überschritten oder die Mindestruhezeit unterschritten wird“, sagt Daniel Stach.

Auch während des Urlaubs ist ein Praktikum nicht ohne Weiteres statthaft, denn es gefährdet unter Umständen den Urlaubszweck – nämlich die Erholung. Kommt ein Praktikum neben dem Beruf zustande, hat der Praktikant oder die Praktikantin Anspruch auf eine angemessene Vergütung, so Stach.

Praktikum für Arbeitssuchende

Arbeitslose haben die Möglichkeit, an einer Maßnahme beim Arbeitgeber teilzunehmen, umgangssprachlich (Betriebs-)Praktikum. Ein potenzielles Entgelt, wird auf das Arbeitslosengeld II vom Jobcenter angerechnet.

Der Freibetrag – also der Betrag, der nicht auf das Arbeitslosengeld II angerechnet wird – liegt bei 100 Euro. Bei Einkommen zwischen 100 und 1000 Euro sind zusätzlich 20 Prozent anrechnungsfrei.

Anders beim Arbeitslosengeld von der Agentur für Arbeit für Menschen, die erst seit Kurzem arbeitslos sind. „Ein Entgelt hierfür wird nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen, Werbungskosten und einem Freibetrag von 165 Euro auf das Arbeitslosengeld angerecht“, sagt Christian Ludwig von der Bundesagentur für Arbeit.

Wollen Bezieher von Arbeitslosengeld ein Praktikum absolvieren, das 14 Wochenstunden überschreitet, benötigen sie die Genehmigung der Bundesagentur für Arbeit. Wichtig: Ein Praktikum sollten Arbeitslose immer vorab mit dem zuständigen Jobcenter oder der Agentur für Arbeit abklären.

Praktikum für Rentner

Eine Person erwirbt praktische Kenntnisse und Erfahrungen zur Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit – das ist Ziel eines Praktikums.

„Da Rentnerinnen und Rentner ihre berufliche Tätigkeit typischerweise altersbedingt bereits beendet haben, liegt im Zweifel kein Praktikum, sondern ein vergütungspflichtiges Arbeitsverhältnis vor“, sagt Daniel Stach.

dpa

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