Jobwahl Sollte ich den Beruf meiner Eltern ergreifen?

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Den gleichen Beruf wie Vater oder Mutter erlernen – ist das sinnvoll? Und will ich das überhaupt? © Adobe Stock
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Architekt wie der Papa, Tischlerin wie die Mama. Sich bei der Berufswahl von der Karriere der eigenen Eltern inspirieren zu lassen, scheint in manchen Fällen naheliegend. Schließlich hat man das Zeichentalent oder handwerkliche Geschick doch ohnehin in die Wiege gelegt bekommen.

Aber kann es wirklich so einfach sein? Ganz so simpel sollten sich Schulabsolventinnen und -absolventen die Entscheidung nicht machen. Johannes Wilbert, Berufsberater und Gründer des Instituts zur Berufswahl in Wetter an der Ruhr gibt zu bedenken, dass vor der Berufssuche zunächst eine Reflexion stattfinden müsse:

„Wenn Sie einen Job suchen und haben gar nicht reflektiert, was ihre Interessen sind, macht die Jobsuche wenig Sinn.“ Vor der Berufswahl steht die Orientierungsphase Wer noch gar keinen Plan hat, wo es hingehen soll, kann sich bereits in der Schulzeit während eines Praktikums erste Eindrücke verschaffen. Vielen jungen Erwachsenen ist gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten es auf dem Arbeitsmarkt gibt.

„Wir empfehlen vor allem Praktika in den Ferien zu absolvieren“, sagt Stephan Schneider, der als Berater bei der Jugendberufsagentur Berlin-Mitte tätig ist.

Mit Nebenjobs auf Berufssuche

Ab einem gewissen Alter bieten sich auch Nebenjobs an. „Neben Skills wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Empathie oder den Umgang mit Autoritäten, bekommen junge Menschen durch ihre ersten Arbeitseinsätze vor allem eines zum ersten Mal: Wertschätzung außerhalb ihrer Familie“, sagt Katja von Glinowiecki, die als Berufsberaterin und Coachin tätig ist.

Mit Erwartungen umgehen

Schwierig wird es, wenn Eltern und Nachwuchs unterschiedliche Erwartungen zur beruflichen Zukunft haben. Wie Berufsberater Wilbert sagt, wünschten sich Eltern für ihre Kinder meist sichere Jobs. „Ich bin Lehrer, das ist ein sicherer Beruf, also sollen meine Kinder auch Lehrer werden.“

Diese Gedankenschritte seien an sich nicht falsch, aber auch nicht unbedingt hilfreich. Wilbert rät, vor allem auf Ermutigung und Ermündigung zu setzen. Steht die Frage im Raum, ob Kinder wirklich den Beruf ihrer Eltern ergreifen sollen, rät Wilbert zum Austausch.

„Viele Kinder wissen gar nicht genau, was ihre Eltern arbeiten. Die kennen den Betrieb, aber nicht ihre Tätigkeiten.“ Wichtig: Eltern sollten keinesfalls Druck ausüben, wenn sie selbst unbedingt wollen, dass der Nachwuchs vielleicht das Architekturbüro oder den Handwerksbetrieb weiterführt.

„Wenn Menschen den Eindruck gewinnen, dass ihre Wahlfreiheit eingeschränkt wird, kommt es dazu, dass Menschen das Gegenteil machen“, sagt die Diplom-Psychologin und Coachin Madeleine Leitner.

Verständnis ist gefragt

Und selbst wenn die Arbeit und das berufliche Umfeld der Eltern den Kindern in gewissem Maße vertraut ist und ihre Netzwerke Türöffner sein können: Jugendliche, die den Karriereweg ihrer Eltern einschlagen, stellen oftmals hohe Ansprüche an sich selbst, heißt es auf dem Portal „abi.de“. Das kann Druck machen und im schlimmsten Fall, die Angst zu Scheitern verstärken.

Eltern nehmen auch hinsichtlich Lebensstil, sozialem Status oder finanziellem Erfolg eine Vorbildrolle für ihre Kinder ein. Wer den Beruf der Eltern wählt, steht dann häufig zusätzlich unter Druck, mindestens so erfolgreich wie Mama oder Papa zu werden oder sich vergleichen lassen zu müssen.

Auch das sollte man also in die Abwägung pro oder kontra Elternberuf mit einfließen lassen. „Auch wenn es schwierig ist. Im Vordergrund stehen das Interesse und die Fähigkeiten der Jugendlichen“, sagt Stephan Schneider. Auch Katja von Glinowiecki appelliert an Eltern, Druck von ihren Kindern zu nehmen. „Es ist nicht schlimm, nach dem Abitur nicht direkt zu wissen, wie es weitergehen soll.“

Gesunde Kommunikation

Herrscht eine gesunde Kommunikation in der Familie, können Eltern ihren Kindern helfen, sich in verschiedene Richtungen zu orientieren. Insbesondere mit Anwesenheit und Verständnis. „Ich bin für dich da, aber du entscheidest“, sollte das Motto lauten, so Schneider.

dpa

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