Zu wenig zu tun

Boreout: Warum Langeweile im Job auch negative Folgen haben kann

Arbeit kann krank machen. Etwa, wenn die Belastung ständig zu hoch ist. Aber auch wer unterfordert ist, kann Frust empfinden und seine Motivation verlieren. Was hilft gegen ein Boreout?
Monotone Routinen im Job führen zu Langeweile, Frust und im schlimmsten Fall zum Boreout. © Christin Klose/dpa

Eigentlich hört es sich so gut an: Einfach mal nichts tun während der Arbeitszeit, stundenlang im Internet surfen, statt von Meeting zu Meeting zu hetzen. Doch das schöne Bild trügt. Auf Dauer kann Unterforderung im Job ebenso negative Folgen haben wie zu viel Arbeit. Boreout heißt das Phänomen, abgeleitet aus dem Englischen „to be bored“ – gelangweilt sein.

Ständige Unterforderung kann Stress auslösen

Betroffene fühlen sich ausgebrannt, kraftlos und leer. Stress entsteht erst recht, wenn man nach außen versucht, ausgelastet zu wirken. Entweder, weil man Sorge hat, sonst noch mehr langweilige Aufgaben aufgebürdet zu bekommen. Oder, weil man demonstrieren will, dass man mit immens bedeutenden Arbeiten beschäftigt ist.

Bedürfnis, Leistung zu erbringen, wird nicht erfüllt

„Wenn ich nichts tue, was eine Bedeutung hat, habe ich auch keine Bedeutung“, sagt der Saarbrücker Wirtschaftspsychologe Andreas Hemsing. Das Bedürfnis, Leistung zu bringen, sei bei vielen durchaus groß.

Und der Umkehrschluss „Wenn du keine Leistung bringst, verlierst du deinen Platz in der Gesellschaft“, habe Auswirkungen auf die Gesundheit. „Es ist seit etlichen Jahren klar, dass inhaltliche Leere Menschen emotional schädigt“, so Hemsing. Die Betroffenen fühlen sich nicht nur gelangweilt und desinteressiert, sondern auch unzufrieden, frustriert und genervt.

Boreout endet nicht mit dem Feierabend

Und das nicht nur während der Arbeit. „Seinen wirklich fiesen Charakter zeigt der Boreout nach Feierabend“, sagt Peter R. Werder, der mit Philippe Rothlin ein Buch zum Thema („Unterfordert. Diagnose Boreout“) geschrieben hat.

Die Symptome lassen sich nicht auf Knopfdruck abstellen, wenn man das Büro verlässt. Und vielen ist gar nicht bewusst, dass das Unwohlsein am Abend, die Lustlosigkeit, Gereiztheit, Müdigkeit und Introvertiertheit einen Bezug zur Arbeit haben könnten.

Keine resignierte Haltung einnehmen

„Viele, die darunter leiden, kündigen irgendwann innerlich und entwickeln so etwas wie eine resignative Arbeitszufriedenheit“, sagt Dirk Windemuth, Direktor des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Dresden.

Das heißt, sie wissen zwar, dass ihre Tätigkeit eigentlich Mist ist, sagen sich selbst jedoch: „Es ist ok hier! Ich habe keine Probleme, ich bekomme regelmäßig Urlaub und verdiene ganz gutes Geld.“

Letztendlich sei dies jedoch Selbstbetrug, der auf Dauer nicht funktioniert. Besser und wichtiger, als sich die Arbeit schön zu reden, sei es, die Arbeit selbst und die Quelle von Beeinträchtigungen zu verändern.

Wünsche für die Zukunft mit Arbeitgeber besprechen

Und das geht nicht ohne Ehrlichkeit gegenüber sich selbst und Kommunikation gegenüber seinem Arbeitgeber: „Ansprechen, intern wechseln, Weiterbildung machen oder kündigen. Das sind die Möglichkeiten – und keine davon ist sehr einfach“, sagt Werder.

Zumal man die vertraute Tätigkeit oft schon lange Zeit ausgeführt hat, bevor man sich dem Boreout bewusst wird und die Konsequenzen zieht. „Meistens ist man schon zu spät dran, wenn man mit seinem Chef redet. Dann kann man höchstens in die Zukunft sprechen.“

Dazu kann man Wünsche formulieren wie: „Ich würde gerne ab und zu auch etwas anderes erledigen, dafür bräuchte ich eine Weiterbildung.“ Oder: „Ich würde gerne bei der Firma bleiben, aber kann ich mal in einer anderen Abteilung arbeiten?“

Aufgaben von anderen übernehmen: Der Weg aus dem Boreout?

Laut Windemuth kann auch eine Art Job-Rotation helfen, während der Beschäftigte die Tätigkeiten im Stunden- oder Tagestakt wechseln. Oder aber, Beschäftigte bemühen sich, ihre Arbeitsaufgaben anzureichern. Denkbar ist etwa, Tätigkeiten zu übernehmen, die im Arbeitsprozess vor oder nach der eigentlichen Aufgabe stehen.

Andreas Hemsing rät, die emotionale Bedeutung von Arbeit zu reduzieren: „Um die Monotonie auszugleichen und mein Selbstwertgefühl aus etwas anderem zu nähren als aus meiner Arbeitstätigkeit.“ Das kann ein Hobby sein, Aktivitäten wie Sprachenlernen, Reisen, Sport oder ein Ehrenamt.

dpa

Mehr rund um Job und Wohlbefinden finden Sie unter:
https://www.ruhrnachrichten.de/leben-wohlbefinden/

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