48-Jähriger fordert autistischen Legdener (16) zu sexuellen Handlungen auf

hzGerichtsprozess

Ein 48-jähriger Legdener wurde freigesprochen, obwohl er sich einem 16-jährigen, autistischen Jungen immer wieder aufgedrängt hatte. Die Eltern waren nach dem Urteil fassungslos.

Legden

, 09.12.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder suchte ein 48-jähriger Legdener Kontakt zu einem 16-jährigen, autistischen Jungen aus Legden. Schenkte ihm ein Handy, forderte ihn per Whatsapp auf, sich mit ihm zu treffen und fragte nach sexuellen Handlungen. Am Freitag musste er sich vor dem Amtsgericht Ahaus deswegen verantworten. „Zuwiderhandlung gegen eine vollstreckbare Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz“ wurde ihm in der Anklage zur Last gelegt. Und das war das Problem.

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Am Ende konnte der Richter den Legdener nämlich genau wegen dieser Anklage nur freisprechen, was dem Juristen offenkundig nicht gefiel. Denn die sieben eindeutigen Whatsapp-Nachrichten, die am Freitag im Gerichtssaal von der Staatsanwältin vorgelesen wurden, hatte der Angeklagte im Februar geschrieben. Die gerichtliche Anordnung, den Kontakt zu dem Jungen auf jedem Weg zu unterlassen, war dem Angeklagten aber erst im Mai zugegangen, wie der Richter den Unterlagen entnahm. Das war einer der Gründe für den Freispruch.

„Ich habe das geschrieben, aber da ist nie was passiert“

Der Wortlaut allein dieser Whatsapp-Nachrichten und der Kommentar des Angeklagten „Ich habe das geschrieben, aber da ist nie was passiert“, brachte den Richter auf die Palme: „Das ist nicht normal. Was wollen sie von jemandem in dem Alter? “ fragte er. Der Angeklagte erklärte das so: „Ich habe ihn doch nur gefragt, ob er Freunde hat. Und er hat Nein gesagt.“ Alles sei rein freundschaftlich. „Was die immer alle haben mit Sex-Nachrichten. Ich würde dem Jungen doch nie was tun“, meinte der 48-Jährige. Und er könne jetzt nicht mal mehr ins Dorf gehen und Geld abheben, ergänzt er.

Mit Blick auf die eindeutigen Whatsapp-Nachrichten und dem, was der Angeklagte in der Verhandlung äußerte, wurde der Richter deutlich: „Sie tun dem Jungen etwas an, da muss man nicht Hand anlegen“. Auch daraufhin beharrte der Angeklagte „Wir sind nur befreundet, sonst nichts.“

So bat der Richter die Mitarbeiterin des Jugendamtes, vorzutragen, was die Kontakte des 48-Jährigen bei dem 16-Jährigen ausgelöst hatte. Der autistische Junge habe Schwierigkeiten, seine Emotionen und die anderer Menschen einzuordnen oder Zugang zu anderen zu finden, schilderte sie. Handygeschenke oder Einladungen nach Hause zu dem 48-Jährigen – „damit war er völlig überfordert“.

Notfallknopf für den Fall der Fälle

Im November 2018 , als der 48-Jährige trotz klarer Ansagen der Eltern und der WG, in dem der Junge lebte, nicht den Kontakt einstellte, habe man entschieden, den Jungen mit einem Notfallknopf auszustatten für den Fall einer Kontaktaufnahme. „Doch er war zu erstarrt, ihn zu drücken“, schilderte die Kreis-Mitarbeiterin. Die Folge: „Unser Junge lebt jetzt an einem geheimen Ort“, sagte die Mutter unter Tränen vor Gericht. Es falle ihm sehr schwer, sich dort zurechtzufinden.

Der Angeklagte zeigte sich nach wie vor nicht einsichtig, versuchte sein Verhaltung zu rechtfertigen, was den Richter zu einer klaren Ansage veranlasste: „Sie können Mega-Ärger bekommen, wenn Sie das nicht lassen. Sie kommen in den Knast oder in die Psychiatrie.“

„Da ist einiges schief gelaufen.“

Die Vorbereitung der Verhandlung durch die Staatsanwaltschaftt kommentierte der Richter in der Verhandlung so: „Da ist einiges schief gelaufen.“ Auch, dass die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen den 48-jährigen wegen sexuellen Missbrauchs an dem 16-Jährigen mit Verweis auf das aktuelle Gewaltschutz-Verfahren vorerst herausgenommen hatte, brachte der Richter zur Sprache. „Das hätte man umgekehrt machen sollen.“

Aber: „Da wird es bald ein neues Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs geben“, kündigte er nach dem Freispruch in der Urteilsverkündung an. „Es war falsch, was Sie getan haben“, wandte er sich an den Angeklagten, „auch wenn ich sie hier und heute freisprechen muss. Sie sind nicht im Recht.“ Zu den Eltern gewandt, sagte er „Ich bin emotional auf Ihrer Seite.“

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