Christian und Lissy Dieker in ihrer grünen Oase am Sankt-Florians-Weg. © Christiane Hildebrand-Stubbe
Ehemaliger Pfarrer

Auch als Privatmann ist Christian Dieker mittendrin in Legden

Über die Vergangenheit möchte Christian Dieker nicht reden. Über die Gegenwart schon. Die ist seit fünf Jahren so anders, seit der ehemalige Pfarrer nicht nur privat völliges Neuland betrat.

Ob er jetzt im richtigen Leben angekommen sei? Eine Frage, die sich Christian Dieker offenbar nie gestellt hat: „Ich habe mich immer im richtigen Leben gefühlt.“ Das sagt der 56-Jährige, ausgebildeter Theologe und ehemaliger Pfarrer von St. Brigida und St. Margareta, der sich 2016 zu einer gemeinsamen Zukunft mit seiner jetzigen Ehefrau bekannte und damit den Verlust des sicheren Jobs im Kirchendienst in Kauf nahm. Und sich mit diesem Schritt auf eine völlig ungesicherte Zukunft einließ.

Klares Bekenntnis zu Legden

Für einen Mann über 50, der bislang nur die Kirche als Arbeitgeber kannte, jedenfalls eine echte Herausforderung, sich plötzlich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und überhaupt in einer ganz neuen Rolle zu orientieren. Als Arbeitssuchender, als Ehemann und plötzlich Teil einer größeren Familie. Seine Frau Lissy ist Mutter von drei erwachsenen Kindern. Klar war beiden aber schnell, dass ein Neuanfang an einem anderen Ort für sie nicht infrage kam: „Mit über 50 ganz neu anzufangen, ist schwierig, hier in Legden haben wir unsere gewachsenen Beziehungen, unsere Freundschaften.“ Auch in schwierigen Zeiten hatten sie schließlich auf ihr festes privates Netzwerk zählen können.

Also wurde das Haus am Sankt-Florians-Weg der gemeinsame Lebensmittelpunkt. Das Grundstück in unmittelbarer Nähe der Feuerwache habe damals so recht keiner haben wollen. „Wohl, weil dort richtiger Wildwuchs aufgeschossen war, man die Größe gar nicht erkennen konnte“, freut sich das Ehepaar Dieker, dass es den Zuschlag bekam. Hier haben die beiden sich ein schmuckes Heim geschaffen, das drinnen wie draußen Lebensfreude atmet.

Wichtige Kompetenzen eines Pfarrers

Beruflich hat Christian Dieker schnell Fuß fassen können, brachte ja auch die vielen Kompetenzfelder eines Pfarrers mit. Als Jobcoach im Dienst des Kreises Steinfurt begleitet er vom Standort Rheine aus Langzeit-Arbeitslose. Im Fokus: „Hemmnisse, die einem beruflichen Neuanfang im Weg stehen, aus dem Weg zu räumen.“ Mit Hemmnissen hat er es auch auf seinem anderen Berufsfeld zu tun. Immer wieder wird er als Rechtlicher Betreuer von der Betreuungsstelle für den Kreis Borken für Betroffene im Bereich Ahaus und Gronau angefordert.

Seine Klientel bringt durchweg problematische, aber ganz unterschiedliche Lebensumstände mit. Christian Dieker: „Die Probleme sind sehr bunt, das können Behinderungen, psychische oder Probleme im privaten Umfeld, Drogenkonsum und vieles mehr sein.“ Und vertreten sind alle Altersgruppen. Sein jüngster „Fall“ ist 18, der älteste 94. Für beide Aufgabenbereiche erweist sich das „Vorleben“ als Pfarrer sogar als hilfreich. Und ganz nah an den Menschen ist er auch jetzt wieder, da liegt sogar eine gewisse Nähe zu den Handlungsfeldern eines Seelsorgers auf der Hand.

Einblick in viele Lebensumstände

Oft sind es komplizierte, schwierige, manchmal sogar dramatische Verhältnisse, mit denen er es zu tun bekommt. Auch hier kann er seine persönlichen Kompetenzen einsetzen: Mitgefühl, Empathie, aber auch Klarheit. „Ich möchte nicht beliebig sein“, betont Christian Dieker. Wertvolle Gesprächspartnerin auch bei beruflichen Problemstellungen ist zudem seine Frau, die als Sozialpädagogin bei der Jugendhilfe arbeitet.

Trotz tiefer Einblicke in menschliche Schwierigkeiten und auch der Erfahrung, dass man nicht jedem bei allem helfen kann, ist Frust ein Gefühl, das er an seinem Arbeitsplatz nicht kennt: „Frust nein, Ärger schon …“ Dafür ist sein Temperament von Vorteil: „Ich kann sowas von abschalten!“ Auch beim Gärtnern auf dem großen Gemüsebeet, auf dem nicht nur Kartoffeln, Erbsen und viele andere Gemüsearten üppig gedeihen. Dabei geht es ihm aber nicht um das Ernten reicher Früchte: „Mir ist das Säen wichtiger und das Sehen, wie es wächst.“

Ehrenamtlich auf vielen Feldern aktiv

In Legden ist Christian Dieker auch in seiner neuen Rolle mittendrin, ist Vorsitzender des Sportvereins SuS und im Vorstand des Schützenvereins. Für ihn sei sofort klar gewesen, sich ehrenamtlich zu engagieren, was ein Pfarrer ja nicht könne. Auch wenn er ein großes sportliches Interesse hat, an Fußball und Leichtathletik zum Beispiel, auf die Idee, sich an der SuS-Vereinsspitze einzubringen, hatte ihn der damalige Bürgermeister Friedhelm Kleweken gebracht, dem das Ehepaar nach wie vor freundschaftlich verbunden ist. „Meine Aufgabe sehe ich darin, den Verein und seine 2300 Mitglieder zusammenzuhalten und nach außen zu repräsentieren.“

Freude im Schützenverein

Erfahrung im Schützenverein hat er reichlich: Mittlerweile bin ich wohl Mitglied in einem Dutzend Schützenvereine.“ Einmal lieferte er sich als amtierender Pfarrer an der Schützenstange sogar ein Duell mit dem Bürgermeister und schoss den Vogel ab. „Warum hätte ich das nicht tun sollen, wenn ich so vielen Menschen eine große Freude machen konnte?“

Gibt es dann aber so gar nichts, was er aus dem alten Leben sich gerne erhalten hätte? „Tatsächlich vermisse ich die Gestaltung festlicher Gottesdienste.“ In diesem Zusammenhang sagt er auch das: „Pfarrer bin ich zwar nicht mehr, aber Seelsorger bin ich geblieben.“

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