Auf dem Trödel neuen Beruf entdeckt

Bernard Terwey

Auf dem Trödelmarkt gibt es bekanntlich nichts, das es nicht gibt. Bernard Terwey aus Legden hat dort aber dennoch etwas Überraschendes gefunden: ein neues Berufsleben.

LEGDEN

, 14.08.2015, 18:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bernard Terwey in seinem Trödellager

Bernard Terwey in seinem Trödellager

Wenn der 56-Jährige auf dem Chippendale-Sofa in seiner Lagerhalle an der Osterwicker Straße sitzt, sieht er aus wie ein zufriedener Herrscher über ein 170 Quadratmeter großes Regal-Reich voller Geheimnisse. Hier schlummern Karl Mays Abenteuer in einem bunten Sammelbildalbum. Eine Weckersammlung lässt stumm die Zeit still stehen. Porzellanengel jubilieren, Madonnen blicken huldvoll auf eine Sammlung von überreichverzierten Bowlekrügen. Ein gusseiserner Drache stemmt eine Haushaltswaage. Neben dem fein sortierten Nippes lagern Koboldstaubsauger, Heckenscheren und Saba-Radios aus den Sechzigern.

Weichen neu gestellt

Das Herz des gebürtigen Holtwickers Bernard Terwey schlägt für den Trödel. So wie es früher für Autos geschlagen hat. Der gelernte KFZ-Meister, der mit seiner Familie seit 35 Jahren in Legden lebt, hatte über 20 Jahre eine eigene Autofirma in Coesfeld mit mehren Angestellten. Und er hatte viel Arbeit von früh bis spät, ständig Rückenschmerzen und nie Zeit, bis er sich vor sieben Jahren sagte: „Das kann’s doch nicht gewesen sein.“ Er löste die Firma auf und machte sein Hobby zum Beruf: Flohmarkthändler. In jungen Jahren war er im Hollandurlaub auf einem Trödelmarkt von der Leidenschaft infiziert worden.

Bont – Bernard on Tour

Seit 2008 löst er im Umkreis von 100 Kilometern Haushalte auf. Bont heißt seine Firma wegen eines früheren Kompagnons. Eine Nachbarin füllte die Buchstaben mit Inhalt: „Bernard on Tour“. Terwey lacht: „Das trifft’s wohl.“ Dabei macht er immer neue Entdeckungen. „Kein Haushalt ist wie der andere.“ Die Fundstücke reinigt, repariert, sortiert und lagert Bernard Terwey. Und natürlich verkauft er sie: auf Flohmärkten in Bocholt, Münster oder sonstwo: Comic-Hefte für 1,50 Euro oder Meißener Porzellan für 1400 Euro. Und dazwischen ein große Sammelsurium für Liebhaber, Sparfüchse und Trophäenjäger. Das Internet fürchtet Terwey nicht als Konkurrenz. Echte Trödel-Atmosphäre sei schließlich online nicht zu haben. Die gibt es nur auf dem Flohmarkt. So wie den neuen Beruf von Bernard Terwey, den er selbst mit einer Wundertüte vergleicht. „Der Verdienst ist anders als vorher. Aber das Leben ist jetzt schöner. Und die Rückenschmerzen sind weg.“

Lesen Sie jetzt