Barrierefreier Bahnhof in Legden bleibt ein Ziel – nur wer bezahlt ihn?

hzBahnhof in Legden

Legden liegt am Gleis und hat einen Bahnhof. Das ist ein Standortfaktor. Aber: An dem Haltepunkt gibt es noch viel Verbesserungsbedarf. Die Frage ist nur, wer plant, umsetzt und bezahlt.

Legden

, 23.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Legden hat noch einen Bahnhof – das kann längst nicht jede 7300-Seelen-Gemeinde von sich behaupten. „Wir als Gemeinde sind stolz, dass wir die Haltestelle haben. Das macht Legden als Wohnort attraktiver“, betont Bürgermeister Friedhelm Kleweken im Gespräch mit der Redaktion.

Rollstuhlfahrer werden stehen gelassen

Die Tatsache, dass Rollstuhlfahrer an der Bahnsteigkante am Legdener Bahnhof nicht vom Zugpersonal per Rampe in die Züge befördert werden dürfen, weil die Rampe zu steil hinauf- bzw. hinabführt und so Unfallgefahr besteht, rückte das Thema Barrierefreiheit noch einmal in den Vordergrund. Rollstuhlfahrer werden stehen gelassen, dürfen allerdings vom Bahnsteig aus mit dem Taxi auf Bahnkosten zu ihrem gewünschten Ziel fahren, das sie sonst mit der Bahn erreicht hätten.

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„Da muss was passieren“, sagte der Bürgermeister. Barrierefreiheit müsse sein am Bahnsteig des Zukunftsdorfs Legden. Aber Friedhelm Kleweken weiß auch um die Schwierigkeiten, die das Thema begleiten – aus Gesprächen, die vor Jahren schon mit der Bahn geführt wurden. Seinerzeit hatten Verwaltung und Politik schon einen Vorstoß unternommen. Den Park-and-Ride-Parkplatz hat die Gemeinde dann bekommen, einen barrierefreien Bahnsteig nicht.

Nur ein Stück barrierefreier Bahnsteig geht nicht

„Es muss gewährleistet sein, dass der Bahnsteig durchgängig barrierrefrei ist“, so der Bürgermeister. Eine erhöhte Stelle am Bahnsteig, die zumindest den barrierefreien Einstieg durch eine Tür des Zuges möglich mache, sei keine Option: „Wenn etwas an dem Bahnsteig gemacht wird, muss das auf der ganzen Haltelänge gemacht werden“, hat Friedhelm Kleweken aus dem Gespräch mitgenommen. Das sind einige Meter, vielleicht 100, schätzt er.

Barrierefreier Bahnhof in Legden bleibt ein Ziel

Bei der Strecke kann sich jeder leicht ausrechnen, dass das eine teure Maßnahme werden würde. „Erste Überlegungen hat das Bauamt schon angestellt“, informierte der Bürgermeister. Denn seiner Ansicht nach könnte es so laufen, dass die Gemeinde die Planung für einen Umbau übernimmt. „Am Ende muss man dann die Umsetzung abstimmen“, blickt Friedhelm Kleweken voraus auf ein Projekt, das für seinen Amtsnachfolger wichtig werden wird.

Von wegen barrierefrei: Zwischen Bahnsteig und Zugtür sind 38 Zentimeter Höhenunterschied am Bahnhof in Legden.

Von wegen barrierefrei: Zwischen Bahnsteig und Zugtür sind 38 Zentimeter Höhenunterschied am Bahnhof in Legden. © Markus Gehring

Viele Fragen sind dann zu klären: Es gibt Zuschüsse aus Programmen, aber welche und wie viele? Wer übernimmt den Eigenanteil? „Oft ist es so, dass die Kommunen bauen und es dann übergeben“, erläutert Friedhelm Kleweken. In Legden wäre die Deutsche Bahn der Partner als Betreiber der Strecke.

Ein kleines Dienstleistungszentrum wäre vorstellbar

Nicht nur die Barrierefreiheit ist ein Ziel der Gemeinde. Viele Verbesserungen könne man sich für den Bahnhof vorstellen, zählt der Bürgermeister auf: moderne E-Ladestationen für Autos und Fahrräder, eine Fahrradbox, in der die Zweiräder sicher abgeschlossen aufbewahrt werden können. Oder sogar eine Paketstation oder eine Annahmestelle für eine Textilreinigung: Vieles, was man auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause schnell erledigen könnte. „Ein kleines Dienstleistungszentrum“, beschreibt es Kleweken.

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Der Bahnhof in Legden habe eben eine hohe Bedeutung für touristische Zwecke – unter anderem reisen viele Gruppen per Bahn zum Dorf Münsterland – aber eben auch für viele Berufspendler und Schüler. Für sie wären diese Dienstleistungsangebote ein echtes Plus. Auch über ein öffentliches WC müsse man in diesem Zusammenhang nachdenken.

Vor allem vor dem Hintergrund, dass eine Erhöhung des Taktes im Gespräch ist. „Fernmobilität ist ein Standortfaktor, da muss man dranbleiben“, betont Kleweken. Das Interesse daran, dass die Züge zwischen Enschede und Dortmund alle halbe Stunde fahren statt wie aktuell jede Stunde, sei groß, wie der Bürgermeister von den Vertretern der anliegenden Kommunen weiß.

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