Bürgermeisterkandidaten diskutieren über Schulen, Verkehr und Finanzen

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Bernhard Laukötter, Gerd Heuser und Dieter Berkemeier wollen Bürgermeister in Legden werden. Bei der Podiumsdiskussion der Münsterland Zeitung stellten sie sich vielen Fragen.

Vreden

, 26.08.2020, 15:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ging um Führungsqualitäten, Jugendliche, Kulturangebote, die Coronakrise, Wirtschaftsförderung, Digitalisierung, Wohnungsnot und öffentlichen Nahverkehr. Und das waren nur einige der Themen, die bei der Podiumsdiskussion mit den Legdener Bürgermeisterkandidaten am Dienstagabend in der Festscheune des „Dorf Münsterland“ zur Sprache kamen.

Auf Einladung der Münsterland Zeitung waren Bernhard Laukötter (CDU), Gerd Heuser (UWG) und Dieter Berkemeier (parteilos) gekommen, um sich und ihre Ideen vorzustellen. Redakteur Johannes Schmittmann führte als Moderator durch den Abend.

Ein CDU-Kandidat und zwei unabhängige Bewerber

Los ging es mit der Frage, welche Art von Bürgermeister die drei sein wollen. Bernhard Laukötter stellte eine Sache in den Vordergrund: „Das Rathaus muss digitaler werden. Wir müssen kommunikativer werden und dem Bürger noch besser erklären, was wir vorhaben mit der Gemeinde.“

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Duell der Bürgermeisterkandidaten in Legden

Dieter Berkemeier arbeitet seit 30 Jahren im Rathaus und ist im Moment Leiter des Fachbereichs 1. Seinen Vorteil sieht er in der Parteilosigkeit: „Als Bürgermeister brauche ich keine Partei. Ich verstehe den Bürgermeister als Vermittler zwischen Bürger, Parteien und Verwaltung und da ist es gut, wenn man neutral ist.“

Ähnlich sah es Gerd Heuser, der für die UWG antritt, seinen Wahlkampf aber selbst finanziert. „Ich habe meine Ziele unabhängig von der UWG verfasst. Was da drinsteht, ist meine Arbeit. Und wenn die Fraktion demnächst etwas anderes machen möchte: Dann ist das nicht meine Sache.“

Steckt Legden in einer finanziellen Krise?

Nach dieser ersten Einschätzung ging es in der Diskussion um konkrete Legdener Themen. Zum Beispiel um die finanzielle Situation der Gemeinde vor allem während und nach der Corona-Pandemie. Bernhard Laukötter und Dieter Berkemeier sahen die Gemeinde nicht in einer Krise und wollen erst einmal die weitere Entwicklung abwarten, bevor der Ruf nach Sparmaßnahmen laut werde.

Die Zuschauer im Saal mussten sich vorher anmelden und sich an die Corona-Regeln halten.

Die Zuschauer im Saal mussten sich vorher anmelden und sich an die Corona-Regeln halten. © Victoria Garwer

Dem widersprach Gerd Heuser deutlich: „Wir haben einen Schuldenstand von über 11 Millionen Euro. Es ist abzusehen, dass die Einnahmen deutlich einbrechen werden. Wir sind in einer Krise und darauf müssen wir uns vorbereiten, alles andere wäre leichtsinnig.“

Relativ einig hingegen waren sich die drei Bürgermeisterkandidaten beim Thema Kunstrasenplatz. Die Notwendigkeit sahen alle und auch beim Vorgehen herrschte Einigkeit. Gelobt wurde von allen Seiten die Zusammenarbeit der Vereine. Dieter Berkemeier als Geschäftsführer des SuS Legden wies zudem darauf hin, dass der Platz nicht nur den Fußballvereinen, sondern auch den anderen Sportvereinen und den Schulen zugute kommen werde.

Schulen sollen digitaler und serviceorientierter werden

Apropos Schule: Die weiterführende Schule in Legden wollen alle erhalten. Und doch brachten die Bürgermeisterkandidaten bei diesem Thema unterschiedliche Ideen auf den Tisch. „Wir müssen unsere Schule hundertprozentig gut ausstatten. Beim Tag der offenen Tür müssen die Eltern sagen: Warum geht mein Kind noch nicht auf diese Schule“, meinte zum Beispiel Bernhard Laukötter, der als Lehrer an einem Berufskolleg in Münster arbeitet. Er forderte digitale Endgeräte für jeden einzelnen Schüler.

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Dieter Berkemeier ist im Rathaus unter anderem für die Schulen zuständig und sah die Gemeinde auf einem guten Weg in Sachen Digitalisierung. „Wir sind Vorreiter was die Infrastruktur angeht. Jetzt können wir das Medienkonzept ganz anders angehen und können an die Endgeräte gehen.“ Das werde momentan auch vom Land gefördert.

Johannes Schmittmann moderierte die Podiumsdiskussion.

Johannes Schmittmann (r.) moderierte die Podiumsdiskussion. © Victoria Garwer

Auch Gerd Heuser war voll des Lobes für die „hervorragende Sekundarschule“. Und doch: „Was uns fehlt, ist die Serviceorientierung.“ Es sei zu wenig, die Kinder im Offenen Ganztag einfach zu betreuen. „Warum bieten wir nicht wieder mehr Vereinssport in der OGS an? Warum machen wir nicht Musikunterricht?“ Es sei doch fatal, dass die Kinder den ganzen Tag in der Schule seien und abends dann im Verein. Das könne man kombinieren.

Einigkeit bei Wohnungsnot und öffentlichem Nahverkehr

Auf einige Eckpunkte konnten sich alle Kandidaten einigen: Kleine und günstige Wohnungen fehlen in Legden. Da muss etwas getan werden. Der Bahnhof ist gut für Legden, doch beim öffentlichen Nahverkehr gibt es dennoch Handlungsbedarf – etwa Richtung Münster oder zwischen Legden und Asbeck. Im Rathaus arbeiten zu wenige Frauen. Bei gleicher Qualifikation sollten Frauen bei Bewerbungen bevorzugt werden, sagten Laukötter und Heuser. Die Landwirte brauchen Unterstützung, da waren sich die Drei einig. Und gegen die geplante Verdichterstation wollen auch alle Bürgermeisterkandidaten kämpfen.

Verkehrssituation an der Brigidenschule soll übersichtlicher werden

Nach gut anderthalb Stunden Moderation durch Johannes Schmittmann waren die Zuschauer im Saal an der Reihe. Bernhard Mathmann zum Beispiel wollte wissen, was die potenziellen Bürgermeister zur Verkehrssituation an der Brigidenschule sagen.

Das Problem verstanden alle. Dieter Berkemeier schlug eine Verkehrsschau mit Eltern, Lehrern, Polizei, Kreis und Ordnungsamt vor, um eine Lösung für alle Beteiligten zu finden. Gerd Heuser wies zudem darauf hin, dass die Gemeinde mit den Eltern sprechen sollte, ob es denn wirklich nötig sei, die Kinder immer mit dem Auto zu bringen.

Zuschauer Sebastian Kotte fragte nach kulturellen Angeboten für Kinder und bekam von allen drei Kandidaten das Versprechen, dass sich in diesem Bereich etwas tun soll. Marianne Bomberg wünschte sich eine Belebung der Hauptstraße. Auch hier sahen alle drei Handlungsbedarf. Mit dem Vorschlag von Gerd Heuser, dass die Gemeinde ja Lokale anmieten und an kleine Start-Ups weitervermieten könnte, waren Bernhard Laukötter und Dieter Berkemeier jedoch nicht wirklich einverstanden.

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