Busse bei Gödde Reisen stehen still, zwei waren zur Demo in Berlin

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Stillstand bei Gödde Reisen. Viele Wochen rollte kein Bus vom Hof. Auch wenn der Nahverkehr langsam wieder angelaufen ist: Die Coronakrise ist für Holger Gödde noch lange nicht vorbei.

Legden

, 22.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Holger Gödde wurde vom Coronavirus ausgebremst. „Ab 16. März fuhren keine Busse mehr“, sagt er. Zwar sind jetzt wieder einige Busse für den Nahverkehr unterwegs. Das Hauptstandbein, die Busreisen, ist aber weiterhin stillgelegt.

Der Legdener Busunternehmer gehört zu denjenigen, die in der vergangenen Woche mit ihren Bussen nach Berlin gefahren sind, Am 17. Juni standen zwei Busse aus Legden mit vielen anderen auf der Straße des 17. Juni. „Wir waren zu sechst in Berlin“, erzählt Gödde. Rund 1000 Busse hatten an dem Tag den Verkehr in Berlin lahmgelegt.

Rund 1000 Busse haben in Berlin den Verkehr lahmgelegt, um auf die Probleme der Busbranche aufmerksam zu machen.

Rund 1000 Busse haben in Berlin den Verkehr lahmgelegt, um auf die Probleme der Busbranche aufmerksam zu machen. © picture alliance/dpa

Eine erfolgreiche Aktion, wie Holger Gödde sagt. 170 Millionen Euro werden für die Branche noch in den geplanten Nachtragshaushalt eingestellt, so kündigte es Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) bei der Demonstration an. Das kann helfen, so Gödde.

Neue Busse müssen wegen Umweltauflagen angeschafft werden

„In den letzten Wochen ist Ihr Werkzeug, der Bus, stillgestanden“, sagte der Minister am Brandenburger Tor. Die Kosten für die Neuanschaffungen der letzten Jahre seien aber weitergelaufen. Genau das sagt auch Holger Gödde. „Wir haben sehr hohe Anschaffungskosten“, erläutert er. Wegen Umweltauflagen dürfen ältere Busse nicht mehr in manche Innenstädte fahren. Neue Busse wurden angeschafft.“

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Weitere Investitionen hat Gödde mit Beginn der Coronakrise gestoppt. „Unser Businessplan wurde über den Haufen geschmissen.“ Im Gegenteil: Wird es nicht besser, überlegt er sogar, Busse zu verkaufen. Auch wenn die Preise natürlich gesunken sind. Denn seinen Kollegen geht es genauso. Das hat er immer wieder gehört, auf der Straße in Berlin, beim Austausch mit anderen Busunternehmern und Mitarbeitern. „Die Probleme sind überall die gleichen.“

50 Fahrzeuge hat Holger Gödde an den Standorten in Legden und Stadtlohn. In Legden stehen zehn Reisebusse und 20 Schulbusse. Dort standen sie seit März. Keine Schule, keine Reisen – der Umsatz ging sofort auf Null. Bis Ende der Osterferien blieb das so. Normalerweise machen die Busreisen 70 Prozent des Umsatzes aus. Und hier geht es noch lange nicht wieder los.

„Ausland wird in diesem Jahr kein Thema sein“

„Frühestens im Herbst wird es wieder anlaufen, aber nur in Deutschland. Ausland wird in diesem Jahr kein Thema sein“, sagt Gödde. Im September, einem guten Monat normalerweise, hat er normalerweise 85 bis 90 Prozent Auslastung, jetzt hofft er auf 30 Prozent. Reisen nach England und Italien, neben Deutschland Schwerpunkt, fallen erst einmal weg.

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Dazu kommt: Alle Klassenfahrten bis zu Herbst wurden storniert, so zählt der Legdener auf, jetzt im Sommer fallen Zeltlager weg. Kegeltouren: Fehlanzeige. Geärgert hat den Legdener Unternehmer, dass in Deutschland so unterschiedliche Bedingungen gelten. „In jedem Bundesland ist es anders. Wir müssen 1,50 Meter Mindestabstand garantieren, woanders gilt das nicht. Bayern hat schon wieder komplett geöffnet.“

Auch hier hat Gödde aber positive Signale von der Demo in Berlin nach Hause genommen. „Das war schon ein großer Erfolg.“ Damit meint er auch die finanzielle Spritze. „In unserer Branche gibt es viele kleine Familienunternehmen“, so der Legdener. Sein Betrieb wurde 1968 von seinem Vater Leo Gödde gegründet. Was für Bahn und Lufthansa gelte, müsse auch für die Busbranche gelten. Aufgerufen zur Demo hatten der Internationale Bustouristik Verband RDA, die Gütegemeinschaft Buskomfort und der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO).

Viel ändern wird sich erst mal nichts vor Ort in Legden. Die meisten der insgesamt 50 Mitarbeiter in Teilzeit und Vollzeit bleiben weiter in Kurzarbeit. „Das geht an die Reserven“, sagt Gödde. Bis Jahresende könne man durchhalten. Aber: „Es muss vernünftig anlaufen nach dem Sommer.“

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