CDU enttäuscht, UWG und SPD gespannt auf Ratsarbeit ohne CDU-Mehrheit

hzKommunalwahl 2020

Die Wähler haben sich für einen parteilosen Bürgermeister entschieden und damit die jahrzehntelange CDU-Mehrheit im Rat beendet. Wir haben die Kommunalpolitiker nach ihrer Stimmung gefragt.

Legden

, 28.09.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit 55,1 Prozent der Stimmen wurde der parteilose Dieter Berkemeier zum Bürgermeister von Legden gewählt. Ein Tag danach geht die Frage an UWG, SPD und an die CDU, die ihre absolute Mehrheit verloren hat: Wie ist die Stimmung, was erwarten die Parteien von der Zusammenarbeit in der neuen Konstellation (zehn Sitze CDU, jeweils fünf für UWG und SPD) im Gemeinderat?

CDU: „Natürlich sind wir enttäuscht“

„Natürlich sind wir enttäuscht“, sagt CDU-Ortsvorsitzende Gabi Uppenkamp. „Wir hätten Bernhard Laukötter gerne als Bürgermeister gehabt, er war der perfekte Kandidat für uns.“ Dass es knapp werden würde, damit habe die CDU immer gerechnet. „Die Bürger haben gewählt. Wir akzeptieren das und machen das Beste draus“, sagte sie mit dem Blick nach vorn.

Trotz der Anspannung kurz vor Bekanntgabe des Endergebnisses konnte Bernhard Laukötter noch lachen und zeigte sich gelassen: „Der Wähler entscheidet“, sagte der CDU-Bürgermeisterkandidat zur Erklärung.

Trotz der Anspannung kurz vor Bekanntgabe des Endergebnisses konnte Bernhard Laukötter noch lachen und zeigte sich gelassen: „Der Wähler entscheidet“, sagte der CDU-Bürgermeisterkandidat zur Erklärung. © Anne Winter-Weckenbrock

Sie und ihr Team hätten das Ergebnis am Sonntagabend erst mal sacken lassen. „Das ist kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Wir haben den Auftrag, zum Wohle der Bürger zu agieren. Und das machen wir“, so die Unions-Ortsvorsitzende am Tag nach der Wahl.

Sie selbst kenne es nicht anders als mit CDU-Mehrheit im Legdener Rat. Dass das jetzt nicht mehr so sei, „davon geht die Welt nicht unter“. Legden sei in den letzten 20 Jahren „eine super aufgestellte Gemeinde“ gewesen. Jetzt stehe im Vordergrund, dass das so bleibe.

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Der neue Bürgermeister sei auch darauf angewiesen, dass die einzelnen Fraktionen mitarbeiteten, „das passiert zum Wohle der Gemeinde und nicht, um einer Partei eins auszuwischen“, meinte die CDU-Vorsitzende. Ob Bernhard Laukötter als Ratsmitglied für die CDU im Rat vertreten sei, bleibe seiner Entscheidung überlassen, sagt Uppenkamp.

SPD und UWG gespannt auf Ratsarbeit ohne CDU-Mehrheit

Bester Stimmung war Tobias Ebbing, der Vorsitzend des SPD-Ortsvereins, am Montag. „Alle Ziele, die wir uns gesetzt haben, haben wir erreicht oder übertroffen“, fasste er zusammen. Nach neun Prozent plus und zwei Ratsmandaten zusätzlich bei der Gemeinderatswahl („das war ein Knaller“) nun auch noch der von der SPD unterstützte Kandidat im Rathaus-Chefsessel – die Zufriedenheit der Sozialdemokraten wird noch dadurch erhöht, dass sie mit jungen Gesichtern „frischen Wind“ in den Rat bringen wollen.

Mit dem Fahrrad kam Dieter Berkemeier zum Rathaus gefahren: Zuhause hatte er auf das Endergebnis gewartet. Die Menschen bildeten eine Gasse für den Wahlsieger.

Mit dem Fahrrad kam Dieter Berkemeier zum Rathaus gefahren: Zuhause hatte er auf das Endergebnis gewartet. Die Menschen bildeten eine Gasse für den Wahlsieger. © Anne Winter-Weckenbrock

Tobias Ebbing erwartet spannende Sitzungen mit der Ausgangslage, in der „die beste Idee gewinnt“. Das sei für „eine kleine Demokratie, die der Legdener Rat ist“, nur förderlich, so der SPD-Vorsitzende. Nun werde kein Antrag mehr nur aus Gründen des Parteiproporzes abgelehnt, erwartet Ebbing. Doch Stillstand oder Verhinderung sei durch die Konstellation im Rat nicht zu befürchten: „Das kann sich die Gemeinde doch gar nicht leisten. Wir müssen agil bleiben, konstruktiv an den besten Ideen arbeiten.“

UWG: Gerd Heuser war der qualifizierteste Kandidat

UWG-Vorsitzender Bruno König betonte zunächst noch einmal, dass die Legdener Unabhängigen enttäuscht vom Abschneiden ihres Kandidaten Gerd Heuser sind: „Wir halten ihn weiter für den qualifiziertesten Kandidaten.“ Nun, mit dem im Stichwahlkampf von der UWG unterstützten Dieter Berkemeier als Bürgermeister und ohne CDU-Mehrheit im Rat könne sich die politische Arbeit verändern. Es bestünden Chancen, „andere Entscheidungen durchzubekommen.“ Er richtete den Blick auf die SPD-Fraktion: „Es liegt daran, wo wir gemeinsam Themen treiben können“.

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Gerd Heuser freue sich auf „eine spannende Zusammenarbeit im Rat“. Mit Blick auf die Konstellation meinte er, dass „mehr diskutiert wird und werden muss“. Oft sei man sich „im Groben“ einig gewesen, aber in kleinen Ergänzungen erhoffe er sich „bessere Kompromisse, die auch besser getragen werden können von allen“.

Die UWG habe gegen die Mehrheitsverhältnisse gekämpft, blickte Heuser zurück. „Für Bernhard Laukötter tut es mir leid, er ist ein anerkanntes Gemeindemitglied und hätte den Job auch gemacht“. Mit dem unabhängigen Bürgermeister aber herrsche nun Gewissheit, dass mehr diskutiert werde.

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