„Die Rente wird immer wichtiger“

Thomas Kleideiter berät

Die Briefe mit dem roten Rechteck sind bei vielen Menschen unbeachtet in einer Ecke gelandet. Die Sozialwahl 2017: „Unwichtig“ sagen viele. Nicht so Thomas Kleideiter. Er ist seit 23 Jahren Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund – und das ehrenamtlich.

LEGDEN

von Ronny von Wangenheim

, 04.05.2017, 19:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
Thomas Kleideiter ist seit 23 Jahren Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Thomas Kleideiter ist seit 23 Jahren Versichertenberater der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Wie die anderen 2600 Ehrenamtler, die Versicherten alle Fragen rund um die Rentenversicherung beantworten, wird auch der Legdener in Folge der Sozialwahl durch die Vertreterversammlung gewählt. Nicht nur deshalb ist er überzeugt davon, dass die gesetzlichen Sozialversicherungen selbstverwaltet sind, die Versicherten also über ihre Vertreter mitbestimmen können.

30 bis 40 Beratungen, so schätzt Thomas Kleideiter, kommen im Monat zusammen. Da ist der kurze Telefonanruf genauso dabei wie die ausführliche Information zuhause bei dem Versicherten. „Ich möchte das Optimale rausholen für den Versicherten“, sagt Kleideiter.

Widerspruchsausschuss

Außerdem sitzt der 56-Jährige im Widerspruchsausschuss der Deutschen Rentenversicherung. Alle vier Wochen fährt er nach Münster, wo über abgelehnte Anträge gesprochen und befunden wird. Da geht es um eine abgelehnte Reha oder um Hilfsmittel. Wenn ein Berufskraftfahrer beispielsweise wegen eines Rückenleidens einen speziellen Sitz braucht, dann ist das eine Sache für die Rentenversicherung.

Mit seinem Angebot ergänzt Thomas Kleideiter die Beratung durch die Rentenversicherung bei den regelmäßigen Sprechtagen beispielsweise im Ahauser Rathaus durch hauptamtliche Mitarbeiter. Mancher will nicht auf den Termin warten und ruft bei Kleideiter an. Viele schätzen einfach die private Atmosphäre. „Das Persönliche ist der große Vorteil“, so der Legdener.

Er kann nur jedem raten, sich rechtzeitig mit der Rente zu beschäftigen. Viele, die ihn anrufen, wollen einfach einmal ihren Rentenanspruch berechnen. Das lohnt sich oft. Wer öfter den Arbeitgeber gewechselt hat, hat manchmal nicht alle Unterlagen zusammen. Oder Kinder sind nicht berücksichtigt. Oder, oder... Kleideiter erzählt von dem Mann, der nebenbei erzählte, dass er einmal zwei Jahre als Holzfäller in Kanada gearbeitet habe. Kleideiter wusste von einem Abkommen mit Kanada. Und nun erhält der Mann jedes Jahr eine kleine Zusatzrente.

Auch tragische Fälle

Ein anderer Fall: Ein Mann in mittlerem Alter will sich selbstständig machen und will Rat, was er tun soll. „Es ist wichtig, den Erwerbsminderungsrentenanspruch zu erhalten“, gibt Kleideiter einen Tipp. Andere Menschen begleitet er, die bei schweren Krankheiten erst Lohnfortzahlung, dann Krankengeld bekommen und schließlich eine Erwerbsminderungsrente. Da lässt sich schon einiges für den Versicherten herausholen.

Und dann sind da die tragischen Fälle, wie der einer jungen Frau, die nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen konnte. Ihr Rentenanspruch war unstrittig, doch ohne ihre Hilfe alle Unterlagen zusammenzustellen, das war auch für den erfahrenen Versicherungsberater eine schwere und langwierige Aufgabe.

„Die Rente wird immer wichtiger“, sagt Thomas Kleideiter. Die Alternativen sind bei den derzeitigen Zinsbedingungen nicht mehr so attraktiv wie früher. Fest steht aber auch, dass die wenigsten Menschen heute erst mit 67 Jahren in Rente gehen. Den optimalen Zeitpunkt herauszufinden, auch dabei kann der Versichertenberater helfen.

Dixielandmusik als Hobby

„Leuten zu helfen, macht Spaß“, sagt der Legdener, der in seiner Freizeit mit der Band „Säss un Een“ Dixielandmusik und damit gute Laune verbreitet. Deshalb hat er auch nicht gezögert, als er vor 23 Jahren gefragt wurde, ob er sich die Aufgabe vorstellen könne. „Es muss auch Leute geben, die ohne Geld anderen helfen“, sagt er. Die Aufgabe lag ihm, hatte er durch seine lange Tätigkeit für die Barmer doch Anknüpfungspunkte.

Entschieden hat er sich für die BfA DRV-Gemeinschaft, eine Interessengemeinschaft der Versicherten und Rentner, die in der Vertreterversammlung den stärksten Anteil stellt und unabhängig von Krankenkassen, Gewerkschaften oder Parteien ist. Er hat sich damals für das Ehrenamt beworben und tut das seitdem alle sechs Jahre. Und wählen wird er natürlich auch bei der Sozialwahl. „Man sollte seine Stimme einer Institution geben, um Einfluss zu nehmen auf eine der wichtigsten Belange, die man hat: die Rente.“

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