Dorf-Datenbank für Asbeck: Fotos, Filme, Dokumente und Geschichte(n) werden digitalisiert

hzDigitales Gedächtnis

Die Resonanz war riesig: Jede Menge Material aus der Asbecker Dorfgeschichte wurde dem Junggesellenschützenverein zur Verfügung gestellt. Dieser erstellt daraus eine digitale Datenbank.

Asbeck

, 10.01.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Die Idee kam bei der Vorbereitung aufs jährliche Schützenfest: Die Offiziere des Junggesellenschützenvereins schauten sich traditionell alte Videos von vergangenen Festen an. Auch von lange vergangenen. Dabei kam die Idee auf: Diese Filme müssten eigentlich digitalisiert werden. Und warum eigentlich nur die Filme vom Schützenverein, warum nicht auch Fotos oder Filme von anderen Festen oder Gelegenheiten? Dann könnte eine Datenbank vom Dorf entstehen.

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Gesagt, getan: Marc Haberstroh, Leon Eißing und Matthias Nettels vom Vorstand des Junggesellenschützenvereins riefen alle Asbecker dazu auf, Fotos und Filme zur Verfügung zu stellen. Und ihr Wissen. Denn die Geschichten hinter den Dokumenten interessierten die drei jungen Asbecker genauso – diese sollten auch festgehalten werden. Sie wählten einen Termin „zwischen den Jahren“ und lagen goldrichtig damit: „Die Resonanz war großartig, es sind deutlich mehr Asbecker gekommen, als wir erwartet hätten“, resümiert Matthias Nettels (37) im Gespräch mit der Redaktion.

Vertreter aller Generationen haben Material abgegeben

Spannend sei gewesen, dass wirklich alle Altersklassen vertreten waren. „Sowohl junge Schützen mit Anfang 20 als auch ältere Asbecker, die schon auf die 80 Jahre zugehen, waren da“, so Nettels. Besonders gefreut hätten sich die Drei über den Besuch von Willi Ebbert. Dieser nämlich hat das gesamte Videomaterial von Josef Baumeister geerbt. Matthias Nettels schätzt, dass alle Asbecker über 30 Jahre sich an Josef Baumeister erinnern können: ein Junggeselle, der bei wirklich jeder Gelegenheit Filme gedreht hat – Spitzname „RTL Asbeck“.

Dorf-Datenbank für Asbeck: Fotos, Filme, Dokumente und Geschichte(n) werden digitalisiert

Eine Asbecker Familie in zeittypischer Festtagskleidung © Datenbank Junggesellenschützenverein

Sowohl bei Schützenfesten als auch bei anderen Dorffesten, im Ferienlager, bei Kinderfesten und so weiter in Asbeck war Josef Baumeister mit der Kamera dabei. Willi Ebbert hatte die Filme bereits digitalisiert – „wir freuen uns sehr darüber, darauf zugreifen zu können“, spricht Nettels für den Verein. Dieser hatte im Vorfeld eine große Festplatte angeschafft, die nun schon mit einigem historischen Material gefüllt ist.

Filme, Listen und Schnappschüsse

Und auch Norbert van Wüllen hat schon viel Videomaterial beigesteuert. Als langjähriges Mitglied im Vorstand des Heimatvereins hat er auch Bildmaterial über den Bau des Dormitoriums oder von der Renovierung der Kirche. Aber es gab weit mehr als Filme auf die Festplatte zu laden oder noch zu digitalisieren – je nachdem, wie das Material angeliefert wurde.

Es gab Fotos, Listen und Urkunden von eher aktuelleren Veranstaltungen, aber auch sehr alte Dokumente wie zum Beispiel Fotos von Schulklassen Anfang des letzten Jahrhunderts. Auch eine Liste von Asbeckern, die in den Ersten Weltkrieg ziehen mussten, und Schnappschüsse von Festen in Asbeck aus den 1950er- und 1960er-Jahren wurden angeliefert.

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Dass zu Dokumenten Geschichten gehören, haben die drei Junggesellenschützen aber an ihrem Aktionstag erfahren und somit auch viel Neues aus ihrem Heimatdorf. Matthias Nettels war ganz angetan von vielen Erzählungen, zum Beispiel von der alten Schule und über die Lehrer. „Weißt Du noch, Pastor Blömers Fingernagel?“ – dieser Satz sei des Öfteren gefallen. Die Lösung: Früher war offensichtlich in der Asbecker Schule nicht nur ein Schlag mit dem Lineal auf die Finger üblich.

„Weißt Du noch, Pastor Blömers Fingernagel?“

„Pastor Blömer hatte wohl besonders lange Fingernägel und wenn ein Schüler etwas gemacht hatte, was ihm nicht passte, hat er den Jungen nach vorne geholt und derart an den Ohren gezogen, dass der Fingernagel in die Schläfe drückte“, erzählte Nettels. „Jetzt konnten aber alle darüber lachen.“

Auch von einem mutigen Mädchen aus Asbeck erfuhren die Junggesellen etwas an dem Digitalisierungs-Aktionstag: In Zusammenhang mit der Liste der Asbecker, die zum Zweiten Weltkrieg eingezogen worden sind, wurde die Geschichte von Mia Wenning erzählt. Ein Mädchen aus Asbeck, das den Kirchturm hochlief und ein weißes Bettlaken an den Turm hing, als die englischen Alliierten aus Osterwick nach Asbeck zogen. „Gänsehautgeschichte, dass ein so junges Mädchen den Mut und auch die Weitsicht hatte, das zu tun“, ist der 37-Jährige noch Tage später beeindruckt.

Dorf-Datenbank für Asbeck: Fotos, Filme, Dokumente und Geschichte(n) werden digitalisiert

Hier wurde marschiert: Viele Fotos von Schützenfesten aus den vergangenen Jahrzehnten wurden dem Junggesellenschützenverein für die digitale Datenbank zur Verfügung gestellt. © Datenbank Junggesellenschützenverein

Selbst vom Schützenfest-Feiern hörten sie Neues: So wurde es viele, viele Jahre auf dem Platz vor Haus Asbeck abgehalten. Dann konnten sich viele Besucher erinnern, dass es bis vor gut 20 Jahren üblich war, dass das Königspaar aus der Kutsche den Kindern Bonbons zuwarf. Das muss in den 50er- und 60er-Jahren eine gefährliche Sache gewesen sein, weil erzählt wurde, dass die Kinder zwischen den Beinen der Pferde vor der Kutsche hersprangen, um auch das letzte Bonbon aufheben zu können.

Insgesamt gab es viele Geschichten „wie Schützenfest früher war“. Rudolf van Wüllen erzählte zum Beispiel, dass Jugendschutz überhaupt kein Thema war, weil für alle klar war, dass man erst mitfeiern durfte, wenn man die Gesellenprüfung in der Tasche hatte. Das war wohl damals der Zeitpunkt, ab dem man als erwachsen galt.

Beim „Kriegerfest“ wurde das Überleben gefeiert

Das Kriegerfest, bei dem alle Männer, die den Ersten und/oder Zweiten Weltkrieg überlebt hatten, feierten, dass sie noch leben, war den Junggesellenschützen ebenso wenig bekannt wie die Margaretenkirmes im Juni mit Karussells, Schießbuden und Co. auf dem Küchenhof und auf dem jetzigen Hof Eismann. Zur Kirmes haben die Viehhändler und Bauern aus dem Dorf verkauft, „es muss echt was los gewesen sein“, hat Matthias Nettels erfahren.

Der Asbecker ist auch Mitglied im Vorstand des Heimatvereins. Die Idee mit der Datenbank ist dort natürlich auch gut angekommen. Der Vorsitzende Bernhard Laukötter hat auch einiges beigesteuert zur Datenbank. Und diese soll natürlich nicht in der Schublade verschwinden: „Wir haben vereinbart, dass wir zur Mitgliederversammlung des Heimatvereins schon einmal eine Viertelstunde aus dem Material zeigen“, kündigt Matthias Nettels an.

Drei Ansprechpartner freuen sich auf weiteres Material

Es ist noch Platz auf der Festplatte. Wer noch Dokumente, Fotos oder Filme hat, die vom Dorfleben erzählen, wird gebeten, sich bei Marc Haberstroh, Tel. (0151) 40010819, Leon Eißing, Tel. (0151) 70623344, oder bei Matthias Nettels, Tel. (0170) 4746948, zu melden. Die Drei sind aktuell damit beschäftigt, die ihnen zur Verfügung gestellten Medien zu digitalisieren. Die Dorf-Datenbank solle aber auch jedem, der Interesse daran hat, zur Verfügung stehen“, hatte Marc Haberstroh, Vorstandsmitglied des Vereins, schon im Vorfeld betont.

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