Feiger Mord in der Broeke vor 100 Jahren ist heute Thema in den USA

hzMord in der Broeke

Einem feigen Mord fiel Ernst Schmitz zum Opfer. Am 100. Jahrestag ist die Erinnerung in den USA lebendig. Ein Bericht der Münsterland Zeitung lockt Bill Schmitz sogar ins Münsterland.

Legden, Ahaus

, 04.06.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Gedenkstein kennen viele, die in der Broeke spazieren gehen. „Treu seiner Pflicht in Deutschlands größter Not starb er durch Mörderhand den Jägertod“, steht dort geschrieben. Gemeint ist Ernst Schmitz, der fürstliche Forstaufseher. Ausgerechnet an seinem ersten Arbeitstag in der Broeke wird er am 29. März 1919 von einem Wilderer erschossen. Es war ein Racheakt, der gar nicht ihm galt. Viele Spuren führen damals nach Legden.

100 Jahre später sitzt Bill Schmitz in Cleveland, Ohio, und bringt mit Freunden und Verwandten einen Trinkspruch auf den Großonkel aus. Dass zeitgleich auch in Ahaus und Legden an den Forstaufseher erinnert wird, ahnt er nicht.

Feiger Mord in der Broeke vor 100 Jahren ist heute Thema in den USA

Bill Schmitz © privat

Der Fall ist in der einschlägigen Literatur beschrieben worden. Davon hatte Revierförster Udo Hüning anlässlich des 100. Jahrestags berichtet. Ein Bild von Ernst Schmitz hatte er allerdings nicht parat. Das kommt jetzt per Mail aus den USA. In Cleveland, bei Bill Schmitz, landete der Bericht der Münsterland Zeitung. Jetzt hat er sich gemeldet, mit Fotos, Informationen und der Ankündigung: „Der Artikel bringt mich dazu, nach Deutschland zu kommen.“

1907 in die USA ausgewandert

William Schmitz, kurz Bill genannt, ist der Großneffe von Ernst Schmitz. Einer seiner zwei Brüder, Wilhelm Schmitz, war 1907 in die USA ausgewandert und lebte seitdem in Cleveland. Auch ein zweiter Bruder, Joseph, wanderte in die USA aus. William Schmitz starb 1944. Sein Sohn Ernest, so schreibt Bill Schmitz, wurde nach dem ermordeten Ernst benannt.

Feiger Mord in der Broeke vor 100 Jahren ist heute Thema in den USA

Ein altes Foto zeigt Ernst Schmitz (der Mann in Uniform links). Aufgenommen wurde es bei der Hochzeit von Antonia Schmitz und Joseph Stewering. © privat

Ernest Schmitz, so Bill Schmitz, wusste wenig über die deutsche Familie und besaß nur sehr wenige Gegenstände, wie alte Bilder und Bestattungskarten. Darunter war auch ein Bild von Ernst Schmitz in einer Militäruniform in einem kleinen Rahmen aus Kugeln und ein altes Signalhorn. Bill Schmitz: „Mein Vater erzählte mir, dass sie seinem Onkel Ernst gehörten, der irrtümlich von Wilderern getötet wurde, und dass die Mörder beabsichtigten, einen anderen Förster zu erschießen. Als Kind war ich fasziniert von der Geschichte und diesen Gegenständen. Höchstwahrscheinlich war es alles, was er wusste.“

Feiger Mord in der Broeke vor 100 Jahren ist heute Thema in den USA

Diese Todesanzeige aus einer Zeitung erreichte 1919 Amerika und den Bruder von Ernst Schmitz William. © privat

Schon 1975 besuchte Bill Schmitz Europa. „Weder mein Vater noch seine Schwester wussten etwas über die deutsche Familie“, so erzählt er. „Also sammelte ich die alten Fotos und Papiere und fand einen Hinweis auf den Friedhof in Gemen.“

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Auf der Suche nach Schmitz

Sein Nachname wird ihm die weitere Suche nicht einfach gemacht haben. Er erinnert sich: „Bei meiner Ankunft besuchte ich den Friedhof und fand gut gepflegte Gräber. Ich ging dann zum Telefonbuch und schrieb den Namen und die Adresse von jedem in Gemen namens Schmitz auf. Es waren fünf.“ Vergeblich klopfte er an Türen. Beim fünften Versuch traf er einen Mann, der „sehr aufgeregt war und hoffte, dass er verwandt sei.“

Doch das Material von Bill Schmitz zeigte, dass er es nicht war. Dafür hatte er einen entscheidenden Tipp. „Er bemerkte einen Bestattungsbrief von 1927 für Antonia Schmitz Stewering und sagte: ,Ich kenne diesen Namen‘“. Ein Telefonat später fuhr er Bill Schmitz zu Karl Stewering, Sohn von Antonia.

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Ein Jagdhorn © privat

Bill Schmitz denkt voller Begeisterung an den Abend zurück, an dem er Familien der Schwestern seines Großvaters kennenlernte. Auch später hat er den Kontakt zu der Familie Stewering gehalten. Auch den Gedenkstein hat er besucht.

Jetzt also hat er anlässlich des Jahrestags seine Verwandten in den USA an Ernst Schmitz erinnert. Einige Tage später erreichte ihn der Artikel der Münsterland Zeitung, der ihm einige neue Informationen brachte. „Ich war fasziniert. Ich dachte, Ernst Schmitz sei ein längst vergessener Name auf einem Stein im Wald.“

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Der Gedenkstein in der Broeke © Ronny von Wangenheim

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