Großbrand der ehemaligen Möbelfabrik Rossmöller. Rechts ist Manfred Laukamp zu sehen. Auch er ist in diesem Jahr für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt worden. © Feuerwehr Legden
Jubilare geehrt

Feuerwehr in Legden: Damals hatten sie nur den „Feurigen Elias“

Wenn es irgendwo brennt, dann stehen sie bereit: die Frauen und Männer der Feuerwehr Legden. Manche von ihnen sind schon seit 60 Jahren dabei – und sie haben viele Geschichten zu erzählen.

1985 haben sie alle drei noch in guter Erinnerung. Die Möbelfabrik Roßmöller brannte bis auf die Grundmauern nieder – ein einschneidendes Ereignis, das nicht nur Legden, sondern auch die Feuerwehr bis heute prägt. „Für uns war das eine Schadenslage, mit der wir nicht allein fertigwerden konnten“, erinnert sich Ulrich Elbers heute. „Das ist so das, was einen ein wenig geprägt hat.“

1980 war er der erste Wehrführer der Gesamtfeuerwehr Legden, die erst wenige Jahre zuvor mit dem Löschzug aus Asbeck fusioniert hatte. Bei dem Brand damals waren auch zwei Brüder dabei, die ihm später in seiner Funktion nachfolgen sollten.

Dieses Bild aus den 50er Jahren zeigt den „Feurigen Elias“ vor dem alten Gerätehaus an der Amtshausstraße.
Dieses Bild aus den 50er Jahren zeigt den „Feurigen Elias“ vor dem alten Gerätehaus an der Amtshausstraße. © Feuerwehr Legden © Feuerwehr Legden

Brand war einschneidend für die Feuerwehr

Hermann Uppenkamp trat 2001 in seine Fußstapfen, sechs Jahre später beerbte ihn sein „kleiner“ Bruder Klaus, der bis heute im Amt ist. „Das war mein erster Einsatz und der erste, bei dem wir alle zusammen waren, an einem Nikolausabend“, blickt er zurück. „Ich war damals erst fünf oder sechs Monate bei der Feuerwehr, noch mit viel jugendlichem Leichtsinn.“

Der Brand damals sei sehr einschneidend für die Feuerwehr gewesen, weil hier und in der anderen Möbelfabrik, die auch 1985 schloss, viele Feuerwehrleute gearbeitet hätten – heute hingegen würden viele nicht mehr im Ort arbeiten und pendeln. „Daran haben wir heute noch zu knapsen“, erklärt Klaus Uppenkamp.

60 Jahre bei der Feuerwehr

Überhaupt hat sich seither viel geändert bei der Feuerwehr, nur eines nicht: Die Frauen und Männer, die Tag und Nacht auf Abruf bereit stehen, sie sind immer noch da. 20 von ihnen wurden kürzlich geehrt für ihre jahrzehntelange Aktivität bei der Legdener Feuerwehr, die – das darf man nicht vergessen – immer noch freiwillig ist.

Die Leiter der Feuerwehr Klaus Upenkamp und Christoph Blanke und der Bürgermeister Dieter Berkemeier mit den Geehrten der Feuerwehr Legden.
Die Leiter der Feuerwehr Klaus Upenkamp und Christoph Blanke und der Bürgermeister Dieter Berkemeier mit den Geehrten der Feuerwehr Legden. © privat © privat

Und sie haben viele Geschichten zu erzählen. Ulrich Elbers ist im Jahr 1961 zur Feuerwehr gekommen: „Das hat sich ergeben durch Kollegen, die schon in der Feuerwehr waren.“ 20 Jahre war er damals alt und er hätte sich wohl nie träumen lassen, dass daraus mal 60 Jahre werden, davon 21 als Wehrführer. „Damals waren viele Ältere bei der Feuerwehr, die – wie heute – frisches Blut brauchte.“

Nur ein Löschfahrzeug stand zur Verfügung

Der junge Ulrich Elbers – heute zählt er 80 Lebensjahre – musste seinerzeit mit den Kameraden das eine Löschfahrzeug nutzen, das die Feuerwehr damals zur Verfügung hatte. Und es sollte noch dauern, bis es Ersatz für den „Feurigen Elias“ gab. „Da hatten wir noch nicht mal ein Blaulicht“, berichtet Hermann Uppenkamp, der 1971 zur Feuerwehr kam. Das war ein ehemaliges Militärfahrzeug ohne Funk, eigentlich nur ein Mannschaftswagen, mit einer Spritze und einer Pumpe, die zweite war im Anhänger. Wasser hatten sie damals nicht dabei, das musste vor Ort organisiert werden.

Für 25 Jahre Dienst bei der Feuerwehr wurden geehrt: Anne Schmeddes, Frank Roßmöller, Regina Böwing, Josef Schiermann, Michael Hölscher und Ralf Marpert

35 Jahre: Wolfgang Ahlers, Klaus Uppenkamp, Werner Mess, Bernd Hölscher, Clemens Haverkock und Andreas Mönsters

50 Jahre: Heinrich Nettels, Josef Wernsing, Anton Borgscheiper, Hermann Uppenkamp und Felix Mess

60 Jahre: Ulrich Elbers, Manfred Laukamp und Günter Fleige

Als kleiner Junge schon ist Hermann Uppenkamp diesem Einsatzwagen hinterhergefahren: „Ich habe mir den ein oder anderen Rüffel eingefangen, weil ich den Einsatzkräften hinterhergefahren bin und mich dem Einsatzort weiter genähert habe als eigentlich zulässig.“ Er ist „in der Feuerwehr aufgewachsen“, schon der Vater war dabei, die Familie lebte in der Nähe des Gerätehauses. „Das hatte damals schon seine Faszination.“

Die sollte über 50 Jahre erhalten bleiben. Seinerzeit wartete er sehnlich auf den 17. Geburtstag, damit er aktives Mitglied werden konnte. Später folgte ihm sein „kleiner“ Bruder Klaus Uppenkamp, „14 Jahre zeitversetzt“, wie dieser berichtet.

Der „kleine“ Bruder übernahm 2007

Seit 2007 ist der 53-Jährige Leiter der Feuerwehr und muss sich mitunter mit anderen Problemen plagen als noch seine beiden Vorgänger: „Wir sind kein Verein, wir sind darauf angewiesen, dass die Leute kommen, wenn wir sie rufen.“ Als Freiwillige Feuerwehr sei man aber personell so aufgestellt, dass alle Lagen abgearbeitet werden können.

Dennoch übt die Feuerwehr heute nicht mehr die Faszination aus, die sie einst hatte: „Wie viele Vereine hat man heute? Da muss man aufpassen, dass man nicht ins Hintertreffen gerät“, mahnt Klaus Uppenkamp. Ulrich Elbers pflichtet bei: „Auch das ist ein Riesenproblem, dass man geeignete Leute bekommt. Zu meiner Zeit war das noch relativ einfach. Kameradschaft zählte noch mehr.“

Feuerwehr hat sich gewandelt

Zugleich ist Feuerwehr deutlich komplexer geworden. Der „Feurige Elias“ ist acht Fahrzeugen gewichen und die Feuerwehr in zwei moderne Gerätehäuser umgezogen. „Die Bürokratie hat sich gewaltig gesteigert seit unseren Tagen“, wirft Hermann Uppenkamp ein. „Ich verbringe keinen Tag, an dem ich nicht mit der Feuerwehr zu tun habe“, berichtet Klaus Uppenkamp – und das alles neben dem Vollzeitjob als Technischer Einkäufer in Holtwick. Sein Arbeitgeber unterstütze das ehrenamtliche Engagement vollumfänglich. „Die Zeit ist unwahrscheinlich schnelllebig geworden, gerade in der Pandemie.“

Blicken auf 145 Jahre Feuerwehr-Erfahrung zurück: Wehrführer a. D. Hermann Uppenkamp, Ehrenwehrführer Ulrich Elbers und Leiter der Feuerwehr Klaus Uppenkamp (v. l. n. r.). Dieses Bild ist Bild ist am 16.05.2020 entstanden.
Blicken auf 145 Jahre Feuerwehr-Erfahrung zurück: Wehrführer a. D. Hermann Uppenkamp, Ehrenwehrführer Ulrich Elbers und Leiter der Feuerwehr Klaus Uppenkamp (v. l. n. r.). Dieses Bild ist Bild ist am 16.05.2020 entstanden. © Feuerwehr Legden © Feuerwehr Legden

Und auch die Wahrnehmung von Feuerwehr habe sich geändert. Viele Menschen würden denken, dass der Job in Vollzeit erledigt werde – dabei haben alle Frauen und Männer einen Hauptberuf. „Heute sehen viele Feuerwehr als selbstverständlich an“, beklagt Klaus Uppenkamp. Das ist sie aber nicht: Dahinter stecken viel Arbeit und viel Herzblut der Frauen und Männer, die im Zweifel für andere ihr Leben riskieren – damals wie heute.

Der neue Lokalsport-Newsletter für Haltern

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Halterner Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.