Im Dorfkern von Asbeck ist jahrhundertealte Geschichte freigelegt

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An manchen Tagen scheint Asbecks Dorfkern wie verwunschen und leer. Doch Bernhard Laukötter und der Heimatverein, die Backfrauen und die Familie van Wüllen machen hier Geschichte lebendig.

von Andreas Bäumer

Legden

, 23.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer den Dorfkern von Asbeck besucht, trifft zwischen historischen Bauten manchmal keine Menschenseele. Doch am ersten Dienstag im August ist hier einiges los. Mütter treffen sich am Kindergarten neben der Hunnenporte von 1630. Im Backhaus auf der anderen Seite des Platzes hat eine Gruppe Seniorinnen den Steinofen angefeuert. Ein Paar besucht das Geschäft der Familie van Wüllen im ehemaligen Äbtissinenhaus.

Seit 20 Jahren backen diese Damen Steinofenbrot im Backhaus neben dem Kindergarten für einen guten Zweck und zwar am Vormittag des ersten Dienstags im Monat. Das Backhaus ist von einem Asbecker Hof hierher überführt worden und steht symbolisch für die Stiftsbäckerei.

Seit 20 Jahren backen diese Damen Steinofenbrot im Backhaus neben dem Kindergarten für einen guten Zweck und zwar am Vormittag des ersten Dienstags im Monat. Das Backhaus ist von einem Asbecker Hof hierher überführt worden und steht symbolisch für die Stiftsbäckerei. © Andreas Bäumer

Dann kommt auch Bernhard Laukötter angeradelt, der Vorsitzende des Heimatvereins. Er erzählt fröhlich und lebendig von der mehr als 650-jährigen Geschichte des Stifts Asbeck während er die Schätze und Gebäude zeigt.

Als Kloster erbaut, für interessierte Besucher erneuert

Einige Teile des Damenstifts blieben erhalten, wie die im 12. und 13. Jahrhundert erbaute Stiftskirche St. Margareta samt ihres Kirchenschatzes. Andere wurden überbaut und wieder freigelegt, wie der Schlafsaal – das Dormitorium. Teile des doppelstöckigen Kreuzgangs haben sogar eine Reise nach Münster und zurück hinter sich.

Die Geschichte zu jedem Stiftsgebäude im Dorfkern haben Laukötter und der Heimatverein auf ausführlichen Schautafeln verzeichnet. Wer eine längere Tour durch das schöne Dorf im Grünen plant, kann auch den Hinweisen der Skulpturen-Route-Asbeck mit verschiedenen teils wechselnden Kunstwerken folgen. Es lohnt sich.

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Mit Laukötter bleiben wir im Stiftsbereich. Der Diplom-Theologe, Ethnologe und Germanist berichtet über die Architektur des Stifts und über dessen Bewohnerinnen. Münsters Bischof Hermann II. von Katzenelnbogen tätigte in seiner Amtszeit (1173-1203) hier die erste große Investition, damals in ein Kanonissen-Stift.

Der zweistöckige Kreuzgang, das Dormitorium und Großteil der Kirche St. Margareta wurden um einen Innenhof erbaut. „Für damalige Verhältnisse war das eine richtig coole Anlage“, freut sich Laukötter. Für Katzenelnbogen hat es sich jedenfalls gelohnt. In ihren regelmäßigen Fürbitten beteten zunächst die Nonnen und später dann die adligen Stiftsdamen für ihn – bis zur Schließung im Jahr 1811. Laukötter bewundert, dass sie dieser Verbindlichkeit über so einen langen Zeitraum folgten.

In Asbeck zu Hause, doch oft drei Monate auf Reisen

Ebenso bewundernd erzählt er vom freien Alltag der Stiftsdamen, denn ab dem 16. Jahrhundert wurde das Kloster zum freiweltlich adligen Damenstift. Hier wohnten Töchter adliger Beamter, des Ministerial-Adels.

Sie mussten nur einen geringen Betrag in das Kloster einbringen, bekamen dann eine gute Bildung und ein Taschengeld, die Präbende. Sie durften weltliche Kleidung tragen und drei Monate im Jahr reisen. In manchen Fällen verließen sie das Stift wieder auf Geheiß ihrer Familie und wurden verheiratet.

Dieses Gebäude stammt aus der Zeit vor 1340 und war zu Stiftszeiten das Haus der Äbtissin. Heute wohnt und arbeitet hier die Familie van Wüllen. Den Besuchers ihres Geschäfts für Geschenkartikel und Wohnideen bieten sie auch einen Blick in die Geschichte.

Dieses Gebäude stammt aus der Zeit vor 1340 und war zu Stiftszeiten das Haus der Äbtissin. Heute wohnt und arbeitet hier die Familie van Wüllen. Den Besuchers ihres Geschäfts für Geschenkartikel und Wohnideen bieten sie auch einen Blick in die Geschichte. © Andreas Bäumer

Therese von Zandt (1771-1858), eine der letzten Stiftsdamen, nahm ihr Leben noch weit mehr in die Hand. Sie wurde Pianistin, Sängerin, Musikjournalistin und nach Laukötters Folgerungen Geliebte Beethovens. Später heiratete sie den Komponisten August Burgmüller, mit dem sie drei Söhne hatte. Im Torhaus der Hunnenporte sind ihr eigene Räume gewidmet.

Was ist während der Pandemie noch zu besichtigen

Leider sind diese Räume und der Dormitoriums-Raum mit den Kirchenschätzen geschlossen. Laukötter und der Heimatverein geben derzeit keine Führungen für Gruppen.

Doch jeden ersten Dienstag im Monat befeuern einige Damen aus dem Dorf am frühen Morgen den Steinofen im Backhaus. Sie bieten dann bis circa 12 Uhr Weizenbrote an. Die Erlöse kommen einem gutem Zweck zu.

Das Instandhalten des Äbtissinnenhauses hat sich Familie van Wüllen zur Lebensaufgabe gemacht. Hier befindet sich ihr Geschäft für Geschenkartikel und Wohnideen, hier restauriert Tochter Stefanie Möbel und manchmal auch ein Fenster des alten Hauses, hier dürfen Besucher ein Fachwerkzimmer aus frühen Klosterzeiten bewundern.

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