Landtagsabgeordneter Stephen Paul sorgt bei der BI für neuen Fokus

hzBI gegen Verdichterstation

Seit 2018 kämpft die BI „Verdichterstation - Nein Danke!“ gegen das geplante Industrieprojekt. Mit Fragen und Einsichten gab der Landtagsabgeordnete Stephen Paul den Mitgliedern neuen Fokus.

von Andreas Bäumer

Legden

, 21.08.2020, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ortstermin im Haulingort: Stephen Paul (MdL, FDP) blickt auf zwei Bagger auf der Trasse für die Zeelink-Gasleitung, auf die Höfe und Maisfelder rundum. Er hat Gerd Schulze Hauling, Reinhold Einck und Thomas Leivermann von der BI „Verdichterstation - Nein Danke!“ zugehört und denkt nun laut. Wenn hier die Verdichterstation fertig ist, werden womöglich bald weitere Industriegebäude folgen. „Dann sind die Dämme gebrochen,“ sagt er. Ein Worst-Case-Szenario, das zu denken geben soll.

Unter anderem diese landwirtschaftliche Fläche soll mit der Verdichterstation überbaut werden. Die Station allein wird acht Hektar Fläche brauchen.

Unter anderem diese landwirtschaftliche Fläche soll mit der Verdichterstation überbaut werden. Die Station allein wird acht Hektar Fläche brauchen. © Andreas Bäumer

Derzeit liegt die Planfeststellung für die Verdichterstation bei der Bezirksregierung. Diese bewertet gerade die Pläne des Bauherren Open Grid Europe (OGE) und die Einwendungen der Bürger, der Umweltverbände, der Gemeinde Legden und der von Haulingorter Landwirten getragenen BI „Verdichterstation – Nein Danke!“.

25 Hektar im Haulingort für Verdichterstation und Ausgleich

Die Pläne betreffen zunächst 25 Hektar im Haulingort. Soviel bewirtschaftet ein durchschnittlicher Legdener Agrarbetrieb. Entsprechend teurer werden auch landwirtschaftliche Flächen in der Umgebung werden, fürchtet die Bürgerinitiative.

Auf acht Hektar dieser Fläche sollen die gasbetriebenen Verdichterturbinen errichtet werden. Vier Hektar sind für Zuwegung und Baubetrieb vorgesehen. 13 Hektar sollen den Flächenverbrauch ausgleichen.

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Auf dem Gebiet der möglichen Baustelle leben Rebhühner und Kiebitze und diese sollen in die benachbarte dann von einem Landwirt gepflegte Naturschutzfläche umziehen können.

Gerd Schulze Hauling hat Stephen Paul hierher und zu einem Kamingespräch mit den Mitgliedern der BI eingeladen, weil er den Landtagsabgeordneten als engagiert für die Kulturlandschaft kennengelernt hat.

Am Kamin im Hof Schulze Hauling: FDP-Landtagsabgeordneter Stephen Paul und Gerd Schulze-Hauling (v.l.).

Am Kamin im Hof Schulze Hauling: FDP-Landtagsabgeordneter Stephen Paul und Gerd Schulze-Hauling (v.l.). © Andreas Bäumer

Paul ist Sprecher für Bauen, Wohnen und Stadtentwicklung der FDP-Landtagsfraktion, kommt im feinen Anzug und hört offen zu. Schulze Hauling begrüßt ihn: „Sie sind der einzige Landtagsabgeordnete, der unserer Einladung gern gefolgt ist. Früher haben wir uns hier selbst verteidigt, heute brauchen wir dafür Politiker.“

BI-Sprecher Reinhold Einck berichtet über den Kampf gegen die Verdichterstation seit 2018. Er und die anderen Sprecher haben sich seither tief in das Thema eingearbeitet.

Im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten

Sie haben andere Verdichterstationen besucht, die wenig ausgelastet waren. Für sie gehören diese Industrieanlagen ins Gewerbegebiet und nicht in die offene Landschaft. Paul stimmt dem zu. Die Legdener berichten, wie der Netzbetreiber OGE bereits auf den Standort im Haulingort festgelegt war und dass ein wirklicher Dialog um die Pläne nicht stattgefunden habe.

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Unverständlich für die BI ist, dass noch so eine hohe Investition für den Gastransport getätigt wird. Schließlich kehre sich Deutschland mit der Energiewende von fossilen Brennstoffen ab. Es gehe um rund 170 Millionen Euro.

Rhetorische Argumente sind juristisch nicht hilfreich

Nicht nur an diesem Punkt geht Paul dazwischen. Ihm scheint die Energiewende zwar ein gutes rhetorisches Argument, juristisch aber kein hilfreiches. Der Netzbetreiber, so vermutet er, werde gute Gründe für die Planung liefern. Er fragt, ob die BI bereits einen Anwalt für rechtliche Schritte gefunden habe.

Ein Fachanwalt, den die BI anfragte, war bereits für den Netzbetreiber tätig. Zudem sind solche Anwälte zu kostspielig für die Bürgerinitiative. Paul schlägt die Gemeinde Legden als Träger der Anwaltskosten vor. Es sei oft hilfreich, zu sticheln.

Als Ansatzpunkte für ein mögliches Vorgehen gegen die Industrieanlage im Haulingort sieht er drei Fragen: Gibt es Fehler des OGE in der Standortfestlegung und Planfeststellung? Wie steht es um die ökologische Bedeutung der Flächen? und Ist von der Technologie und Physik aus ein anderer Standort möglich?

Zum Ende des Treffens hin bietet Paul an, sich in diese Fragen einzuarbeiten und auch Reinhard Böcker, der als FDP-Kreisvorsitzender den Besuch begleitet, möchte hier weiter bohren.

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