In Legden müssen 50 Wohnungen jährlich gebaut werden, damit das Dorf zukunftsfähig bleibt

hzWohnraum in Legden

Wie viele Wohnungen gibt es in Legden? Wie wird sich die Bevölkerung entwickeln? Hat Legden in Zukunft genügend Wohnungen? Eine Studie liefert viele Fakten und auch Antworten.

Legden

, 28.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Legden wird weiter wachsen. Zur Deckung des aktuellen Wohnungsbedarfs wäre ein Wohnungsbau in einer Größenordnung um 50 Wohnungen je Jahr erforderlich. Das ist ein Ergebnis einer Studie, für die der Wohnungsmarkt erstmals auf Kommunalebene untersucht wurden. Die konkreten Zahlen für Legden hat Matthias Günther vom Eduard Pestel Institut für Systemforschung den Fraktionen im Rat vorgestellt.

? Wie entwickelt sich die Bevölkerung?

Nachdem es 2014 erstmals mehr als 7000 Einwohner gab, wächst Legden jedes Jahr ein wenig. 2018 waren es rund 7300 Einwohner. Seitdem gibt es nach etlichen Jahren wieder mehr Geburten als Todesfälle. Das Wanderungssaldo erreichte 2015, als viele Flüchtlinge nach Legden kamen, einen Spitzenwert von 200, lag dann 2017 sogar bei minus 30 und 2018 bei Null.

Betrachtet man die Bevölkerungsentwicklung von 1995 bis 2018 liegt Legden mit einem Plus von 21,3 Prozent kreisweit sogar ganz vorne. Bei Heek und Ahaus sind es weniger als 15 Prozent, in Stadtlohn, Südlohn und Vreden sogar unter 10 Prozent. Die Nachbargemeinde Rosendahl mit unter 5 Prozent steht viel schlechter da.

? Wie viele Wohnungen gibt es in Legden?

2017 gab es in der Gemeinde Legden 2875 Wohneinheiten. Der größte Anteil fiel mit 33,5 Prozent auf Wohnungen, die zwischen 1949 und 1978 entstanden, 86,9 Prozent aller Wohnungen wurden nach 1948 gebaut.

Der Anteil von Ein- und Zweifamilienhäusern liegt mit 82,3 Prozent über dem Durchschnitt vom Kreis Borken (71,8 Prozent). 66 Prozent der Wohnungen werden von Eigentümern bewohnt. Nur 15 Prozent der Wohnungen sind in Mehrfamilienhäusern. Insgesamt waren 891 Wohnungen vermietet. Der Leerstand liegt bei zwei bis drei Prozent.

? Was hat sich verändert beim Wohnen?

Die Zahl der Haushalte seit 1987 ist auf dem Weg sich zu verdoppeln. Damals waren es rund 1500, heute knapp 2700. Dafür leben aber weniger Menschen in einem Haushalt. Waren es damals rechnerisch 3,6 Personen pro Haushalt, sind es heute 2,8. 1990 standen pro Einwohner 34 Quadratmeter zur Verfügung, heute sind es 46 Quadratmeter. „Die Kinder ziehen aus, die Wohnfläche pro Kopf wächst deshalb“, so Matthias Günther.

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? Was sagen die Prognosen?

Matthias Günther spricht nicht von Prognosen, die seien sehr schwierig. Kann angesichts der Ziele zum Klimaschutz der Lebensstandard gehalten werden, können also mehr Menschen alleine leben, oder wird wegen Dämmung und anderen Investitionen Wohnen teurer – das ist beispielsweise eine Frage, die sich heute noch nicht beantworten lässt.

Deshalb wurden Modellrechnungen entwickelt. Fünf Szenarien gibt es, in denen Zu- und Abwanderungen, das steigende Alter und steigende Pflegebedürftigkeit oder der Trend zu weiterer Haushaltsverkleinerung unterschiedlich bewertet werden.

Die wahrscheinlichste Variante geht davon aus, dass 2035 rund 8300 Menschen in Legden leben werden. Bis dahin wird auch der Anteil der älteren Menschen ständig steigen. Ab 2025 wird es mehr Sterbefälle geben, was zu einer Minderung des Wohnungsbedarfs führen wird.

? Welche und wie viele Wohnungen fehlen?

„Die Nachfrage nach Ein-Familien-Häusern ist sehr hoch. Die Menschen haben Angst vor Mieterhöhungen“, so Matthias Günther. Es fehlen aber auch kleine Wohnungen. Denn Wohneinheiten mit maximal zwei Zimmern machen nur 11 Prozent des Bestands aus. Mehr als 60 Prozent haben fünf und mehr Räume.

Gesund ist ein Leerstand von 3 Prozent. Legden hat mit 2 bis 3 Prozent ein leichtes Wohnungsdefizit. Günther erklärt, dass zur Deckung des aktuellen Wohnungsbedarfs, auch einschließlich des Defizitabbaus bis 2025, 50 Wohnungen jedes Jahr gebaut werden müssten.

? Wie sieht es mit Sozialwohnungen und günstigen Wohnungen aus?

Im Fazit der Studie heißt es: „Der Neubau von Sozialwohnungen wird vor allem politisch entschieden. Gegenwärtig gleicht der Zugang zu Sozialwohnungen in vielen Orten einer Lotterie. Auch in Legden sind nur für einen Bruchteil der Berechtigten Sozialwohnungen verfügbar. Am Jahresende 2017 gab es in Legden lediglich 66 Sozialwohnungen.“

Eine andere Aussage: „Da es bisher noch keine Förderung des Neubaus ,bezahlbarer‘ Wohnungen außerhalb des sozialen Wohnungsbaus gibt, können

hier nur die Kommunen direkt oder über die Bereitstellung bezahlbarer Grundstücke aktiv werden.“

? Was ist das Fazit für die Gemeinde?

Wie sich Legden entwickeln wird, hängt von den politischen Gremien Legdens ab. Um weitere Wanderungsgewinne zu erzielen – und nur so kann langfristig die Einwohnerzahl wachsen – muss die Gemeinde attraktiv bleiben. Matthias Günther empfiehlt zum Beispiel „dringend eine vernünftige Beratung zum Umbau von Ein-Familien-Häusern“. Zentrales Thema, so die Studie, wird die weitere Baulandentwicklung sein.

? Die Meinung aus dem Rat?Bürgermeister Friedhelm Kleweken betonte: „Ich sehe viel Potenzial für die Entwicklung.“

Berthold Langehaneberg, Fraktionsvorsitzender der CDU, verwies auf die Anfrage der CDU zur „zukünftigen Siedlungsflächenentwicklung in der Gemeinde Legden, sowohl im Ortsteil Legden wie auch im Ortsteil Asbeck“. Man müsse an dem moderaten Wachstum in Bezug auf Bauland und Gewerbeflächen als Ziel festhalten.

Thematisiert wurde von der UWG außerdem das Landesbaurecht. Dieses macht Bebauung im Außenbereich schwierig.

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