Berthold Kortbus vor einem völlig zerstörten Ortskern im Hochwasser-Katastrophen-Gebiet. © Privat
Private Hilfsaktion

Legdener Berthold Kortbus hat eine Woche lang Schlamm geschaufelt

Berthold Kortbus hat seine persönliche Mission erfüllt. Vorerst jedenfalls. Er hat Hilfsgüter in die Hochwasser-Region gebracht und eine Woche mit angepackt. Er hat Tipps für Freiwillige.

Berthold Kortbus ist seit Montag wieder zurück an seinem Arbeitsplatz beim Stahlhandel Glanemann. Nach einer völlig außergewöhnlichen „Urlaubswoche“ im Hochwasser-Katastrophengebiet rund um den Nürburgring, in der er mithalf, Schlammmassen aus Häusern und Wohnungen zu schaufeln. Eine Woche, in der er eine teilweise völlig ausgelöschte Infrastruktur erlebte und Menschen begegnete, denen nicht mehr geblieben war als ihr Leben.

Dafür, dass ihn das alles nicht aus dem Gleichgewicht brachte, nennt er viele Ursachen. „Die Leute sind einfach so unglaublich dankbar und sind nur froh, dass es die freiwilligen Helfer gibt“, sagt der 51-Jährige. Ohne sie sei der Wiederaufbau wohl nicht zu schaffen, ist er sich sicher.

Beeindruckender Zusammenhalt

Ein zweiter Grund, dass er an seiner Aufgabe nicht verzweifelte: der Zusammenhalt. Der unter den Helfern und den Menschen überhaupt: „Man hat das Gefühl, als ob man sich schon Jahre kennt.“ Gleichwohl ist Berthold Kortbus vielen Bewohner begegnet, die hoffnungslos sind. Wie der Mann, der mit seiner 90-jährigen Mutter in einem Haus wohnte, sie unten, er oben. Berthold Korthus: „Der wollte einfach nur noch weg.“

Das hörte er häufiger, wenn er von Adenau aus mit einem Shuttle zu den betroffenen Orten gebracht wurde. Manchmal mit festen Adressen ausgestattet, manchmal sei man einfach von Haus zu Haus gegangen und habe gefragt, ob man gebraucht werde.

So sah es in vielen Häusern aus, als Berthold Kortbus und seine Mitstreiter eintrafen...
So sah es in vielen Häusern aus, als Berthold Kortbus und seine Mitstreiter eintrafen… © Privat © Privat

Einen ganzen Tag hat Berthold Kortbus dann, wie seine Mitstreiter aus allen Teilen der Republik, zu Schaufel und anderem Gerät gegriffen und Schlamm geschaufelt. Eine schwere körperliche Arbeit, die dem gelernten Maurer aber nichts ausgemacht hat. Das sei allerdings bei so manchen der angereisten Freiwilligen nicht immer der Fall gewesen: „Manche waren körperliche Arbeit überhaupt nicht gewohnt.“ Insofern rät er auch davon ab, blauäugig anzureisen, sondern rät dazu, sich auf den Internetseiten der offiziellen Organisationen zu informieren.

Keine Angst um die eigene Gesundheit

Wenig Verständnis hat er aber dafür, dass zwischenzeitlich freiwillige Helfer nicht durchgelassen wurden, wie er mitbekam: „Das hat auch die Bewohner wütend gemacht, dass die dringend benötigte Hilfe nicht ankam.“ Und kritisch erzählt er er auch von diesen Beobachtungen: „Feuerwehrleute, die mit zehn Mann um eine Pumpe standen und abwarteten, wie die pumpt.“ Das habe ihn sehr enttäuscht.

....und so hinterher.
….und so hinterher. © Privat © Privat

Insgesamt aber sei alles aber sehr effektiv abgelaufen. Angst um seine eigene Gesundheit habe keine gehabt. Trotz der Informationen über stark belasteten Schlamm: „Wenn man helfen kann, macht es einfach klick und man blendet das aus.“

Zurück im Alltag beschreibt Berthold Kortbus seine Stimmung: „Ich bin froh, dass ich das durchgezogen habe, das macht ein richtig gutes Gefühl.“ Und offenbar soll das auch nicht sein letzter Einsatz dieser Art gewesen sein, wie er sagt.

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