"Melrose ist ein Glücksfall" - Freude in Legden auf Besuch aus den USA

Interview

LEGDEN Seit 2007 sind die US-Kleinstadt Melrose und die Gemeinde Legden offiziell Partner - beinahe. Denn noch fehlen zwei Unterschriften auf der Urkunde. Die werden die beiden Bürgermeister am 18. Juli nachholen während des Legdener Schützenfests, zu dem 58 Melroser anreisen. Über die Begegnung hat Sylvia Lüttich-Gür mit Bürgermeister Friedhelm Kleweken und Thomas Kockentiedt vom Partnerschaftskomitee gesprochen.

08.07.2009, 19:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Melrose ist ein Glücksfall" - Freude in Legden auf Besuch aus den USA

<p>Voller Vorfreude auf das Schützenfest mit den Gästen aus den USA: Thomas Kockentiedt (l.), Vorsitzender des Legdener Partnerschaftskomitees, und Bürgermeister Friedhelm Kleweken. Lüttich-Gür</p>

Was heißt eigentlich Schützenfest auf Englisch?

Kockentiedt: Ebenfalls Schützenfest, nur mit "ue" geschrieben. Eine amerikanische Entsprechung gibt es dafür nicht. Nur fürs Vogelschießen: Da sagen die Shooting-Contest zu.

Ist die Sprache denn ein Hindernis in der jungen Städtepartnerschaft?

Kleweken: Gar nicht, selbst für die nicht, die wie ich nicht fließend Englisch sprechen. Gestik und Mimik helfen da weiter, wo die Worte fehlen. Und die älteren Menschen in Melrose, so ab 70 aufwärts, sprechen ja auch noch Platt.

Münsterländer Platt?

Kockentiedt: Original! Das haben die Auswanderer aus Metelen, die auch in Legden Verwandtschaft haben, Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts gesprochen und an ihre Kinder weitergegeben.

Und ihre Traditionen nicht?

Kockentidt: Die natürlich auch, aber das Schützenfest ist wohl auf der Strecke geblieben. Das hat sich jetzt aber geändert.

Inwieweit?

Kleweken: Unser Schützenfest ist ein echter Export-Schlager. Melrose hat inzwischen zwei eigene Schützenfeste gefeiert, 2007 und 2008.

Mit Legdener Starthilfe?

Kockentiedt: Als wir mit dem Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr 2007 zur 150-Jahr-Feier von Melrose gereist sind, haben wir den ersten Vogel und eine Königskette mitgebracht. Wir wollten auch Tipps geben zur Vorbereitung des Schießens, aber da meinten unsere amerikanischen Freunde, sich besser auszukennen. Hätten sie mal gehört: Beim ersten Vogelschießen auf amerikanischen Boden ist nämlich kurzfristig die Munition ausgegangen - und wir haben alle sehr gelacht.

Städtepartnerschaften zwischen deutschen und US-amerikanischen Städten sind eher ungewöhnlich...

Kleweken: ... Außer Münster und uns wüsste ich keine andere Kommune im Münsterland, die eine unterhält. Und gerade für uns als kleine Dorfgemeinde ist das etwas überraschend.

Wie kam es denn dazu?

Kockentiedt: Ich habe 1994 ein Praktikum in Melrose absolviert, aus dem sich eine enge Freundschaft mit meiner damaligen Gastfamilie, den Hellermanns, entwickelt hat. Als ich hörte, wie sehr sich die Bürger dort für deutsche Blasmusik begeistern können, schlug ich vor, dass doch einmal der Musikzug unser Freiwilligen Feuerwehr in Legden zu Besuch kommen könnte. Dieser Besuch 2003, der sowohl für uns als auch für die Familien in Melrose ganz fantastisch war, bildete die Grundlage für weitere Besuche - und schließlich für die Partnerschaft. Auch wenn es etwas pathetisch klingt: Wir haben uns da von unseren Herzen führen lassen.

Kleweken: Das war ein großer Glücksfall. Melrose ist landwirtschaftlich geprägt - wie Legden. Das Klima ist so wie Bei uns. Und vor allem: Die Menschen passen einfach gut zueinander. Die Beziehungen sind persönlich, herzlich, ehrlich und kein bisschen oberflächlich, ganz anders als man es Amerikanern so oft nachsagt.

Der kulturelle Austausch klappt ja schon sehr gut. Was sind die weiteren Schritte?

Kockentiedt: Wir wollen Schulpartnerschaften gründen - für Jugendliche in der Oberstufe mit einem Austauschprogramm und für Jüngere mit regelmäßigen E-Mail-Kontakten und Video-Konferenzen.

Kleweken: Außerdem wollen wir Berufs-Praktika vermitteln. Auslandserfahrung zu sammeln und die Sprachkenntnisse verbessern - das ist eine Riesenchance für junge Leute.

Melrose und Legden haben Anfang des 21. Jahrhunderts ausgerechnet in einer Zeit zueinander gefunden, als die binationalen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA deutlich abkühlten. Ist die große Politik ein Thema?

Kockentiedt: Jein. Es gibt deutlich mehr Deutsche, die sich mit der politischen Großwetterlage in den USA beschäftigen als andersherum. 2003, als ich in Melrose war, wurde ich in einem Radio-Interview nach meiner Meinung zum Irak-Krieg gefragt - und habe mich lieber zurück gehalten.

Am 18. Juli setzen Sie, Herr Kleweken, und Ihr Kollege Seager im Schützenfestzelt Ihre Unterschriften auf die Partnerschaftsurkunde...

Kleweken: ... bereits zum zweiten Mal. In Melrose haben wir 2007 schon einmal unterschrieben. Aber wir hatten von vorne herein eine Lücke gelassen - für die Unterschriften in Legden.

Dürfen die amerikanischen Freunde am 19. Juli denn auch auf den Vogel schießen?

Kockentiedt: Eher nicht, das ist den Vereinsmitgliedern vorbehalten.

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