Projekt-Sprecher Andreas Lehmann (l.) und Projektleiter Dr. Alexander Braun vor Baufeld 4. © Nils Dietrich
Verdichterstation Legden

Mit Videos: Auf der Baustelle der Verdichterstation rollen die Bagger

Vor den Toren von Legden hat die Arbeit auf der größten Baustelle des Ortes begonnen: Auf zwölf Hektar Fläche entsteht hier bis 2024 die Erdgas-Verdichterstation. Wir haben uns dort umgesehen.

Es erinnert ein wenig an eine Mondlandschaft, hier im Haulingort, vor den Toren von Legden. Nackte Erde weit und breit, dazwischen aufgetürmte Wälle. Bagger bearbeiten laut hörbar das Erdreich, auf dem einst Mais und Getreide gediehen. Dr. Alexander Braun schaut auf eines der vorbereiteten Baufelder, das vor ihm liegt: „Hier wird später die Verdichterstation stehen.“

Er ist der Leiter des Projekts Verdichterstation in Legden. Zum Vor-Ort-Termin mit der Redaktion ist er eigens aus Essen angereist, wo Open Grid Europe, der Leitungsnetzbetreiber und Bauherr, seinen Sitz hat. „Die Hauptbaumaßnahmen sind jetzt gestartet“, sagt Alexander Braun.

So soll das Stationsgelände nach der Fertigstellung aussehen. Nicht dargestellt ist der zwei Meter hohe Erdwall, der das Gelände umgeben wird.
So soll das Stationsgelände nach der Fertigstellung aussehen. Nicht dargestellt ist der zwei Meter hohe Erdwall, der das Gelände umgeben wird. © Open Grid Europe © Open Grid Europe

Mitte Oktober haben die ersten Vorbereitungen begonnen, Vermessungen, Kampfmittelsondierungen – die Pionierarbeiten sozusagen. Vorher war hier schließlich nur eine einfache Agrarfläche. Ein Mastbetrieb ist in Sichtweite, in der Ferne sind die Türme von St. Brigida zu sehen.

Hauptbaumaßnahmen haben jetzt begonnen

Ein LKW bahnt sich seinen Weg über die matschige Baustraße, die die zwölf Hektar große Baustelle zerteilt. Rund ein Dutzend von ihnen fährt hier Tag für Tag lang. Derzeit, es sollen mehr werden. Aktuell ist es noch vergleichsweise ruhig auf dem umzäunten und überwachten Gelände. Der Sicherheitsmitarbeiter am Eingang prüft Impf- und Testnachweis, auf der Baustelle gilt für Besuch 2G-Plus. Eine Sicherheitsunterweisung ist ebenfalls obligatorisch.

„Wir befinden uns hier in einem ganz frühen Stadium“, sagt Pressesprecher Andreas Lehmann. „Das Baufeld wird derzeit vorbereitet, Mutterboden abgetragen und separat gelagert.“ Die fünf Baufelder, jeweils ungefähr so groß wie ein Fußballfeld, sind bereits deutlich zu erkennen. Bis in zwei Metern Tiefe ist die lehmige Erde, die hartnäckig an den Arbeitsschuhen klebt, hier abgetragen. Unter dem Mutterboden kommt grauer Kalksteinmergel zum Vorschein.

Containerdorf für die Bauzeit

Am Rande der eigentlichen Baustelle bereiten mehrere Bagger die Stelle vor, an der eine Montagefläche und ein kleines Containerdorf entstehen wird. Hier werden später einmal bis zu 400 Menschen arbeiten. Kantine, Sanitätsbereich, an alles ist gedacht. Derzeit arbeiten hier 25 Menschen, das Vorauskommando sozusagen, das die Pionierarbeiten durchführt. „Die Fläche für das Camp soll in diesem Jahr fertig werden, damit die Container kommen können“, erklärt Alexander Braun. „Wir versuchen, so lange die Witterung mitmacht, die Arbeiten mit dem Boden durchzuziehen.“

Die fünf Baufelder werden derzeit mit schwerem Gerät vorbereitet.
Die fünf Baufelder werden derzeit mit schwerem Gerät vorbereitet. © Nils Dietrich © Nils Dietrich

Im kommenden Jahr soll es dann richtig losgehen. Der Zeitplan des Projekts Verdichterstation mit einem Volumen von 169 Millionen Euro ist straff. „Die Fertigstellung der Verdichterstation ist für Ende 2023 geplant, die Inbetriebnahme erfolgt bis Sommer 2024“, so der Leiter des Projekts Verdichterstation. Neben der eigentlichen Verdichtungseinheit wird auf dem Gelände auch ein Betriebshof entstehen – in verklinkerten Gebäuden, damit sich alles in die Landschaft einfügt. Die Rekultivierung der nur vorübergehend benötigten Flächen soll bis Ende 2024 abgeschlossen werden. Dann erhalten sie die Landwirte zurück.

Bei dem Rundgang auf der Baustelle wird auch deutlich: Nicht alle finden es gut, dass die Verdichterstation ausgerechnet nach Legden kommt. Jenseits des Zauns hat die Bürgerinitiative Informationstafeln aufgestellt, vor allem die Entnahme von Grundwasser für die Baustelle sorgte in der Vergangenheit für Diskussionen. Genutzt hat es am Ende nichts, am 9. August erging der Planfeststellungsbeschluss durch die Bezirksregierung Münster.

Legden ist ein Knotenpunkt

Tatsächlich stellt sich die Frage, warum ausgerechnet Legden nach den Stromleitungen und der Zeelink-Pipeline jetzt auch noch die Verdichterstation schultern muss? Der Standort, so Alexander Braun auf Nachfrage, sei weitgehend alternativlos. Hier treffen die Zeelink, also die Verbindung zum belgischen Netz und dem Flüssigerdgas-Terminal am Hafen Zeebrügge, und die Gasleitung 63 aufeinander. „Es ist der am besten geeignete Standort, das hier zu machen, so wie es auch die Planfeststellung bestätigt hat“, erläutert er weiter. „Legden ist ein Knotenpunkt.“

Während der Bauphase wird der Baustellenverkehr von der A31 über die B474, die L574 und die K33 zur Baustelle der Verdichterstation geführt. Die Zufahrt zur Baustelle erfolgt dann vorwiegend über den ausgebauten Wirtschaftsweg 172 und bis Juni 2022 über den Wirtschaftsweg 174 mit einem temporären Zugang. Bis zum Abschluss der Bauarbeiten kommt es in diesem Bereich zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen.

Dahinter steckt folgende Idee: Es sollen richtige Netze aufgebaut werden im Gegensatz zu den vielen Leitungen, in denen das Gas schlicht von A nach B transportiert wird. Für die Versorgungssicherheit, heißt es, denn einerseits stellen die Niederländer ihre Produktion von so genanntem niederkalorischen Gas ein – und Deutschland will nicht ausschließlich auf Lieferanten wie Russland setzen. Über einen Terminal wie in Zeebrügge kann Gas per Schiff aus den USA oder dem Nahen Osten importiert werden.

Die Baustelle aus der Vogelperspektive. Diese Aufnahme ist vor zwei Wochen entstanden.
Die Baustelle aus der Vogelperspektive. Diese Aufnahme ist vor zwei Wochen entstanden. © Bernd Schlusemann © Bernd Schlusemann

Die Verdichterstation in Legden macht genau das möglich. In den im Aufbau befindlichen Netzen wird in einem Abstand von 150 Kilometern eine solche Anlage benötigt, wie sie bereits in der Nähe zur belgischen Grenze in Würselen bei Aachen steht. Beim Transport nämlich verliert das Gas an Druck. Dieser Verlust wird in einer Verdichterstation ausgeglichen – und genau das soll ab 2024 in der Bauerschaft Haulingort passieren.

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