Martha Elpers hat die Restaurierung der Marien-Figur in die eigene Hand genommen. © Johannes Schmittmann
Wegestation

Nach Vandalismus: Rentnerin restauriert auf eigene Faust Marienfigur

Unbekannte zerstörten Ende 2020 mutwillig die Wegestation an der Stadtlohner Straße in Legden. Martha Elpers (80) hat das zum Anlass genommen, der Pietà neuen Glanz zu verleihen.

Für die Legdener Nachbarschaft „Lütke Duorp“ war es ein echtes Ärgernis. Ausgerechnet in der Adventszeit 2020 schlugen Unbekannte die Scheiben der Wegestation an der Stadtlohner Straße ein (wir berichteten). Die Polizei geht von mutwilliger Zerstörung aus. Denn geklaut wurde nichts. Eine leere Prosecco-Flasche, die am Tatort gefunden wurde, legt den Verdacht nahe, dass Alkohol im Spiel war.

Martha Elpers entdeckte damals den Schaden. Die 80-Jährige wohnt auf der Stadtlohner Straße, direkt gegenüber der Wegestation. Auch sie ärgerte sich im Dezember des Vorjahres. Allerdings brachte sie der Fall von Vandalismus auf eine Idee. „Eigentlich wollte ich die Figur der trauernden Maria mit dem leblosen Jesus im Arm, die hinter dem zerbrochenen Glas stand, nur in Sicherheit bringen. Doch dann habe ich mir spontan gedacht, die Gelegenheit zu nutzen“, berichtet Martha Elpers.

Nach Zerstörung Gelegenheit genutzt

Auf eigene Faust nahm sie die Restauration der hölzernen Pietà in Angriff. „Ich habe mir schon länger gedacht, dass sie neue, kräftigere Farben vertragen könnte. Und wenn nicht jetzt, wann dann?“ In den vergangenen Wochen investierte sie viel Zeit, um mit ruhiger Hand feine Pinselstriche zu setzen. Nur an die Gesichter von Maria und Jesus traute sie sich nicht heran. „Ich bin ja keine ausgebildete Restauratorin. Da hatte ich Angst, irgendwas zu versauen“, sagt sie und lacht herzlich.

Eigentlich ist die Wegestation der angestammte Platz der Madonna. Ein Engel aus Ton ist derzeit an ihre Stelle gerückt.
Eigentlich ist die Wegestation der angestammte Platz der Madonna. Ein Engel aus Ton ist derzeit an ihre Stelle gerückt. © Johannes Schmittmann © Johannes Schmittmann

Mittlerweile ist die Rentnerin schon beim Feinschliff angekommen. Anfang der Woche fuhr sie extra nach Ahaus, um dort in einem Bastelladen Goldfarbe zu kaufen. „Dadurch wirkt die Figur gleich etwas edler“, erklärt Martha Elpers. Schon in wenigen Tagen sollen ihre Arbeiten abgeschlossen sein. Dann kehrt die Figur hinter die mittlerweile reparierten Glasscheiben zurück. Aktuell steht an dieser Stelle ein Engel aus Ton. Auch der stammt von der 80-jährigen Legdnerin. „Damit es in der Übergangsphase nicht ganz so leer wirkt.“

Pietà hat für Nachbarschaft besondere Bedeutung

Doch wofür eigentlich der ganze Aufwand? Für die Nachbarschaft „Lütke Duorp“ haben die Holzfigur und die Wegestation eine besondere Bedeutung. Seit vielen Jahren kommen wenigstens einmal im Jahr Jung und Alt zusammen, um bei der traditionellen Maiandacht an dieser Stelle kurz innezuhalten. „Viele kommen aber auch so vorbei, um ein kurzes Gebet zu sprechen“, berichtet Martha Elpers.

Um die Wegestation in Schuss zu halten, gibt es einen monatlich rotierenden Dienst. Immer zwei Nachbarn sind dafür zuständig, dass die Beete geharkt und die Pflanzen in Schuss sind. Dieser ehrenamtliche Dienst funktioniert sehr gut. „Die Nachbarschaft hat untereinander einen tollen Zusammenhalt. Das findet man heutzutage nicht mehr oft“, berichtet die Legdenerin.

Dreimal zerstört, dreimal wieder aufgebaut

Außerdem hat die Wegestation an der Stadtlohner Straße eine lange Tradition. Dreimal wurde sie zerstört – unter anderem von einer Granate im Zweiten Weltkrieg – und dreimal neu errichtet. Zuletzt baute die Nachbarschaft „Lütke Duorp“ vor rund 20 Jahren die Station an ihrem aktuellen Platz wieder auf. Zuvor hatte sie ein paar Meter weiter Richtung Kreuzung ihren Platz. Doch irgendwann musste die Wegestation bei einer Straßensanierung weichen.

Martha Elpers hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass die Maiandacht in diesem Jahr wieder stattfinden kann. 2020 war sie, wie so viele Veranstaltungen, der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen. „Ich bin und bleibe Optimistin“, sagt die Rentnerin.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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