Nachgefragt: Wie wird man eigentlich Trödelhändler, Herr Terwey?

hz#teinetuckert

Als ich am Mittwochabend durch das verregnete Legden zuckele, fehlt mir noch die Idee für eine Geschichte. Bis Bernhard Mathmann plötzlich hupend hinter mir steht. Er will mir was zeigen.

Legden

, 14.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit elf Jahren betreibt Bernard Terwey seinen Trödelhandel. Vorher hatte er ein Autohaus in Coesfeld. Doch zwei Einbrüche im Jahr 2007 haben diese Karriere beendet. „Da hat es mir einfach gereicht“, sagt er. Einmal wurde der komplette Laden samt Safe, das zweite Mal einige Neuwagen gestohlen.

Nachgefragt: Wie wird man eigentlich Trödelhändler, Herr Terwey?

Bernard Terwey (60) betreibt seit elf Jahren sein Geschäft „Bont-Trödel“. Außerdem ist er regelmäßig zu Haushaltsauflösungen unterwegs. Ein Traumjob, wie er sagt. © Stephan Teine

Terwey machte sein Hobby zum Beruf und wurde Trödler. „Ohne die Haushaltsauflösungen würde das aber nicht funktionieren“, sagt er. Im Umkreis von rund 250 Kilometern rund um Legden entrümpelt er das, was am Ende eines Lebens in einer Wohnung übrig bleibt.

Jedes Teil viermal in der Hand

Viermal hat er jedes Teil insgesamt in der Hand: Beim Einpacken, beim Sortieren, beim Spülen und beim Verkaufen. „Die Arbeitszeit darf man nicht zählen“, sagt er. So ein Beruf funktioniere eben nur mit einer ordentlichen Portion Enthusiasmus. „Man muss Spaß an alten Dingen haben“, sagt er.

Spezialgebiet Porzellan sorgt oft für verwunderte Blicke

Den hat er. Sein Spezialgebiet: „Porzellan. Da kenne ich mich gut aus“, erklärt er. Auch wenn ihm das dann und wann mal spöttische Blicke einträgt. „Männer und Porzellan passt wohl für viele nicht zusammen“, sagt er und schüttelt mit dem Kopf. Doch das ist ihm egal.

Nachgefragt: Wie wird man eigentlich Trödelhändler, Herr Terwey?

Im vorderen Teil des Geschäfts am Fliegenmarkt stehen die wertvolleren Fundstücke. © Stephan Teine

In der Halle hinter dem eigentlichen Laden jedenfalls türmen sich seine Fundstücke: Von Kunst bis Kitsch, von Krempel bis Rarität ist alles dabei. Beispielsweise ein alter Videorekorder für zehn Euro. „Der tut‘s noch einwandfrei“, sagt Bernard Terwey. „Wenn jemand seine alten Familienvideos ansehen will, ist er bei mir goldrichtig“, fügt er hinzu und deutet auf die Auswahl etwas angestaubter Elektrogeräte.

Grenzenlose und unübersichtliche Auswahl zwischen den Regalen

Weiter hinten in der Halle stehen eine alte Musikbox mit Schallplatten, eine Orgel mit Fußbetrieb, etliche Ölschinken, ... die Auswahl scheint grenzenlos und ist ziemlich unübersichtlich. „Ich weiß, was ich da habe und wo genau es liegt“, erklärt der Trödler aus Leidenschaft. Dafür hat er sein ganz eigenes System.

Nachgefragt: Wie wird man eigentlich Trödelhändler, Herr Terwey?

Ein echtes Eldorado für Trödelfans: Auf knapp 400 Quadratmetern erstreckt sich der Hallentrödel von Bernard Terwey. Dort ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. © Stephan Teine

Alles, was in einen Bulli passt, landet erst einmal hinten in der Sortierhalle und dann später in den Regalen oder Gängen. Gibt es denn auch etwas, das er nicht verkaufen würde? Für den Gedanken lässt sich Bernard Terwey nur einen Sekundenbruchteil Zeit: „Alles mit einem Hakenkreuz verkaufe ich nicht, obwohl es dafür einen riesigen Markt gäbe“, erklärt er. Damit will er nichts zu tun haben.

Wertvolle Fundstücke sind selten

Wirklich wertvolle Fundstücke sind bei den Haushaltsauflösungen, die er macht, eher selten. Zwar ist er von der Messie-Wohnung bis zur Jugendstilvilla in ganz unterschiedlichen Häusern unterwegs, doch meistens rufen ihn die Verwandten eines Bewohners erst, nachdem sie schon einmal durch die Wohnung gegangen sind. „Das ist eben so. Das ist das Geschäft: Die obere Liga ist eigentlich immer schon weg“, erklärt er. Dennoch tauchen ab und an beim Sortieren kleinere Highlights auf.

Und noch eins ist ihm wichtig: „Ist zwar bisher noch nicht vorgekommen, aber würde ich Bargeld finden, würde ich das natürlich sofort zurückgeben“, erklärt er. Alles andere bringe nur Ärger.

Stammkundschaft kommt zum Stöbern

Seine Kunden sind überwiegend Stammkunden, die einfach einmal stöbern wollen. „Meistens kommt man dann noch über dies oder jenes ins Gespräch. Das ist einfach schön, täglich mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen.“

Die Klingel an der Tür weist auf einen neuen Kunden hin. Bernard Terwey geht strahlend ins nächste Verkaufsgespräch. Ich mache mich wieder auf dem Weg zum Traktor. Draußen regnet es in Strömen. Keine schöne Fahrt. Aber einfach kann ja jeder.

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