Profilan wächst: Eisvogel und Zehn-Millionen-Investition in Eintracht

hzUnternehmenserweiterung

Auf der einen Seite des Zaunes schlängelt die Dinkel sich wieder naturnah. Auf der anderen Seite wird Geld verdient. Die Profilan-Erweiterung sehen Unternehmer und Behörden als Erfolgsgeschichte.

Legden

, 14.08.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie waren nicht eingeladen. Aber höchst willkommene Zaungäste: ein pfeilschneller Eisvogel, eine quirlige Uferschwalbe und drei gemächliche Fischreiher. Landrat Kai Zwicker entdeckte sie als Erster am Dinkelufer jenseits des Betriebszauns beim Rundgang über das Gelände der Firma Profilan.

Profilan ist nach der Erweiterung näher an die Dinkel herangerückt. Der Flusslauf ist jetzt aber naturnäher gestaltet als zuvor.

Profilan ist nach der Erweiterung näher an die Dinkel herangerückt. Der Flusslauf ist jetzt aber naturnäher gestaltet als zuvor. © Profilan

Das Legdener Unternehmen ist mit seiner jüngsten Erweiterung näher an die Dinkel herangerückt. Und die Natur hat auch noch davon profitiert. Eine Viertelmillion Euro hat Profilan in die Renaturierung der Dinkel und in Ausgleichsmaßnahmen investiert. Am Mittwoch haben Unternehmer, Behördenvertreter und des Wasser- und Bodenverbandes eine äußerst positive Bilanz des Genehmigungsverfahrens und der Umsetzung gezogen.

Sechs neue Betriebshallen

Die gefiederten Zaungäste belegten wortlos, was alle Beteiligten zuvor in einer kleinen Feierstunde in einer der sechs neuen Betriebshallen wortreich umschrieben hatten: Dass Naturschutz und Industriepolitik keine Gegensätze sein müssen. Bürgermeister Friedhelm Kleweken fühlte sich gar an seine Kindheit erinnert: „So sah es hier früher auch aus. Da haben wir als Kinder in der Dinkel gebadet.“

Auf 400 Metern Länge wurde die Dinkel ökologisch aufgewertet. Dem Fluss wurde in der Aue mehr Platz gegeben, sein Lauf verändert. Wie früher mäandert er jetzt viel stärker. Totholz bietet Fischen und kleineren Lebenwesen Schutz und Nahrung. Und die Fische und Insekten locken Eisvogel, Reiher und Uferschwalbe an.

Idyllisch mäandert die Dinkel im renaturierten Abschnitt am Betriebsgelände von Profilan vorbei.

Idyllisch mäandert die Dinkel im renaturierten Abschnitt am Betriebsgelände von Profilan vorbei. © Ingenieurgemeinschaft Flick/Wessels

„Das Naturidyll ist aber nicht alles, es muss auch Geld verdient werden“, sagte Landrat Dr. Kai Zwicker. Das unterstrich auch Werner Wöhrmann, der das Unternehmen Profilan vor 20 Jahren mit Hubert Rosing gegründet hat. Seither ist die Firma beständig gewachsen. Heute produzieren rund 175 Mitarbeiter Kunststoffhalbzeuge und Fertigteile aus Polyethylen (PE).

Marco Hilbring, der das Unternehmen jetzt in zweiter Generation zusammen mit Bernd Rosing leitet, beschrieb das Unternehmen in Zahlen: Der Jahresumsatz hat sich in den letzten sechs Jahren auf über 40 Millionen Euro verdoppelt. Rund 60 Prozent des Umsatzes werden im Export erwirtschaftet. Das Unternehmen verkauft seine Produkte in 50 Länder weltweit.

Rundgang durch die neuen Profilan-Hallen: In dieser Halle soll 2021 die weltgrößte PE-Presse in Betrieb gehen.

Rundgang durch die neuen Profilan-Hallen: In dieser Halle soll 2021 die weltgrößte PE-Presse in Betrieb gehen. © Stefan Grothues

Die jetzt erfolgte Erweiterung war aus Unternehmenssicht zwingend erforderlich, um dem Markt besser gerecht werden zu können. Mit dem Bau von sechs neuen Hallen wurde die Fläche unter Dach in nun 25 Hallen um 23.000 Quadratmeter auf 60.000 Quadratmeter vergrößert. Mehr als 10 Millionen Euro wurden in den Hallenbau und in neue technische Anlagen investiert. „In einer der Hallen geht im nächsten Jahr die weltgrößte Presse für PE-Kunststoff in Betrieb“, sagte Hubert Rosing. Die 50 Meter lange Anlage erlaube die Verarbeitung von 12 Mal 2 Meter großen Werkstücken. Die Zahl der Mitarbeiter soll ab 2021 auf über 200 anwachsen.

Jetzt lesen

Die Entscheidung zur Erweiterung trafen die Unternehmer bereits 2015. Zwei Jahre später wurden erste Vorgespräche mit Bürgermeister Friedhelm Kleweken geführt. Der sagte seine Unterstützung zu, gab aber zu bedenken, dass „dicke Bretter gebohrt“ werden müssten, vor allem wegen der Nähe der Dinkel und des ausgewiesenen Überschwemmungsgebietes.

Hubert Rosing zeigt ein Werkstück aus Polyethylen aus der Profilan-Fertigung für Industriemaschinen.

Hubert Rosing zeigt ein Werkstück aus Polyethylen aus der Profilan-Halbzeug-Fertigung. © Stefan Grothues

Doch dann ging alles viel schneller als gedacht. In nur 18 Monaten ging ein komplexes Genehmigungsverfahren inklusive einer Änderung des Überschwemmungsgebietes aufgrund neuer Erkenntnisse über die Bühne. Werner Wöhrmann: „Das war phänomenal, wie die Bezirksregierung, Kreis, Gemeinde und der Wasser- und Bodenverband mit uns an einem Strang gezogen haben.“

Jetzt lesen

Aus diesem Grund erklärte sich das Unternehmen auch bereit, Ende mehr als verpflichtend notwendig in den ökologischen Umbau der Dinkel zu investieren. Hubert Rosing: „Als mittelständisches Unternehmen fühlen wir uns den Menschen und der Region verpflichtet.“

Erfolgsgeheimnis: Direkter Draht zu den Mitarbeitern

Darum sei eine Erweiterung im Ausland auch nie ein Thema für Profilan gewesen. „Wir wollen nahe dran sein an unseren Mitarbeitern. Und wir setzen auf schnellen und direkten Dialog mit ihnen. Das ist eines unserer Erfolgsgeheimnisse“, so Hubert Rosing. Und Werner Wöhrmann ergänzt: „Wir sind ein Familienunternehmen. Wir müssen keine Quartalszahlen vorlegen. Wir können im Gegensatz zum Börsengeschehen langfristig denken.“

Diese Mittelstandsstruktur nannte Landrat Kai Zwicker ein Erfolgsgeheimnis, mit dem das Münsterland jetzt besser durch die Coronakrise komme als andere Regionen. Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Borken, Dr. Heiner Kleinschneider, sprach angesichts der Investition von einem „Ausrufezeichen in Coronazeiten“. Kleinschneider: „Das macht Mut.“

Ein neues ökologisches Ziel hat sich Profilan auch bereits gesetzt. Ab 2022 soll CO2-neutral produziert werden. Ein Drittel des Stromverbrauchs kann das Unternehmen bereits jetzt über die eigenen Solaranlagen abdecken. Ein Blockheizkraftwerk ist in der Planung. Recycling findet fast zu 100 Prozent statt. Über den zusätzlichen Erwerb von Emissionszertifikaten soll die Klimaneutralität sichergestellt werden – nicht ohne ökonomischen Hintergedanken, wie Werner Wöhrmann zugibt: „Klimaneutralität ist auch ein Wettbewerbsvorteil.“

Lesen Sie jetzt