Scheinbreit schwingen auf dem Weg zum Rockstar die Axt auf dem Schrottplatz

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Ein Schrottplatz, Gitarren, Schlagzeug und eine große Axt sind die Zutaten für das neue Musikvideo von Scheinbreit. Mit ihrer neuen EP wollen die Legdener und Ahauser hoch hinaus.

Legden, Ahaus

, 01.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mensch Bild Firlefanz“ heißt die EP, die die Band Scheinbreit im Frühjahr herausbringen will. Gerade ist die zweite Single erschienen. Für das Video für „Ah!“ haben die vier Musiker eine originelle Location gefunden: das Gelände der Firma Legdener Metallrecycling im Gewerbegebiet Heying-Esch.

„Wir wollten was Imposantes machen“, erzählt Lukas Herbers (21). In dem Song setzen sie sich kritisch mit dem Überkonsum von Medien auseinander. „Wo kann man besser Elektroschrott kaputtmachen als auf einem Schrottplatz“, sagt Lukas Herbers. Eigentümer Imad El-Lahib habe sofort zugesagt, sein Firmengelände für den Dreh zu öffnen.

„Wir müssen etwas umkrempeln“

Mit der EP soll es weiter vorwärts gehen für die vier Musiker aus Ahaus und Legden. Scheinbreit wurde zwar schon 2015 gegründet. Doch so richtig ernst ist es den Jungs erst seit Sommer 2018. Lukas Herbers und Sebastian Wilhelm (20), seit Langem Schulfreunde, kamen da zurück von ihren Auslandsaufenthalten in Amerika und Australien. Und wussten: „Wir müssen etwas umkrempeln“, so Lukas Herbers. Und Sebastian Wilhelm sagt: „Es war der Entschluss, dass man es mehr als alles andere will.“

Die Besetzung änderte sich. Zu den beiden Schulfreunden, beide für Gitarre und Gesang zuständig, gesellen sich seitdem Christopher Wilhelm (22) am Bass und Gabriel Hackenfort (17) am Schlagzeug. „Wir wollten eine andere Richtung“, sagt Sebastian Wilhelm. Statt englischen Texten wird seitdem Deutsch gesungen, der Pop wurde dreckiger. „Offbeat-Rock“ beschreibt Gabriel Hackenfort den Stil.

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Seit dem Neustart geben sie viel für die Musik. 2019 haben sie rund 20 Konzerte gespielt – in Frankfurt, Bochum, viel in Münster, in Legden beim Sommerfest im Pool und beim Mamma Mia-Festival in Ahaus. „Da wächst langsam eine Fanbase“, erzählt Sebastian Wilhelm, Gabriel Hackenfort ergänzt: „Die kommen und können unsere Musik mitsingen, das ist cool.“

„Scheinbar sind wir eine Größe im Sauerland“

Ein besonders Erlebnis war ein Konzert im Sauerland auf einem Schüler-Festival. „Da kannte uns jeder“, erzählt Lukas Herbers immer noch etwas verwundert. Gabriel Hackenfort lacht. „Scheinbar sind wir eine Größe im Sauerland.“

Scheinbreit hat ein neues Musikvideo produziert.

Scheinbreit hat ein neues Musikvideo produziert. © Leon Gerhards

Aber natürlich haben sie auch mal nur vor 20 Leuten gespielt. Egal. Die Stimmung war trotzdem gut. Lukas Herbers: „Man macht alles für diese eine Stunde, die man auf der Bühne steht. Das macht die 200 Stunden wett, die man geweint hat.“

Einfach ist es nicht, eine berühmte Rockgruppe zu werden. Denn das ist der Plan. Auf dem Weg nach oben macht Musik erst mal den kleinsten Teil der Arbeit aus. „Das ist alles viel Marketing“, erzählt Lukas Herbers, den man in Legden auch als König der Allgemeinen Schützengesellschaft von 2018 kennt. Er und seine Bandkollegen erzählen, was es bedeutet, überall herum zu telefonieren auf der Suche nach Auftritten, „wenn du 200 Mails schreibst und zwei nur antworten und das mit einer Absage.“

Sie sind Scheinbreit

  • Lukas Herbers (21) aus Legden, Gitarre und Gesang, studiert Musik und Englisch auf Lehramt
  • Sebastian Wilhelm (22) aus Ahaus, Gesang und Gitarre, studiert Psychologie
  • Christopher Wilhelm (22) aus Ahaus, Bass, studiert Soziale Arbeit
  • Gabriel Hackenfort (17) aus Legden, Schlagzeug, ist Schüler am AHG in Ahaus

Mit Kamera und Drohne auf den Schrottplatz

Auch für ihr Musikvideo haben sie erst professionelle Firmen kontaktiert. Und sind vor den „außerirdischen Kosten“ zurückgeschreckt. „Man rennt nur vor Wände“, berichtet Lukas Herbers. Dennoch: „Ich lebe für den Scheiß.“

Dann haben sie Karla Wesseling getroffen, die mit Kamera und Drohne die Filmaufnahmen beim Legdener Metallrecycling machte. Lukas Herbers: „Wir sind super zufrieden mit dem Video.“ Unterstützung, auch das erzählen sie, bekommen sie auch von Eva Vehling von der Musikerinitiative Ahaus.

Drei von vier Bandmitgliedern: (v.l.) Lukas Herbers, Sebastian Wilhelm und Gabriel Hackenfort beim Redaktionsbesuch.

Drei von vier Bandmitgliedern: (v.l.) Lukas Herbers, Sebastian Wilhelm und Gabriel Hackenfort beim Redaktionsbesuch. © Markus Gehring

„Ah!“ ist die zweite Single ihrer EP „Mensch Bild Firlefanz“. Die erste Single „Keine Liebe in Berlin“ dreht sich um die Freundin, die nach Berlin geht und dort das Glück nicht findet, sondern die Heimat vermisst. „Wir wollen ehrliche Texte aus dem Leben schreiben“, sagt Sebastian Wilhelm. Liebe, Freundschaft, Karriere, Alltagsthemen, mit denen sich auch die drei Studenten und der Schüler Gabriel beschäftigen, das alles soll sich in ihren Liedern wiederfinden. Und kritisch darf es wie bei „Ah!“ auch mal sein.

Songs zum Mitsingen und Tanzen

Bei ihren Live-Auftritten wollen sie Energie und Spaß mitbringen und Songs spielen, die man leicht mitsingen und zu denen man tanzen kann. Hier in der Gegend wird das im Frühjahr sein, wenn sie in Ahaus ihre EP bei einer Release-Party präsentieren werden. Und im Sommer wollen sie wieder beim Sommerfest im Jugendhaus Pool spielen.

Wo sehen sie sich in fünf Jahren. Lukas Herbers muss nicht lange nachdenken: „Bei Rock am Ring als Headliner auf der Bühne“, sagt er, lacht und erklärt: „Du kannst sofort nach Hause gehen, wenn du nicht groß träumst. Ich sehe mich als Rockstar auf der Bühne und nicht als Lehrer.“

Hommage an Rihanna

Noch eine letzte Frage: Wie sind sie eigentlich an ihren Namen gekommen? Lukas Herbers verweist auf das Logo, einen Diamanten. Klar ist der Bandname eine Hommage an Rihanna und ihren Song „Diamonds“ (Shine bright like a diamond). Sebastian Wilhelm erzählt dann noch, wie sie vor Jahren bei einer Probe saßen, nach einer Woche mit sehr viel Alkohol und inzwischen alle länger stocknüchtern. Die Stimmung war offensichtlich gut. Einer von ihnen jedenfalls sagte: „Ich bin scheinbreit.“ Sebastian Wilhelm: „Da hatten wir unseren Namen.“

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