Sicherheit geht im Altenwohnheim vor Gemütlichkeit

Brandschutzprüfung

Der heilige Josef darf bleiben. Er ist aus Sandstein geschlagen. Wäre er aus weichem Holz geschnitzt, so wäre er eine Brandlast. Und damit auf den Fluren des Altenwohnheims St. Josef unzulässig. So wie die Bücherregale, Sessel und alten Schränke, die jetzt zum Ärger der Bewohner und Angehörigen entfernt werden mussten. Brandschutz hat Vorrang vor Gemütlichkeit.

LEGDEN

, 28.05.2015, 17:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

Marianne Kaminski ist empört. „Die gemütlichen Nischen hat es doch immer gegeben. Und nie ist etwas passiert. Die Vorschriften sind viel zu streng. Jetzt ist alles kahl und steril“, sagt die 84-Jährige, die seit 20 Jahren eine Seniorenwohnung am Altenwohnhaus bewohnt und ehrenamtlich im Altenwohnhaus beim Wäschefalten hilft.

Wilhelm Winter, der Leiter des Altenwohnhauses, versteht den Ärger. Er teilt ihn auch. „Wir wollen, dass sich unsere Bewohner nicht nur in ihren eigenen Zimmern wohlfühlen. Darum haben wir auf den Fluren des Altenwohnheims viele wohnliche Treffpunkte für Senioren und Besucher geschaffen.“

Erste Prüfung in 22 Jahren

Doch damit ist seit der jüngsten sogenannten wiederkehrenden Prüfung durch den Kreis Borken vorbei. Danach wurde verfügt: Die Flure und Nischen müssen weitestgehend geräumt werden. Zulässig sind nur Möbel aus Hartholz und natürlich auch nur dort, wo sie keine Rettungswege blockieren. Die Bücherregale wurden in ein separates Zimmer verbannt. Und weiche Rattansessel durch alte, harte Kirchenbänke aus schwer brennbarem Eichenholz ersetzt.

Die Anordnung des Kreises hörte Wohnhausleiter Wilhelm Winter nicht gerne. Aber er hat Verständnis: „Die Mitarbeiter des Kreises tun ihre Pflicht, sie handeln ja nach Recht und Gesetz.“

Neue Vorschriften

Warum aber sind die gemütlichen Nischen nicht bei vorangegangenen Prüfungen bemängelt worden? Winter: „Das ist die erste wiederkehrende Prüfung, die ich hier mitmache.“ Winter leitet das Altenwohnhaus bereits seit 22 Jahren. Karlheinz Gördes erklärt: „Es gibt neue Vorschriften, nach denen jetzt diese wiederkehrenden Prüfungen durchgeführt werden müssen. Darum ist sie jetzt erstmals von uns im Altenwohnhaus St. Josef durgeführt worden.“

Gördes wirbt vor dem Hintergrund der Brandkatastrophe auf dem Düsseldorfer Flughafen um Verständnis für die strengen Vorschriften: „Wenn etwas passiert, dann müssen die Rettungswege frei sein. Und es dürfen auf den Fluren keine leicht brennbaren Materialien sein.“ Das Altenwohnhaus St. Josef am Trippelvoetsweg verfügt über 80 Heimplätze, von denen zurzeit 73 belegt sind. Zusätzlich gibt es 32 Seniorenwohnungen, die alle belegt sind.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt