Sterben Dialekte aus? Legdener und Asbecker Schüler beweisen das Gegenteil

hzPlattdeutscher Lesewettbewerb

Alle zwei Jahre findet in Legden und im Kreis Borken ein Plattdeutscher Lesewettbewerb stat. Für jemanden, der noch nie Berührungspunkte mit dem Dialekt hatte, ein ungewöhnliches Erlebnis.

Legden

, 05.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer schon mal an einem Schulhof während der Pause vorbeigelaufen ist oder sich an seine eigene Schulzeit zurückerinnert, weiß, dass Grundschüler sehr laut sein können. Doch in der OGS der Legdener Brigidenschule bot sich am Dienstag ein seltenes Schauspiel. Alle Viertklässler saßen ruhig auf ihren Stühlen. Nur einer redete – und das auf Plattdeutsch. Ein Erfahrungsbericht vom Plattdeutschen Lesewettbewerb von jemanden, der (fast) nur Spanisch versteht, wenn er Plattdeutsch hört.

„Können Sie Plattdeutsch?“, fragt mich die Lehrerin Elisabeth Schubert zwischen zwei Beiträgen der Schüler bei der Vorrunde des Plattdeutschen Lesewettbewerbs. „Eigentlich gar nicht“, entgegne ich. Aber zumindest reicht es, um grob zu verstehen, worum es gerade geht.

Alle Kinder freuen sich, dass sie am Wettbewerb teilnehmen können

Zwei Geschichten werden an diesem Vormittag mehrmals vorgetragen – „Das lange Kleedken“ und „De chuette lärftensupp“. Und mit jedem weiteren Hören der Geschichten steigt mein Hörverständnis. Doch zwischen mir und den Grundschülern liegen dennoch Welten. Ich bin der einzige im Raum, der die Geschichten nur in Ansätzen versteht.

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Erst beim späteren Lesen der Texte – und auch da bleibt für mich einiges im Argen – verstehe ich allmählich die ganze Geschichte der beiden Texte. Letztendlich wird mir aber schon in den ersten Minuten eins klar: Die Grundschüler lesen Plattdeutsch souveräner vor als ich englische Texte in der Oberstufe.

Den Kindern ist die Aufregung derweil anzumerken. Aber im positiven Sinne. Keiner wirkt, als fühle er sich unwohl. Alle freuen sich, wenn sie endlich dran sind und zeigen können, wie gut sie schon Plattdeutsch lesen können.

Schüler lernten in einer AG und zuhause mit ihren Familien

Nervös waren sie aber dennoch, erzählen einige von ihnen später. „Ich war aufgeregt, aber es hat Spaß gemacht“, sagt die neunjährige Fusie, als sie mit ihren Mitschülern auf dem Flur wartet, während sich die vierköpfige Jury bestehend aus Angela Hemker, Stefan Fleige, Gertrud Boom und Elisabeth Feldkamp über die Gewinner berät.

Viele der Kinder, die nun wieder umherrennen, miteinander spielen und - wie Kinder eben sind – den Lautstärkepegel wieder hochdrehen, haben nicht nur in der Schule für den Wettbewerb geübt. „Ich spreche das mit meinen Eltern auch Zuhause“, erzählt Viertklässler Hannes. „Oma und Opa sprechen das manchmal noch“, sagt Lea (10).

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Dreimal haben die Schülerinnen und Schüler in der Schule ihre Texte geübt. „Es war eine kurze AG“, erklärt Elisabeth Schubert, die das ganze koordiniert hat. Die Teilnahme war freiwillig. Insgesamt 26 Jungen und Mädchen aus der dritten und vierten Klasse nahmen an dem Wettbewerb teil. Maria Althaus aus der Legdener Brigiden-Grundschule und Lene Wernsing aus der Asbecker Grundschule waren letztendlich die stolzen Sieger. Dicht dahinter landeten die Legdenerinnen Frieda Wesseler und Lara Deuker sowie die Asbeckerin Luisa Schulze-Vasthoff.

Zwei Schüler aus Legden und Asbeck nehmen am Kreisentscheid teil

Preise gab es für alle 26 Teilnehmer. Besonders die Schokolade, die Stefan Fleige von der Sparkasse Westmünsterland, die den alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerb sponsort, verteilte, stieß auf große Gegenliebe. Die beiden Gewinner haben bald die Chance auf noch größere Preise.

Denn sie vertreten die beiden Grundschulen beim Kreisentscheid des Lesewettbewerbs. Dann haben auch ihre Mitschüler noch mal allen Grund zum Daumendrücken. Denn beim Kreisentscheid können nicht nur die Teilnehmer selbst Preise gewinnen, sondern auch ihre jeweiligen Klassen können auf einen Zuschuss für die Klassenkasse hoffen.

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