Teils hitzige MLZ-Talkrunde der beiden Legdener Stichwahlkandidaten

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In Legden kommt es am 27. September zur Stichwahl. Dieter Berkemeier und Bernhard Laukötter kämpfen um den ersten Platz im Rathaus. Bei der MLZ-Talkrunde ging es teilweise hoch her.

Legden

, 19.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei der von der Münsterland Zeitung organisierten Talkrunde der zwei verbliebenen Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters in Legden ging es teils deutlich emotionaler zu als noch vor drei Wochen bei der ersten Podiumsdiskussion im Dorf Münsterland. Bernhard Laukötter (CDU) platzte gleich zweimal der Kragen. Deutlicher ruhiger präsentierte sich sein Konkurrent Dieter Berkemeier (parteilos).

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Talkrunde mit den Legdener Stichwahlkandidaten

Den Abend eröffnete aber zunächst Bernd Schlusemann, Redaktionsleiter der Münsterland Zeitung. Er erwarte ein spannendes Rennen, das „extreme Auswirkungen auf den Rat haben wird“. Damit spielte er auf die neue Konstellation des Gemeinderates an. Dort stellt die CDU fortan zehn Kandidaten, die SPD und UWG je fünf – gemeinsam kommen die Fraktionen also ebenfalls auf zehn Sitze. „Der Bürgermeister kann das Zünglein an der Waage sein“, so Schlusemann, „und die CDU hätte mit Bernhard Laukötters Stimme die Mehrheit.“

Keiner sieht sich als Verlierer oder Gewinner

Anschließend übergab er an seine Kollegen Stefan Grothues und Christiane Hildebrand-Stubbe, die gemeinsam den Abend moderierten. Ersterer konfrontierte die beiden Kandidaten mit dem extrem engen Abstimmungsergebnis. Dieter Berkemeier hatte nur 80 Stimmen weniger geholt als Bernhard Laukötter.

Die Talkrunde wurde live auf der Homepage der Münsterland Zeitung übertragen.

Die Talkrunde wurde live auf der Homepage der Münsterland Zeitung übertragen. © Victoria Garwer

Als Gewinner oder Verlierer wollte sich aber keiner der beiden sehen. Laukötter erklärte: „Wir haben das beide richtig gut gemacht und können uns gegenseitig beglückwünschen. Die Wähler werden am Wahltag entscheiden, wer Bürgermeister wird.“ Als Moderator Stefan Grothues darauf hinwies, dass Dieter Berkemeier in „seinen“ Legdener Wahlbezirken uneinholbar vorne lag und im Gegenzug Bernhard Laukötter in „seinem“ Asbeck über 80 Prozent der Stimmen holte, nahm die Diskussion Fahrt auf.

„Es gab Versuche, die Gemeindeteile zu spalten“

Der in Asbeck wohnhafte Laukötter sagte: „Ich bin Legdener. Ich bin in Legden geboren und dort zur Schule gegangen. (...) Es gab Versuche, die Gemeindeteile zu spalten. Das wollen wir nicht. Es sind zwei wunderbare Ortsteile.“ Ein Duell Legden gegen Asbeck gebe es demnach nicht.

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Dieter Berkemeier sah das zwar generell auch so, räumte aber ein: „Ich hätte gerne mehr Stimmen in Asbeck geholt. Aber das ist das Revier von Bernhard Laukötter. Damit muss ich mich wohl zufrieden geben. Da wo man zu Hause ist, das wird offenbar gewählt.“

Gräben zwischen Legden und Asbeck?

Auf Nachfrage, ob der Wohnort mehr zähle als das Programm, legte der parteilose Bürgermeisterkandidat nach: „Ich habe nichts gegen Asbeck. Ich habe dorthin viele Kontakte. Dass sich diese Gräben jetzt wieder auftun, finde ich verwunderlich und schade. Aber das hat sich durch die Bürgermeisterkandidatur ergeben. Danach sind die Gräben auch wieder zu.“

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Bernhard Laukötter ließ das nicht so stehen: „Dieses Denken, Legden gegen Asbeck, ist mir vollkommen fremd und den meisten Menschen in der Gemeinde ebenso. Es kann nicht angehen, dass jemand den Bürgermeisterkandidaten danach wählt, ob er 1000 Meter weiter links oder rechts wohnt.“

Kaum programmatische Unterschiede

Moderator Stefan Grothues wies darauf hin, dass die Entscheidung nach Wohnort vielleicht daran gelegen haben könnte, dass es bei den Kandidaten kaum programmatische Unterschiede gebe. Dieter Berkemeier bestätigte: „Wir liegen nicht weit auseinander, teilweise ist das Programm identisch. (...) Am Ende muss der Wähler entscheiden: Wer kann es besser umsetzen?“

Sein CDU-Mitbewerber sagte: „90 Prozent im Gemeinderat werden gemeinsam entscheiden, daher ist die Überschneidung für mich keine Überraschung. Ich sehe aber Unterschiede. Ich habe nicht nur von Digitalisierung gesprochen, sondern in meinem Wahlkampf umgesetzt. Außerdem habe ich Kontakte tief in die Gemeinde Legden hinein.“

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Dann kam der wirklich hitzige Teil des Abends. Moderatorin Christiane Hildebrand-Stubbe kam auf Gerd Heuser zu sprechen. Der Kandidat der UWG, der seinen Wahlkampf selbst finanziert hatte, war mit knappen 17 Prozent sang und klanglos ausgeschieden. Die UWG sprach anschließend, wie schon zuvor die SPD, ihre Unterstützung Dieter Berkemeier aus. Ein nicht ungewöhnlicher Vorgang.

Bernhard Laukötter wurde an dieser Stelle aber emotional und sprach mit deutlich lauterer Stimme: „Die Wähler entscheiden über ihre Stimme. Das machen nicht Dieter Berkemeier oder Bernhard Laukötter, nicht die Münsterland Zeitung und auch nicht diejenigen, die Wahlempfehlungen abgeben. So viel Respekt sollten wir vor den Wähler haben.“

CDU-Kandidat reagiert gereizt

Angesprochen auf die Mehrheitsverhältnisse im Rat reagierte der CDU-Kandidat gereizt: „Ich nehme für mich genauso in Anspruch, dass ich einen eigenen Kopf habe, selbst denken kann und eigene Entscheidungen fälle. Der Bürgermeister der Gemeinde Legden wird ein unabhängiger Bürgermeister sein. Ich fühle mich nicht gebunden an irgendeine Partei.“

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Deutlich ruhiger und nüchterner betrachtete Dieter Berkemeier die Angelegenheit. Er werde versuchen, die UWG-Wähler in der kurzen Zeit für sich zu gewinnen. „Sie sollen nicht nur nach der Empfehlung der UWG gehen, sondern auch von mir überzeugt sein.“ Eine Spitze in Richtung seines Mitkandidaten konnte er sich allerdings nicht verkneifen: „Ich wage zu bezweifeln, dass der Bürgermeisterkandidat der CDU unabhängig ist.“

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