Darum brummt der Tourismus auf dem Land und in Legden

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Urlaub auf dem Land wird immer attraktiver. Nicht erst seit Thomas-Cook-Pleite und Klima-Diskussion. Das spüren auch die Anbieter von Hotelzimmern und Ferienwohnungen in Legden.

Legden

, 20.10.2019, 12:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Hof Heuser, Wehr 190. Auf der alten Hofstelle mitten in der Landschaft lebt die Familie Heuser: Gerd und Ehefrau Theresia mit ihren drei Kindern und Oma Anneliese. Ein Großteil der Flächen ist verpachtet, in den Ställen ist Platz für rund 25 Rinder. Während der Woche ist das Ehepaar außerhalb des Hofes beruflich unterwegs, sie als technische Zeichnerin, er als Produktmanager bei der Genossenschaft in Hannover.

Ferienwohnungen seit 1994

Vorzugsweise an den Wochenenden aber bekommt die Familie Zuwachs - von Feriengästen. In guten Jahren seien es rund 1000 Übernachtungen, in anderen 500 bis 600. Und die Nachfrage steigt. Gerd Heuser: „Wenn wir wollten, könnten wir unsere Berufe aufgeben.“

Darum brummt der Tourismus auf dem Land und in Legden

Hausherr Gerd Heuser im Eingang zum Wohn- und Ferienhaus. © Christiane Hildebrand-Stubbe

1994 hatte sich das Ehepaar für den Geschäftszweig außerhalb der Landwirtschaft entschieden und umfangreich renoviert. Entstanden sind acht moderne Schlafräume mit rund 20 Betten und Badezimmern im oberen Stock und einem spektakulären Blick auf die Jahreszeiten. „Das riesige Haus mit rund 800 Quadratmetern war einfach zu groß für uns“, erklärt der Hausherr die Motive für die neue Nutzung.

Münsterländische Gemütlichkeit

Während die Gäste in ihrem Wohnbereich den Komfort schätzen, ist es im Rest des Hauses die bäuerlich-münsterländische Gemütlichkeit. In der Diele knistert das Holz im Herdfeuer, auf dem Tisch liegen Plätzchen, die Oma Anneliese gebacken hat, Gläser und Karaffen mit Saft stehen parat.

Ein Großteil des Mobiliars ist antik, wurde sicher schon von den Heuser-Vorfahren genutzt. Wie die Standuhr aus dem 18. Jahrhundert, ein Geschenk des Freiherrn von Oer an seinen Rentmeister Heuser, Gerd Heusers Ur-ur-Großvater.

Darum brummt der Tourismus auf dem Land und in Legden

Ländliche Idylle: Seit 1994 genießen sie Feriengäste aus dem ganzen Land. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Hier werden die Gäste empfangen und sind sofort mittendrin in der bäuerlichen Idylle. Wie schon in der Diele ist auch im Aufenthaltsraum der Gäste, einst wohl das „beste Zimmer“, die Zeit stehen geblieben. Ein Fernseher? „Den wollen die Gäste gar nicht, ansonsten gibt es draußen eine Ecke, in der ein Beamer genutzt werden kann“, sagt der Hausherr.

Gewollter Kontrast: Party und Landleben

Und offenbar ist es genau das, was die Menschen wollen, die sich für einen Aufenthalt auf dem Hof Heuser entscheiden. Und die kommen aus allen Ecken des Landes aus den unterschiedlichsten Gründen hierher, wie die Einträge in den Gästebüchern bezeugen. Aus Holland, aus Sachsen, dem Rheinland, aus dem Schwarzwald oder dem hohen Norden.

Darum brummt der Tourismus auf dem Land und in Legden

Die Gästebücher sind voller begeisterter Kommentare. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Mal sind es Arbeitskollegen, Clubs, Freundeskreise. Viele davon Stammgäste. Mal sind Junggesellenabschiede, Feiern oder Veranstaltungen im nahen Dorf Münsterland der Anlass. Wie Markus Kluck aus Düsseldorf, der mit Kollegen - allesamt Führungskräfte - schon oft die Gastfreundschaft bei den Heusers genossen habe, wie er sagt. „Es ist dieser Mix aus Feiern und ländlicher Heimeligkeit, die uns gefällt.“ Sozusagen ein Aufenthalt mit Familienanschluss.

Ferienspaß trotz Überschwemmung

Selbst, als eine Familie miterlebte, wie der Hof 2010 durch Starkregen überschwemmt wurde und sie alle möglichen Widrigkeiten hinnehmen musste, schrieb sie begeistert und in Reimform von ihren Erlebnissen mit der „Sintflut“ auf dem Legdener Hof ins Gästebuch.

Gefragte Hotelzimmer

Den Trend hin zum Urlaub auf dem Land kennt auch Andreas Beckhaus vom Landhotel Hermannshöhe mit 100 Betten: „Das ist schon seit einigen Jahren so und wird sich noch weiter entwickeln.“ Vielfach sind es Radtouristen. Der Hotelier spricht von einer starken Auslastung seines Hauses. So stark, dass er gerade um 15 neue Zimmer erweitert, um dem wachsenden Bedarf, aber auch den steigenden Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden.

Ähnlich zufrieden ist auch Friedhelm Kortmann vom Gasthof „Alt Legden“ (48 Betten): „Wir sind fast jedes Wochenende ausgebucht, müssen sogar häufig absagen.“ Wie andere Anbieter am Ort profitiert auch er von Aktivitäten im Dorf Münsterland, so dass sein Statement deutlich ist: „Der Tourismus brummt in Legden.“

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