Warum Eugene Suom-Dery nicht nach Ghana zurückkehrt

hzWeltpriester

Eigentlich hätte Eugene Suom-Dery Ende des Jahres seine Koffer packen müssen. Jetzt steht fest: Der Pfarrer bleibt weiter in Legden. Und das sogar drei Jahre.

Legden

, 01.11.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In Legden nennen ihn alle nur Eugene. „Menschen sind meine Aufgabe“, sagt Dr. Eugene Suom-Dery (60). Der Pfarrer aus Ghana ist seit März 2017 in Legden und hat sich schnell eingelebt. Einmal wurde sein Aufenthalt um ein Jahr verlängert. Jetzt haben das Bistum Münster und das Bistum Wa in Ghana vereinbart, dass Eugene Suom-Dery bleibt.

Ungewöhnlich lang, so Pfarrer Axel Heinekamp, ist die Verlängerung um gleich drei Jahre, also bis Ende 2022. Damit werde jetzt längere Planungssicherheit möglich. Der Kirchenvorstand, so Heinekamp, wird jetzt eine Wohnung für den Pfarrer suchen. Bislang lebt er im Pfarrhaus, wo allerdings demnächst die Räume für Büros gebraucht werden.

Ob die Entscheidung damit zusammenhängt, dass Pfarrer Heinekamp Ende des Jahres die Gemeinde verlässt? Eugen Suom-Dery sieht da keinen Zusammenhang. Als Diözesanpriester, als Weltpriester arbeite er dort, wohin ihn sein Bischof schicke. „Wenn das Bistum Münster mich braucht...“

„Ich sehe mich als Gesandter“

Er sagt aber auch: „Ich möchte noch bleiben. Ich komme zurecht in der Gemeinde.“ Wie sein Bischof sieht er die Notwendigkeit, dass „Priester aus der Dritten Welt hier mitwirken und Pastoralarbeit leisten“. Er ergänzt: „Ich sehe mich als Gesandter.“

Die Seelsorge liegt ihm am Herzen. Und die Menschen. „Das Leben der Menschen in ihrer Freude begleiten und in ihrer Trauer“, das versteht er als eine seiner Aufgaben. „Wenn sie lachen, lache ich mit. Wenn sie weinen, weine ich mit.“ Er selbst ist in Ghana in einem Dorf aufgewachsen, seine Eltern waren Ackerbauern. Das dörfliche Leben ist ihm also vertraut.

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„Die Menschen haben mich herzlich aufgenommen. Ich komme gut voran“, sagt Eugene Suom-Dery. „Sie anerkennen meine Tätigkeit.“ Deutlich sichtbar wurde es, als er nach zwei Unglücksfällen Hilfe für seine Familie in Ghana brauchte. Viele Menschen haben damals gespendet. „Das hat mich sehr berührt“, erzählt er.

„Ich feiere gerne zusammen“

Wenn im Dorf gefeiert wird, ist Eugene dabei. Bei Schützenfesten oder Karneval taucht er auch schon mal in seiner heimischen Tracht auf. „Ich feiere gerne zusammen“, sagt er mit seinem strahlenden, breiten Lächeln und erzählt, dass in seiner Heimat ein Fest oft eine Woche dauere.

Gemeinsamkeit, das kennt er von zu Hause, das möchte er auch in Legden. Gemeinsam mit anderen Menschen essen, so wie es in seinem Dorf gelebt wird, das pflegt er deshalb auch hier und geht immer ins Altenwohnhaus St. Josef zum Mittagessen. Auch Freundschaften zu Legdenern haben sich in den Jahren entwickelt.

Gelernt von den deutschen „-keiten“

Und ja, er hat sich eingeklebt. Hat sich, wie er lachend erzählt, mit den ganzen deutschen „-keiten“, also Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Zuverlässigkeit, Sparsamkeit auseinandergesetzt, „vieles von diesen Tugenden gelernt“. Auf der anderen Seite hat er Legdener auch schon mal mit seiner Spontaneität überrascht. „Afrikaner sind sehr spontan“, erzählt er.

Ganz neu war Deutschland nicht für ihn, als er 2017 nach Legden kam. Schon vor 25 Jahren hat der 60-Jährige in Deutschland gelebt, hat sechs Jahre Moraltheologie studiert und seine Doktorarbeit geschrieben. Ist sein Talent dann eigentlich in einem Dorf wie Legden nicht verschwendet? Eugene Suom-Dery lacht über die Frage: „Auch wenn ein Priester hochgebildet ist, ist er zunächst Priester und sollte bereit sein, überall zu arbeiten“, sagt er.

Erst Mensch und Priester, dann Akademiker

Dann spricht er über sein Selbstverständnis: „Ich sehe mich zunächst als Seelsorger. Ich bin zunächst Mensch und Priester und erst als drittes Akademiker.“ Im Dezember wird er 30 Jahre Priester sein. Die wissenschaftliche Arbeit ist allerdings sein großes Hobby. „Wenn ich in meinem Zimmer sitzen, lese und schreibe ich“, erzählt er.

2017 hat er das Buch „From ‚Pagan‘ Boy to Church Prelate. Archbischof Kpiebaya in Northern Ghana Church History‘ („Vom ‚Heidenkind‘ zum Kirchenfürst. Erzbischof Kpiebaya in der Kirchengeschichte Nordghanas“) veröffentlicht. Jetzt schreibt er Texte zur Sozialethik oder afrikanischen Religion.

Gerade bereitet er wieder eine kleine Veröffentlichung vor, in der er sich unter anderem mit Poesie auseinandersetzt. „Meine Lebensphilosophie, meine Erfahrung, meine Wahrnehmung, wie ich die Welt sehe, will ich durch Poesie vermitteln.“

Andere Hobbys sind Spazierengehen und Fahrradfahren. „Menschen besuchen ist mein Hobby. Das ist für mich sehr bereichernd.“ Er denkt kurz nach, strahlt und sagt: „Ich habe keine Familie hier. Die ganze Gemeinde ist meine Familie.“

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