Mike Brands von der mobilen Impfeinheit im Kreis Borken am Samstagmorgen im Jugendhaus Pool: Hunderte Impfungen gegen das Coronavirus wurden dort binnen zwei Stunden verabreicht. Dennoch mussten viele Impfwillige weggeschickt werden. Der Ansturm war riesig. © Stephan Rape
Mobiles Impfen

Wieder Riesenansturm auf die Impfaktion – doch dieses Mal lief es glatter

Mobiler Impftermin in Legden: Der Ansturm am Samstag ist gewaltig. 300 Meter ist die Warteschlange lang. Nicht jeder, der eine Impfung möchte, kommt auch an die Reihe. Doch es läuft runder.

Es ist kurz nach 9 Uhr am Samstagmorgen. Sandra Pagels aus Gescher steht seit knapp eindreiviertel Stunden in der Schlange vor dem Jugendhaus Pool. Gerade ist die Tür zum Jugendhaus aufgegangen und die ersten Impfwilligen haben sich auf den Weg zu den Ärzten gemacht. Für Sandra Pagel sind es vielleicht noch 20 Meter bis zur Tür. Aber sie war eben auch früh dran.

Die Menschen stauen sich in diesem Moment zurück. Weit zurück. Über den Parkplatz bis zur Straße und dann den Nordring entlang bis hinter die Einmündung des Mühlenbreys. Gut 300 Meter ist die Schlange lang.

Mehrere hundert Meter weit zog sich die Warteschlange von der Tür des Jugendhauses Pool über den Parkplatz und den Nordring bis hinter die Einmündung in den Mühlenbrey. Trotz der mehreren Stunden Wartezeit blieb die Stimmung gelassen und friedlich.
Mehrere hundert Meter weit zog sich die Warteschlange von der Tür des Jugendhauses Pool über den Parkplatz und den Nordring bis hinter die Einmündung in den Mühlenbrey. Trotz der mehreren Stunden Wartezeit blieb die Stimmung gelassen und friedlich. © Stephan Rape © Stephan Rape

„Wir hatten mit so einem Ansturm gerechnet“, sagt Clemens Rasche vom Ordnungsamt des Kreises Borken. Er ist bei dieser Impfaktion als Ordnungsdienst dabei. „Wir sind ja lernfähig“, sagt er mit verschmitztem Blick. Das Grinsen ist hinter seiner Maske nur zu erahnen.

Deutlich ruhigerer Ablauf als noch vor einer Woche in Ahaus

Tatsächlich läuft es an diesem Wochenende deutlich ruhiger als noch vor einer Woche in Ahaus. Dort hatten Mitarbeiter des Impfteams viele Wartende damit überrumpelt, dass sie nicht mehr geimpft werden können. Wütende Reaktionen waren die Folge.

Das läuft an diesem Samstag besser: „Ich bin seit 8.30 Uhr hier“, sagt Clemens Rasche. Da sei er einmal die Schlange abgelaufen und habe direkt das hinterste Ende wieder weggeschickt. „Wir schaffen hier im Termin knapp 400 Impfungen“, sagt er. Wohlgemerkt wenn alles 100-prozentig glatt läuft. In der Schlange stehen da aber schon wieder deutlich mehr Menschen.

Früh aufgestanden, um die Impfung zu bekommen

Sandra Pagel sieht den Stau gelassen. Ihr Hausarzt habe ihr zu der Aktion geraten. „Der hat alle Termine abgesagt, weil er keinen Impfstoff bekommen hat“, erklärt sie. Deswegen habe sie sich früh morgens mit ihrem Mann auf den Weg nach Legden gemacht.

Clemens Rasche vom Ordnungsamt des Kreises Borken suchte das Gespräch mit den Wartenden – und schickte diejenigen früh weg, die keine Chance mehr auf eine Impfung hatten. Schon lange vor Impfbeginn warteten deutlich mehr Menschen auf die Impfung, als in den zwei Stunden versorgt werden konnten.
Clemens Rasche vom Ordnungsamt des Kreises Borken suchte das Gespräch mit den Wartenden – und schickte diejenigen früh weg, die keine Chance mehr auf eine Impfung hatten. Schon lange vor Impfbeginn warteten deutlich mehr Menschen auf die Impfung, als in den zwei Stunden versorgt werden konnten. © Stephan Rape © Stephan Rape

Um 6 Uhr sei sie deswegen aufgestanden, trotz einer Weihnachtsfeier am Vorabend. „Ich pflege meine Mutter“, sagt sie. Deswegen sei es für sie auch überhaupt keine Frage, sich impfen zu lassen. Und sich an diesem Samstag den Booster, also die dritte Impfung, abzuholen. Wieder kann sie ein paar Schritte in der Schlange nach vorne machen. „Läuft doch“, sagt sie lachend.

Die Stimmung in der Schlange insgesamt ist ruhig bis teils sogar ausgelassen. Etliche haben Klappstühle und Kaffeebecher dabei. Einige lesen oder unterhalten sich mit den Warteschlangen-Nachbarn. Die Wartezeit nehmen sie gelassen hin.

Acht Ärzte arbeiten wie am Fließband

Wie am Fließband läuft es auch ein paar Meter weiter vorne in der Schlange. Mike Brands von der mobilen Impfeinheit im Kreis Borken verteilt die Wartenden auf die vier Ärzte, die die Aufklärungsgespräche führen.

Drei Stunden Zeit für rund 400 Impfwillige. Mehr sei in der Zeit nicht zu schaffen. Danach baute das Team in Legden ab, fuhr nach Ahaus und impfte dort weiter. Auch dort an der Tonhalle bildete sich eine lange Schlange.
Drei Stunden Zeit für rund 400 Impfwillige. Mehr sei in der Zeit nicht zu schaffen. Danach baute das Team in Legden ab, fuhr nach Ahaus und impfte dort weiter. Auch dort an der Tonhalle bildete sich eine lange Schlange. © Stephan Rape © Stephan Rape

Auch dort, in der Turnhalle des Jugendhauses ist die Stimmung gelassen. „Wir tun, was wir können“, sagt er. Insgesamt acht Ärzte seien an diesem Tag im Einsatz. Vier bei den Aufklärungstischen, vier in den Impfkabinen.

Nicht jeder bekommt die Impfung

Und längst nicht jeder bekommt die gewünschte Nadel in den Arm: Sechs Monate sollen für die Boosterimpfung seit der Zweitimpfung vergangen sein. „Wenn es fünfeinhalb sind, liegt es im Ermessen des Arztes, doch zu impfen“, erzählt er. Sei die Zeitspanne noch kürzer würden die Menschen weggeschickt. Das könne in Einzelfällen sogar noch in der Impfkabine geschehen. „Das ist aber die Ausnahme. Normalerweise fangen wir die direkt am Eingang ab“, macht er deutlich. Die Abläufe sind eingespielt: Seit vier Tagen ist sein Team unterwegs.

Ansturm kommt auch aus den Nachbarkreisen nach Legden

Immer sei der Ansturm riesig gewesen. So wie an diesem Vormittag in Legden: In den Straßen rund um das Jugendhaus Pool ist kein Parkplatz mehr zu bekommen. Anwohner reiben sich irritiert die Augen, was dort in ihrer Nachbarschaft los ist.

Auch der Autoverkehr kommt komplett zum Erliegen, weil einige Imfpwillige mit dem Auto gerne bis zum Jugendhaus vorfahren möchten. Autos stauen sich zurück.

Beim Blick auf die Kennzeichen fällt auf, dass viele einen weiteren Weg auf sich genommen haben: Zahlreiche Autos aus den Kreisen Coesfeld und Steinfurt stehen rund um das Jugendhaus. Auch das sei so ja eigentlich nicht gedacht, brummt Clemens Rasche vor sich hin. Aber in den Nachbarkreisen würden ähnliche Aktionen erst in den kommenden Wochen starten.

Zurück am Ende der Schlange. Wieder schickt Clemens Rasche einige Impfwillige weg. „Aber ich bin noch ungeimpft“, ruft ihm eine Autofahrerin mit LH-Kennzeichen zu. Clemens Rasche zuckt mit den Schultern und zeigt auf die Schlange. Vorrang bekommen Ungeimpfte nicht. „Auch wenn diese Aktionen natürlich eigentlich für die Ungeimpften und nicht für Booster-Impfungen gedacht sind“, erklärt er.

Schlange ist auch in Ahaus schon wieder lang

Denen, die er wegschickt, rät er, es in Ahaus zu versuchen. Dorthin fährt das Impfteam nach dem Termin in Legden, nachdem sie 350 Impfungen verabreicht haben. Doch auch in Ahaus ist der Ansturm groß. Zwei Stunden bevor sich die Türen zur Tonhalle dort öffnen sollen, haben sich schon 20 bis 30 Impfwillige versammelt. Als das Impfen beginnt, zieht sich die Schlange an der Stadthalle vorbei bis auf die Heuss-Straße. Sie ist wieder rund 300 Meter lang.

Am Samstagmittag kündigte Landrat Dr. Kai Zwicker außerdem an, dass die Impfangebote im Kreis deutlich ausgebaut werden sollen. Neben den Hausarztpraxen soll künftig in vier festen Impfstellen in Ahaus, Bocholt, Borken und Gronau geimpft werden. Dazu kommen weiterhin die mobilen Termine.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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