Willi Schröer: „Nach 65 Jahren ist die Liebe heute am stärksten“

hzEiserne Hochzeit

Seit 65 Jahren sind Heti und Willi Schröer verheiratet. 65 Jahre, in denen sie sehr viel zusammen erlebt haben. 65 Jahre, in denen die Liebe immer stärker wurde. Bis heute.

Legden

, 30.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Willi Schröer blickt liebevoll zu seiner Frau Heti. Vor 65 Jahren haben sie in Münster geheiratet. Nur ein Jahr kannten sie sich vorher. An diesem Mittwoch feiern sie das seltene Fest der Eisernen Hochzeit. „Liebe auf den ersten Blick war das nicht“, sagt Willi Schröer, den viele Legdener noch als ersten Schulleiter der Brigidenschule kennen.

„Man lernt sich kennen, verliebt sich, das ist wie eine Knospe, die noch nicht aufgegangen ist“, beschreibt der 90-Jährige die Gefühle, die ihn mit seiner 85-jährigen Frau verbinden. „Liebe entfaltet sich mit dem Kennenlernen, wenn man zueinander findet, sich auch Freiräume lässt“, sagt er weiter. Und mit einem Blick zu seiner Frau: „Die Liebe ist jetzt am stärksten.“

Vor fünf Jahren nach Legden zurückgekehrt

Jahrzehnte hat das Ehepaar in Legden gelebt, dann ging es zurück nach Münster. Vor fünf Jahren, als feststand, dass Heti Schröer zunehmend Betreuung braucht, ist das Ehepaar zurückgekehrt nach Legden und wohnt jetzt im Altenwohnhaus St. Josef/St. Ulrich. „Die Leute kennen mich in Legden“, nennt er einen Grund für diese Entscheidung. Auch in der Zeit in Münster war er regelmäßig in Legden, pflegte den Kontakt zu Heimatverein oder Kegelclub.

Hier fühlen sich beide wohl. Willi Schröer schätzt die Tischgemeinschaft im Altenwohnhaus, zu der auch die beiden Pfarrer Hermann Hinse und Eugene Suom-Dery gehören, mit denen er angeregte Gespräche führt. Wenn es um theologische Themen geht, kann da durchaus kontrovers diskutiert werden, erzählt Willi Schröer lächelnd. Nach seiner Pensionierung hat er in Münster das „Studium im Alter“ begonnen und sich vor allem mit Theologie beschäftigt, außerdem die Lateinkenntnisse aufgefrischt.

Lehrer aus Leidenschaft

Doch zurück zum Anfang der Ehe. Heti Schröer arbeitet als Sachbearbeiterin in der Verwaltung des Landkreises Münster. Willi Schröer ist junger Lehrer, als er 1954 eine Stelle in Legden an der Volksschule bekommt. Als sich 1969 die Schule in Grund- und Hauptschule teilt, wird Willi Schröer Leiter der Brigidenschule, die kurz danach in die neuen Räumen am heutigen Standort einzog.

Willi Schröer war mit Leidenschaft Lehrer. „Die Arbeit mit den Schülern, den Eltern und den Kollegen – das war mein Leben“, sagt er. Bis 1992, als er pensioniert wird, hat er viele Entwicklungen miterlebt. Er erzählt, wie die Erziehung weniger autoritär wurde, erzählt von vielen Umstellungen, die er als Herausforderungen angenommen habe.

In den 60er-Jahren machte der junge Lehrer noch ein Ergänzungsstudium, um die Lehrbefähigung für den Unterricht bis zur Mittleren Reife zu erhalten. Das hatte Folgen. Willi Schröer erinnert sich, wie in den 70er-Jahren die Mengenlehre eingeführt wurde.

Mengenlehre wurde zur Herausforderung

„Der Schröer kann das, hieß das damals“, erzählt er. Und so erklärte er Lehrern aus dem Kreis in einer AG die Mengenlehre und wurde Ansprechpartner für besorgte Eltern. Als Mathelehrer hat er zudem einige Jahre parallel auch an der Fachoberschule in Ahaus unterrichtet.

Heti Schröer kümmert sich in dieser Zeit um den Haushalt und den heute 62-jährigen Sohn. Und sie wird ehrenamtlich aktiv. „Sie war eine sehr aktive Frau. Ich habe sie sehr bewundert“, sagt Willi Schröer. Ende der 1970er-Jahre gehörte sie zu den Gründern der Gemeinschaft Behinderter und ihrer Freunde.

„Sie war ein wahres Organisationstalent“

Ausschlaggebend war der eigene Sohn, der eine Behinderung hat. „Sie hatte so viel Power. Und sie war ein wahres Organisationstalent“, erzählt Willi Schröer, wie seine Frau Familien besuchte, Sommerfeste oder Fortbildungsveranstaltungen für Behinderte organisierte. Auf Anregung aus der Pfarrgemeinde, so erzählt Willi Schröer, war sie außerdem Gründerin von „Familie in Not“.

Auch Willi Schröer engagierte sich ehrenamtlich. Er gründete noch in seinen jungen Lehrerjahren innerhalb der Kolpingsfamilie den Kreis junger Familien und gestaltete inhaltlich die monatlichen Treffen.

Wenn am Mittwoch im kleinen Kreis das Ehejubiläum gefeiert wird, wird Willi Schröer ein Lied abspielen. „You raise me up“ (Du richtest mich auf) Das wird er seiner Frau sagen. Das gilt auch heute. Vieles haben sie erlebt in 65 Jahren. Auch schwierige Zeiten. Doch die zählen nicht für Willi Schröer. Was ihm wichtig ist: „Immer im Jetzt leben. Immer nach vorne schauen.“

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