Rebecca Orendorz (l.) spielt Eishockey für den EC Bergkamen und in der deutschen Nationalmannschaft. © Neumann
Eishockey

WM-Traum von Rebecca Orendorz stirbt – und lebt nun doch wieder

Rebecca Orendorz vom EC Bergkamen ging in den letzten Monaten durch ein Wechselbad der Gefühle: Erst wurde die WM verschoben, dann wurde sie aus dem Kader gestrichen – nun besteht neue Hoffnung.

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft saß bereits auf gepackten Koffern. Einen Tag vor dem Abflug nach Kanada, wo vom 6. bis zum 16. Mai die Weltmeisterschaft der Frauen stattfinden sollte, kam die Nachricht, dass das Turnier aufgrund der Pandemie-Lage in Nordamerika abgesagt wird. Zu dem Zeitpunkt war die WM schon zwei Mal verschoben worden. Rebecca Orendorz vom EC Bergkamen gehörte da bereits nicht mehr zum Aufgebot der Nationalmannschaft – kann sich nun aber doch wieder Hoffnung machen auf eine WM-Teilnahme.

Denn das Turnier wurde auf das August-Ende verschoben. Für Orendorz ergibt sich dadurch die Möglichkeit, sich bis dahin wieder für einen Platz im Kader zu empfehlen. „Im August sieht es vielleicht anders aus. Möglicherweise ergeben sich dann freie Plätze“, mutmaßt die 28-Jährige.

Rebecca Orendorz hofft wieder auf eine Teilnahme an der WM.
Rebecca Orendorz hofft wieder auf eine Teilnahme an der WM. © Redaktion © Redaktion

Freude über die Absage und die damit verbundene neue Chance habe sie aber nicht empfunden: „Natürlich nicht, weil es mir für die Mädels total leidgetan hat. Die Entscheidung, dass ich nicht mit dabei bin, war ja auch eine sportliche und ich hatte bereits geahnt, dass es für mich in diesem Jahr eng wird.“

„Die Absage war auch ein Weckruf für mich“

Und so kam es für Orendorz nicht gänzlich überraschend, dass sie im dritten Teil der WM-Vorbereitung als eine von fünf Spielerinnen aus dem Kader gestrichen wurde: „Die Enttäuschung war dennoch groß. Ich habe aber gemerkt, dass meine Saison nicht so gut war und die anderen an mir vorbeigezogen sind. Die Absage war aber auch ein Weckruf für mich, um künftig noch härter zu arbeiten.“

Denn neben der nun im August stattfindenden WM steht im November das Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele 2022 an.

Im Modus Jeder-gegen-Jeden tritt die deutsche Auswahl gegen drei andere Nationen an, der Sieger löst das Ticket nach Peking. „Unsere Chancen sind ganz gut“, schätzt Orendorz die Lage ein, „wir wollen das Turnier mit drei Siegen gewinnen“.

Dann würde sich für die Spielerin Bergkamens auch erstmals die Möglichkeit ergeben, an den Winterspielen teilzunehmen. 2018 war Deutschland nicht qualifiziert. International erprobt ist Orendorz allemal – die 28-Jährige hat bereits an fünf Weltmeisterschaften teilgenommen.

Im Jahr 2017 erreichte die deutsche Auswahl sogar das Halbfinale, unterlag dann allerdings den USA mit 0:11. „Das ist einfach ein komplett anderes Niveau gewesen“, erinnert sich Orendorz.

Grundsätzlich sei aber jede Weltmeisterschaft ein tolles Erlebnis gewesen, unabhängig vom jeweiligen sportlichen Abschneiden: „Jedes Turnier war besonders und mit der Mannschaft immer ein Highlight.“

„Komisch, dass ausgerechnet das Frauen-Turnier abgesagt wird“

Die WM in Kanada sollte das nächste solche Highlight werden. Für Orendorz ist der Traum davon durch die neuerliche Verschiebung zwar wieder zum Leben erwacht, ein anderes Thema – die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen – kam dadurch aber erneut auf.

Denn während das Turnier der Frauen abgesagt wurde, fanden die U18- und U20-WM der Männer wie geplant statt. „Da kommt natürlich schon erstmal der Gedanke auf, dass es komisch ist, dass ausgerechnet das Frauen-Turnier gestrichen wurde“, sagt Orendorz, „allerdings wurde das von der Regierung festgelegt und die Turniere haben in unterschiedlichen Regionen mit unterschiedlichen Corona-Bestimmungen stattgefunden“.

Um dennoch Aufmerksamkeit für diese Thematik zu generieren, hat der EC Bergkamen eine Challenge in den sozialen Medien ins Leben gerufen. Unter dem Motto „WM abgesagt – Wir fahren trotzdem“ rief der EC dazu auf, die Distanz von München nach Halifax, Spielort der Frauen-WM, auf anderem Wege zurückzulegen: zu Fuß, auf dem Rad oder auf Inline-Skates. So solle ein Zeichen gesetzt und Frauen-Eishockey in die richtige Richtung gelenkt werden. Bis zum 16. Mai, dem eigentlichen Ende der WM, soll die Strecke von über 5.000 Kilometern zumindest virtuell zurückgelegt worden sein.

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Seit 2019 als freier Mitarbeiter für Lensing Media im Einsatz. Hat ein Faible für sämtliche Ballsportarten und interessiert sich für die Menschen, die den Sport betreiben - von der Champions League bis zur Kreisliga.
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