Abkühlung im Eis-Pool

Der Castrop-Rauxeler Radprofi Marcel Sieberg bereitet sich gerade auf Mallorca auf seine zweite Saison in der ProTour, der höchsten Klasse der Berufsradfahrer, vor. Sportredakteur Carsten Loos hat mit dem 25-Jährigen über die Veränderungen nach seinem Wechsel vom Team Milram zum Team High Road, dem Nachfolge-Rennstall des Team T-Mobile, gesprochen.

22.01.2008, 15:41 Uhr / Lesedauer: 3 min

Herr Sieberg, wie ist das Wetter momentan auf der Sonneninsel der Deutschen?

Sieberg: Ich bin ja schon seit dem 10. Januar hier, eine Woche vor dem Team. Da ging?s mit dem Wetter gerade so. Aber seit zwei Tagen ist es richtig gut geworden.

Also erst die private Vorbereitung, jetzt das Trainingscamp mit der neuen Mannschaft?

Sieberg: Ja, ein Teil des Teams ist in Australien für die Tour Down Under. Der Rest ist jetzt zum Training auf Mallorca. So etwa 18 bis 20 Fahrer.

Viele Leute kennen Mallorca. Wo ist das Team-Quartier?

Sieberg: Wir wohnen in einem Hotel an der Playa de Palma. Von hier aus kommt man gut weg, kann erst im Flachen fahren, ist aber auch schnell in den Bergen.

Wie sieht ein typischer Trainingstag aus?

Sieberg: Allein war ich immer so fünf, sechs Stunden unterwegs. Zuletzt musste ich es dann aber etwas ruhiger angehen lassen, weil ich mich nicht so gut fühlte. Ich habe wahrscheinlich vor dem Training auf Mallorca zu Hause zu viel trainiert. Mit dem Team fahren wir in verschiedenen Gruppen bis zu sieben Stunden.

Stellen sich die Fahrer ihr Trainingsprogramm selbst zusammen und fahren die Strecken, die ihnen liegen?

Sieberg: Nein, jeder bekommt abends einen Trainingsplan für den nächsten Tag. Meinen Trainingsplan arbeitet Sebastian Weber aus. Mit dem arbeite ich schon seit meiner Zeit beim Team Wiesenhof zusammen. Der Trainingsplan ist dann auch abgestimmt auf die Leistungsdiagnostik, die im Team betrieben ist.

Was hat sich gegenüber dem Team Milram verändert?

Sieberg: Beim Team High Road ist alles etwa umfangreicher. Nach dem Radtraining steht jetzt noch regelmäßig ein Workout für Bauch und Rücken auf dem Programm, und auch Stretching. Außerdem hat jeder einen Ernährungsplan bekommen. Bei den Mahlzeiten im Hotel dürfen wir uns am Büfett nicht mehr selbst etwas nehmen; jetzt gibt es immer ein spezielles Menü für uns. Außerdem müssen wir nach dem Training auf dem Rad in einen kalten Eis-Pool klettern, wie man das seit Klinsmann von der Fußball-Nationalmannschaft kennt. Diese Pools hatte das Team T-Mobile ja auch schon bei der letzten Tour de France dabei.

Es fällt auf, dass Sie in diesem Jahr erst Mitte Februar Ihr erstes Rennen bestreiten werden, die Algarve-Rundfahrt. In den letzten Jahren sind Sie immer schon vorher die Katar-Rundfahrt und die Mallorca Challenge gefahren und haben dort schon gute Erfolge gefeiert ...

Sieberg: Anfang des Jahres ist festgelegt worden, dass das Team nicht die Katar-Rundfahrt, sondern die Tour Down Under in Australien fährt. Für mich war die Frage Australien oder Anfang Februar mit ins Trainingscamp nach Kalifornien, in die Heimat von Teamchef Bob Stapleton. Im Nachhinein wäre ich gerne mit nach Australien; andererseits hat man dann auch mit dem Jetlag zu kämpfen. Und in Kalifornien war ich noch nicht. So ist es im Vergleich zum letzten Jahr ganz gut. Damals bin ich direkt extrem viele Rennen gefahren - und krank geworden.

Ihr vorläufiger Rennplan sieht einige Premieren für Sie vor, unter anderem den Omloop Het Volk in Belgien, die Flandern-Rundfahrt in Belgien, die Tour de Suisse oder etwa das Frühjahrsrennen Mailand - San Remo bei dem Sie vielleicht gegen Ihren früheren Milram-Kapitän Erik Zabel fahren.

Sieberg: Ja, das ist bekanntermaßen sein Lieblingsrennen. Das Rennen ist eine große Herausforderung, ein wichtiges Rennen. Das habe ich bei Milram gemerkt. Gerade die Italiener im Team waren richtig heiß auf Mailand - San Remo. Das Rennen hat einen hohen Stellenwert.

Auf der Team-Homepage heißt es, Sie würden sich auf die Frühjahrs-Klassiker konzentrieren und danach als Sprint-Anfahrer eingesetzt ...

Sieberg: Die Mannschaft ist in drei Gruppen aufgeteilt. In meiner Gruppe sind eher die deutschen Fahrer. Als Sportlicher Leiter ist Jan Schaffrath zuständig. Es wird wohl so sein, dass ich unter anderem bei Mailand - San Remo im Sprint für Gerald Ciolek anfahren werde. Wir sind ja vor zwei Jahren auch beim Team Wiesenhof gemeinsam gefahren.

Wie schätzen Sie Ihre Chance ein, im Sommer zum zweiten Mal die Tour de France bestreiten zu dürfen? Beim Team High Road gibt es ja ohne Zweifel weitaus mehr Kandidaten für die Tour-Equipe als im letzten Jahr bei Milram.

Sieberg: Klar, die Tour de France ist ein Ziel für mich. Unsere Mannschaft ist stärker als letztes Jahr Milram. Da muss man abwarten, wie das Team bei der Tour fahren will - ob auf die Gesamtwertung oder auf einzelne Etappenerfolge. Ich weiß jedenfalls, auf was ich mich eingelassen habe.

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