Akuter Mangel: Weitere Fußball-Spiele möglicherweise bald ohne Schiedsrichter

hzAmateurfußball in Castrop-Rauxel

Die Saison im Amateurfußball ist knapp vier Wochen alt, doch der Fußballkreis Herne steht bereits vor großen Problemen. Es fehlen Schiedsrichter. Das könnte schon bald immense Folgen haben.

Castrop-Rauxel

, 01.10.2020, 17:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Pöbeleien, Beleidigungen und verbale Entgleisungen – die Schiedsrichter im Amateurfußball sehen sich immer wieder mit derartigen Schwierigkeiten konfrontiert. Die Auswirkungen sind enorm, lässt der Schiedsrichter-Nachwuchs doch seit geraumer Zeit zu wünschen übrig. Der Fußballkreis Herne befürchtet deshalb weitreichende Konsequenzen.

Lediglich fünf neue Schiedsrichter

Der Job des Schiedsrichters im Fußball ist nicht leicht. Kaum ein Spiel geht über die Bühne, ohne dass sich ein Akteur ungerecht behandelt fühlt. Dennoch kann der Fußballkreis Herne nun fünf neue Schiedsrichter in seinen Reihen begrüßen.

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„Leider viel zu wenig“, betont Leonidas Exuzidis vom Kreisschiedsrichterausschuss, fügt aber hinzu: „Wir freuen uns natürlich, dass fünf Teilnehmer den Lehrgang erfolgreich abgeschlossen haben und bald auf den Plätzen in Herne und Castrop-Rauxel aktiv sein werden.“ Ursprünglich hatten sich zehn Anwärter gemeldet. Vier verließen den Lehrgang vor dem Abschluss, einer schloss den Kurs erfolglos ab.

Insgesamt seien derzeit 146 Schiedsrichter im Fußballkreis aktiv. Allerdings seien nicht alle stets verfügbar. Grundsätzlich würden etwa 25 Offizielle fehlen, um einen reibungslosen Spielbetrieb zu gewährleisten. Die Folgen könnten schwerwiegend sein. So befürchtet der Kreisschiedsrichterausschuss unter anderem, dass bereits im Herbst erste Partien in der Kreisliga B ohne Schiedsrichter vonstatten gehen müssen.

Vorsitzender von Vereinen enttäuscht

In der Kreisliga C gehöre dies bereits jetzt zur Realität. „Und das, obwohl manche Schiedsrichter schon jetzt zwei oder drei Spiele an einem Tag absolvieren. Das kann man wirklich nicht hoch genug anrechnen“, erklärt Exuzidis.

Um dem Problem zu begegnen, müsse man die Vereine noch mehr in die Verantwortung nehmen. Der Ausschussvorsitzende Gregor Werkle findet deutliche Worte: „Wir sind maßlos enttäuscht von der Ignoranz der Vereine“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. „Wir haben mehrfach auf unsere Lehrgänge und auf den Mangel hingewiesen. Die meisten Vereine scheint dies nicht zu interessieren.“

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Für den Fall, dass an bestimmten Spieltagen nicht alle Partien mit Schiedsrichtern besetzt werden können, habe man eine genaue Vorgehensweise angedacht: Es sollen die Vereine ohne Referee auskommen müssen, die zu wenig Schiedsrichter stellen.

Dialog mit Vereinen angestrebt

Doch was heißt das konkret? „Jeder Verein muss eine gewisse Zahl an Schiedsrichtern stellen. Diese wird jeweils anhand der gemeldeten Mannschaften errechnet“, betont Exuzidis. Wer diese Quote nicht erfülle, müsse mit Konsequenzen rechnen.

Grundsätzlich müsse man das Ansehen der Schiedsrichter wieder deutlich steigern. Man wolle den Vereinen auch nicht allein den „schwarzen Peter“ zuschieben.

„Vor allem der Umstand, dass die Schiedsrichter häufig als Ventil für Aggressionen und Beleidigungen auf dem Platz herhalten müssen, schreckt viele Leute ab“, erklärt Exuzidis. „Wir sind dabei auf die Vereine angewiesen und wollen mit ihnen in einen Dialog treten.“

Neue Schiedsrichter bald auf dem Platz

Dabei sei Schiedsrichter ein tolles Ehrenamt mit einer großen Verantwortung. „Zudem können sich vor allem junge Schiedsrichter etwas Geld dazu verdienen. Immerhin gibt es beispielsweise 24 Euro für ein Spiel in der Senioren-Kreisliga“, so Exuzidis.

Jeder, der mindestens 14 Jahre alt ist kann den Schiedsrichter-Lehrgang besuchen und sich dafür entweder beim Verein oder direkt beim Fußballkreis anmelden. Nach oben gibt es im Amateurfußball hingegen keine Altersgrenze.

Während der nächste Schiedsrichterlehrgang voraussichtlich für das Frühjahr 2021 geplant ist, steht für die fünf neuen Schiedsrichter Alessandro Bussi, Mike Matthias, Jan Eike Pohl, Kassim Azmou und Bente Mats Helling im Kreis bald das erste Pflichtspiel auf dem Programm. Zunächst noch unter den Augen eines erfahrenen Unparteiischen, ehe es bald alleine auf die Plätze geht.

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