Ausnahmeregelung für das Tierwohl: Reiter dürfen trotz Corona reiten

Coronavirus

Stillstand im Sport, aber nicht bei den Reitern. Zwar dürfen sich Reiter nicht zum Training treffen. Das heißt aber nicht, dass ein generelles Reitverbot herrscht. Im Gegenteil.

Obercastrop

, 31.03.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pferde dürfen bei Reitverein weiter geritten werden - aber unter strengen Auflagen.

Pferde dürfen bei Reitverein weiter geritten werden - aber unter strengen Auflagen. © Sebastian Reith

Die Reiter der RG Obercastrop (RGO) erhalten während der Corona-Krise Ausnahmerechte - wie auch alle weiteren Reitsport-Clubs. Zwar gilt auch für die Reiter ein Trainingsverbot, an das sich die Mitglieder des Reitvereins zu halten haben, geritten wird aber trotzdem. Ein Widerspruch?

„Wir haben es mit Lebewesen zu tun“, erklärt RGO-Pressewartin Bianca Vössing, „Pferde sind Herdentiere, die Sozialkontakt pflegen. Sie schlafen oder dösen maximal 25 Prozent des Tages. Den Rest des Tages sind sie in Bewegung.“ Wichtig sei: Geltendes Recht für alle Tierbesitzer sei das Tierschutzgesetz. Und somit sei man zur Pflege verpflichtet und berechtigt.

Reitstunden sind seit 15. März abgesagt

Das zuständige Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hält einige Punkte für essentiell für physisches und psychisches Wohlbefinden von Pferden: Fütterung, Pflege der Boxen (Ausmisten und Einstreuen, Kontrolle der Tröge und Tränken), tägliche Kontrolle (Ist das Pferd gesund? Hat es Verletzungen?), tägliche Bewegung mit kontrollierter (z.B. Reiten/Longieren) und freier Bewegung (Auslauf auf dem Paddock/der Weide). Ebenfalls wichtig sind tierärztliche oder therapeutische Versorgung sowie Versorgung durch den Schmied.

Die Reithalle der RG Obercastrop darf während der Corona-Krise nicht von Zuschauern besucht werden.

Die Reithalle der RG Obercastrop darf während der Corona-Krise nicht von Zuschauern besucht werden. © Volker Engel

Seit dem 15. März sind alle Vereins-Reitstunden bei der RG Obercastrop abgesagt. Die Reitanlage im Wagenbruch steht den aktiven Mitgliedern aber weiterhin zur Verfügung. Diese halten laut Bianca Vössing sehr diszipliniert alle Regeln ein, denken an das Händewaschen sowie den Zwei-Meter-Abstand zueinander. Vössing: „Mit ausreichend Abstand dürfen die Reiter draußen und in der Halle die Pferde bewegen.“ Dabei gelte die Regel, dass sich in der Halle nur sechs bis acht Pferde aufhalten dürfen.

Anwesenheitsplan wird aufgestellt

Wie auch bei anderen Reitvereinen und Pferdebetrieben gilt aktuell auch bei der RG Obercastrop für alle Mitglieder und Einstaller ein Anwesenheitsplan, der vom Hofbesitzer erstellt wird. Vorgegeben werden laut Bianca Vössing Anwesenheitszeiten von maximal zwei Stunden. Dadurch wird die Zahl der Menschen, die sich zeitgleich im Stall sowie auf der Anlage befinden, minimiert. Draußen gilt die Anzahl von vier Pferden pro Bewegungsfläche (im Reitsport 20x40 Meter), die fachlich und hygienisch als vertretbar, aber als Obergrenze gesehen wird.

Gregor Knickenberg, hier auf einem Archivfoto, ist mit seiner Familie Besitzer der Reitanlage im Wagenbruch.

Gregor Knickenberg, hier auf einem Archivfoto, ist mit seiner Familie Besitzer der Reitanlage im Wagenbruch. © Witte

Der Großteil der Vereinsmitglieder der RGO steht mit ihren Pferden auf dem „Hof Knickenberg“. Hier steht der Verein in engen Kontakt mit der Familie Knickenberg. Der Vorteil der Anlage an der Bochumer Straße ist ihre stattliche Größe mit zwei großen Hallen und einem Außenplatz. Bianca Vössing: „Das hilft sehr bei der Einhaltung des Anwesenheitsplanes und der Kontaktvermeidung.“

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Ein weiteres Plus: Die Familie Knickenberg bietet im Vollservice generell dreimal Fütterung pro Tag, die Pflege der Boxen und somit auch eine Tierkontrolle. Vössing erklärt: „Ebenfalls inklusive ist der freie Auslauf auf dem Paddock sowie der Weide, so dass sich die Reiter nur um die kontrollierte Bewegung der Pferde - Reiten oder Longieren - kümmern müssen.“ Durch die kontrollierte Bewegung der Pferde werden laut Bianca Vössing „Koliken und Kreuzverschläge vermieden, an denen Pferde sterben können“.

Beim Longieren wird das Pferd auf einem 20 Meter großen Zirkel geführt. Bianca Vössing: „Dieses Kreislaufen an der Leine auf kleinem Raum entspricht nicht der Natur der Pferde und sollte zur Vermeidung von Gesundheitsschäden keine Dauerbewegung sein. Mit dem Reiten wird man der Bewegung der Pferde gerecht - und sie gesund gehalten.“

Die RGO-Pressewartin erklärt: „Wir bedauern, dass Kinder nicht mehr auf die Spielplätze dürfen oder nicht mehr ihren Vereinsport ausüben können.“ Sie wirbt um Verständnis für die vermeintlichen Ausnahmerechte der Reitsportler. Sie betont: „Wir müssen wie zum Beispiel auch Hundebesitzer an unsere Pferde denken.“

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat auf ihrer Internetseite Notbewegungspläne für 20 oder 48 Pferde, Fütterungspläne und Verhaltensregeln bereitgestellt.

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