Ex-Landesliga-Kicker verlegt 2 Tonnen Kunstrasen der SG Castrop im eigenen Garten

hzFußball

Der 13 Jahre alte Kunstrasen im Stadion an der Bahnhofstraße ist Geschichte – und wird derzeit außerhalb der Arena geparkt. Die Renovierer bieten ihn zur Wiederverwendung an. Ein Ex-Fußballer hat das Angebot angenommen.

Castrop

, 24.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Handwerker der Firma HollandSports haben im Stadion an der Bahnhofstraße nach dem Turbo anscheinend in einen noch höheren Gang geschaltet. Die beiden Fachmänner aus den Niederlanden hatten in der Arena, in der die SG Castrop beheimatet ist, zunächst das Gummigranulat abgesaugt. Danach hatten sie fix die Bahnen mit dem 13 Jahre alten Kunstrasenteppich entfernt.

Sportplatz war für kurze Zeit nackt

Nur zwei Tage lang war der Platz nackt und offenbarte seinen schwarzen, gummierten Untergrund. Danach schafften es die Handwerker binnen zwei Tagen, die Bahnen mit dem neuen, tiefgrünen Teppich aufzulegen. Derzeit sind sie dabei, den Kunstrasen zu verkleben – vor allem an den Nahtstellen tragen sie auf dem Boden aus ihren Blecheimern viel Kleber auf.

Einige Tage lang war das Stadion an der Bahnhofstraße "nackt" - ohne Grün.

Einige Tage lang war das Stadion an der Bahnhofstraße "nackt" – ohne Grün. © Jens Lukas

Unterdessen ist der alte Teppich auf dem Parkplatz außerhalb der Arena geparkt. Ursprünglich waren es 25 Rollen. Jetzt nicht mehr. Denn die HollandSports-Leute geben jedem die Gelegenheit, eine Rolle mit nach Hause zu nehmen. Ein ehemaliger Landesliga-Fußballer aus Castrop-Rauxel hat von dem Angebot Gebrauch gemacht: Marcus Plarre. Beim ehemaligen Kicker des VfB Habinghorst liegt jetzt eine 2 Meter breite und 32 Meter lange Rolle SG-Kunstrasen im Garten.

Der alte Kunstrasen des Stadions an der Bahnhofstraße wurde vor dem Abtransport auf dem Parkplatz vor der Arena geparkt.

Der alte Kunstrasen des Stadions an der Bahnhofstraße wurde vor dem Abtransport auf dem Parkplatz vor der Arena geparkt. © Volker Engel

Fast zwei Tonnen mussten bewegt werden

Der 40-Jährige berichtete, dass der Abtransport kein leichter war: „Immerhin wiegt eine solche Rolle fast 2 Tonnen.“ Zum Aufladen sowie Abladen in Habinghorst setzte er einen Kranwagen ein. Ausgerollt ist der Kunstrasenteppich noch nicht. Plarre, der einen sportbegeisterten Sohn hat, nimmt sich für seinen „Traum“, wie er ihn nennt, noch Zeit. Andere Dinge haben aktuell Vorrang.

Marcus Plarre möchte dann eine Mehrzweck-Arena auf dem eigenen Grundstück bauen. Hier würde er nicht nur ein Fußball-Tor aufstellen, sondern auch ein Netz aufhängen – zum Beispiel für Fußball-Tennis. Aber auch an die Möglichkeit von Volleyball oder Badminton denkt der Castrop-Rauxeler.

Marcus Plarre: „Die Freunde meines Sohnes sowie Bekannte von mir können dann hier kicken.“ Zu diesen gehört auch ein Neu-Habinghorster: Ex-Profi Marc Kruska.

Marcus Plarre spielte wie hier 2011 für den VfB Habinghorst in der Landesliga.

Marcus Plarre spielte wie hier 2011 für den VfB Habinghorst in der Landesliga. © Jens Lukas

Neben Plarre haben wohl zwei weitere Privatleute die Gelegenheit ergriffen und haben sich Kunstrasen-Rollen geholt, berichtete Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann: „Eine Abgabe sowie Abholung in kleineren Mengen als in kompletten Rollen ist nicht geplant und auch nicht möglich.“

Im Zuge der Ausschreibung wurde die Entsorgung des alten Kunstrasens dem Kunstrasenbauer HollandSports übertragen, so Hilleringmann: „Details zur Folgenutzung liegen der Stadt und dem EUV nicht vor.“

Privatleute können den abgespielten Kunstrasen in ihren Gärten als Unterlage unter Schaukeln oder Spieltürmen nutzen, erklärte die Stadtsprecherin. Ein eigenes Recyclen hat die Stadtverwaltung nicht ins Auge gefasst. Maresa Hillerigmann betont: „Zum Beispiel für öffentliche Spielplätze ist der Belag nicht mehr nutzbar.“

Jetzt lesen

Dennis Dannemann, der Trainer des Bezirksligisten SG Castrop, erklärte: „Wir von unserem Trainer-Team kommen alle drei Tage am Stadion vorbei, um unsere Utensilien fürs Auswärts-Training abzuholen. Dabei sehen wir den Fortschritt auf dem Platz und freuen uns, dass es so gut vorangeht.“

Das neue Kunstrasen-Grün erstrahlt bereits im Stadion an der Bahnhofstraße.

Das neue Kunstrasen-Grün erstrahlt bereits im Stadion an der Bahnhofstraße. © Jens Lukas

Die Kosten für den Teppich-Tausch an der Bahnhofstraße belaufen sich auf 230.000 Euro. Im Preis enthalten ist ein Bonbon für die Leichtathleten. Denn die Umlaufbahn wurde gereinigt und neu liniert. Bei dem Kunstrasen handelt es sich um das Model „FieldTurf ULTRA 360“ des französischen Unternehmens FieldTurf Tarkett.

Der neue Kunstrasen ist eine sichtbare Weiterentwicklung des ersten Teppichs, der 2007 verlegt worden war. Die Halme sind unter anderem 5 Millimeter länger als beim bisherigen Rasen. Dadurch dass sie nicht mehr gerade, sondern gekräuselt sind, wird das Gummi-Füllmaterial besser zwischen den Halmen gehalten.

Das Castrop-Rauxeler Stadtwappen ziert bereits den Platz an der Mittellinie im Stadion an der Bahnhofstraße.

Das Castrop-Rauxeler Stadtwappen ziert bereits den Platz an der Mittellinie im Stadion an der Bahnhofstraße. © Jens Lukas

Sichtbare Heimatverbundenheit

Künftig werden die Castroper Fußballer und Fans ihre Heimatverbundenheit ausdrücken. Denn in den Teppich wird ein etwa 1x1 Meter großes Stadtwappen eingearbeitet sein. Fertig sein soll der Platz am 8. August.

Bei Kunstrasen-Teppich wird von einer Haltbarkeit von 15 Jahren ausgegangen. Diese Art von Sportplätzen gilt als wesentlich belastbarer als Naturrasen, kann intensiver genutzt werden und ist ganzjährig mit geringem Pflegeaufwand bespielbar. EUV-Ingenieur Markus Genster erklärt: „Der Platz hier an der Bahnhofstraße ist der meist genutzte in unserer Stadt.“

Der älteste Kunstrasen Castrop-Rauxels ist jener in der Glückauf-Kampfbahn – aus dem Jahr 2000. Dort, wo Arminia Ickern und die SF Habinghorst spielen, wurde im Spätsommer 2015 saniert, 2016 war der Sportplatz am Fuchsweg in Merklinde dran. Darauf folgten die Teppiche auf Schwerin (2017) und in Obercastrop (2019).

Es gibt noch einen Kunstrasenplatz im Stadtgebiet, jenen an der Uferstraße in Ickern (Baujahr 2010). Der müsste 2025 erneuert werden – wie auch jener, den der FC Frohlinde in Eigenregie an der Brandheide verwaltet.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt