Bernd Gämlich oder 150 Mal 42,195 Kilometer

Sportlerporträt

CASTROP-RAUXEL Sein Bruder ist schuld - und ein wenig auch die eigene große Klappe. "Marathon kann doch jeder laufen", warf Bernd Gämlich 1992 seinem Bruder entgegen, der sich auf den Rotterdam-Marathon vorbereitete. Und er verwettete einen Kasten Bier, dass auch er dort das Ziel erreichen würde. Gämlich gewann die Wette. Vergangenen Freitag spulte er die Marathon-Distanz zum 150. Mal herunter.

von Von Jan Große-Geldermann

, 09.07.2009, 13:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

150 Mal 42,195 Kilometer. Dafür muss man verrückt sein. Ein bisschen ist Gämlich es, denn er liebt die extremen Läufe. Zum Jubiläum hatte er sich den Marbuger Nachtmarathon, der erst um 20 Uhr gestartet wird, ausgesucht. "Einer meiner schwersten", sagt der 50-Jährige im Rückblick.

Vergleiche hat er viele. Am liebsten läuft Gämlich den Brocken-Marathon im Harz. Über 1000 Höhenmeter müssen die Starter dort überwinden. Gämlich hat die Bergspitze schon acht Mal erreicht - und ist immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. So lief er beim Elbtunnel-Marathon in Hamburg 48 Runden im Kreis.

"Schneller hätte ich kaum werden können" Zu Beginn seiner Laufkarriere sei es ihm nur darum gegangen, immer schneller zu werden. 1996 lief er beim 36. Marathon seine persönliche Bestzeit: 3:15 Stunden - das Limit. "Schneller hätte ich kaum werden können", sagt Gämlich. Deshalb stellte er sein Training um, lief langsamer und länger, um die 42-Kilometer-Distanz immer in den Beinen zu haben. Sein neues Ziel: 100 Marathons.

Spätestens jetzt begann das, was Gämlich selbst als "Verrücktheit" bezeichnet. Er lief so viele Marathons im Jahr wie möglich. Sein Rekord sind 25, aufgestellt 2003. Ein Jahr zuvor hatte er sich in den Niederlanden über vier Marathons in vier Tagen gequält. "Das war schon ein wenig hart", sagt Gämlich als spräche er über einen etwas stressigeren Arbeitstag.

"Ich bin eher ein VW-Käfer als ein Porsche"Die Zeit ist für ihn längst zweitrangig geworden. Nach vier bis fünf Stunden kommt er in der Regel ins Ziel. "Ich bin eher ein VW-Käfer als ein Porsche", sagt Gämlich. Auch er läuft und läuft und läuft. Etwa 2500 Kilometer pro Jahr. Die meisten davon im Wettkampf. Das Training beschränkt sich auf zwei 10-Kilometer-Läufe unter der Woche und eine längere Distanz an den Marathon-freien Wochenenden.

Schon seit einigen Jahren ist Gämlich Mitglied im 100-Marathon-Club Deutschland. Aufgenommen wird nur, wer mindestens 100 Marathons oder noch längere Laufstrecken vorweisen kann. Eine Clique von Ultraläufern. Doch selbst dort ist der Castrop-Rauxeler etwas Besonderes. Weil er auch abseits des Laufens extreme Erfahrungen sucht. 2003 nahm er an der Dauerrodel-WM im Panoramapark im Sauerland teil. Mehr als 58 Stunden rodelte er einen Berg hinunter. Immer und immer wieder, bis er erschöpft einschlief. "Das war anstrengender als jeder Lauf", sagt Gämlich.

Er will noch 150 weitere Marathons laufen Die nächsten Ziele sind gesteckt. Mindestens 150 Marathons will er noch laufen. 50 in den nächsten drei Jahren. "Ich bin ja noch jung", sagt Gämlich. Der legendäre 100-Kilometer-Lauf in Biel in der Schweiz ist auch fest eingeplant.

Was ihn antreibt? Vermutlich der pure Ehrgeiz. "Ich stecke mir Ziele - und die will ich erreichen." Und dann klingt er wieder etwas verrückt: "Mit ein wenig Disziplin klappt das auch."ZUR PERSONBernd Gämlich ist 50 Jahre alt. Der Diplom-Ingenieur, der früher im Bergwerk Auguste-Victoria in Marl gearbeitet hat, ist im Vorruhestand und wohnt im Ortsteil Schwerin. Gämlich ist verheiratet und Vater zweier Söhne. 1992 begann seine Laufkarriere. Zuvor war er lange beim Schachklub VfL Bochum 1848 aktiv. Als Jugendlicher spielte er beim Schweriner KC Korfball.

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