Aktuell wird vielerorts darüber diskutiert, ob die Fußball-Bundesliga mit Geisterspielen fortgesetzt werden soll. Die Castrop-Rauxeler Fußballer sehen das kritisch. Und liefern Argumente.

Castrop-Rauxel

, 29.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Deutschland ruht, doch der Ball soll bald wieder rollen. Die Fußball-Bundesliga plan den großen Re-Start mit Geisterspielen ab Mai - wenn es von der Politik die Erlaubnis gibt. Spieler, Trainer, Betreuer, ein paar Medienschaffende und Balljungen. Mehr Leute sollen nicht in die großen Arenen des Landes dürfen.

Für den Plan der Deutschen Fußball-Liga (DFL) müssen einige Regeln eingehalten werden: Die Spieler werden alle paar Tage auf Corona getestet, müssen ihre Trikots selbst waschen. Es kursierte laut Medienberichten sogar die Überlegung, mit Mundschutz zu spielen. Wozu all dieser Aufwand? Ist der gerechtfertigt? Bekommt der Profifußball eine Extra-Wurst gebraten? Wir haben uns bei den Castrop-Rauxeler Fußballern umgehört.

Elmar Bök (langjähriger Vorsitzender von Wacker Obercastrop und Fan des VfL Bochum)

Elmar Bök (langjähriger Vorsitzender von Wacker Obercastrop und Fan des VfL Bochum) © Tobias Weckenbrock

Elmar Bök (langjähriger Vorsitzender von Wacker Obercastrop und Fan des VfL Bochum)

„Die ganze Diskussion ist sehr schwierig. Grundsätzlich würde ich schon sagen, dass die Bundesliga ein bisschen etwas für das Allgemeinwohl und die Seele in dieser Zeit tut. Sie bietet etwas Abwechslung - das ist die Fan-Sicht. Vor allem kleine Vereine haben an der aktuellen finanziellen Situation zu knacken. Ich kann ein paar Leute, die dort angestellt sind. Das ist für die auch nicht einfach. An einem Verein hängen viele Arbeitsplätze. Ich glaube, dass man ab Mitte Mai unter den genannten Bedingungen wieder spielen könnte. Das klingt machbar. Im Sinne der Mitarbeiter würde ich mich darüber freuen."


Marc Olschewski (Trainer des VfB Habinghorst und Fan von Bayern München)

Marc Olschewski (Trainer des VfB Habinghorst und Fan von Bayern München) © Volker Engel

Marc Olschewski (Trainer des VfB Habinghorst und Fan von Bayern München)

„Ich befürchte, dass der Neustart der Bundesliga viele Leute dazu verleitet, zu denken, dass alles wieder normal ist. Es ist aber wohl die einzige Lösung der DFL, die Bundesliga zu retten. Der FC Bayern wird an der Krise nicht zugrunde gehen, viele andere Klubs schon. Klar ist auch, dass diese Geisterspiele nicht ansatzweise die Atmosphäre haben, wie Partien mit Zuschauern. Das ist ein Ambiente wie bei einem Kreisliga-Training. Ich bin daher zwiegespalten. Oft wird ja von Vorbildfunktion des Profifußballs gesprochen. Die sehe ich hier nicht erfüllt."


Daniel Bedürftig (E-Junioren-Trainer bei der SG Castrop und Fan von Werder Bremen)

Daniel Bedürftig (E-Junioren-Trainer bei der SG Castrop und Fan von Werder Bremen) © Volker Engel

Daniel Bedürftig (E-Junioren-Trainer bei der SG Castrop und Fan von Werder Bremen)

„Ich sehe das vor allem aus Sicht eines Jugendtrainers kritisch. Wie soll ich den Kindern erklären, dass die Bundesliga spielen darf, aber wir als E-Jugend noch nicht einmal trainieren dürfen. Natürlich müsste das unter entsprechenden Maßnahmen ablaufen und vor allem unter Aufsicht eines Erwachsenen. Zumindest ein individuelles Training auf dem Platz an der frischen Luft sollte ja möglich sein. Niemand verlangt, dass wir sofort wieder Spiele absolvieren sollen."


Martin Kapitza (Spieler von Wacker Obercastrop und Fan von Borussia Dortmund)

Martin Kapitza (Spieler von Wacker Obercastrop und Fan von Borussia Dortmund) © Volker Engel

Martin Kapitza (Spieler von Wacker Obercastrop und Fan von Borussia Dortmund)

„Als Fußballer finde ich es gut, dass wieder gespielt wird - die Geisterspiele ohne Zuschauer natürlich nicht. Ich frage mich, ob die vielen Tests wirklich für den Fußball notwendig sind, oder ob die zum Beispiel in Krankenhäusern nicht viel dringender benötigt werden. Für mich ist es deshalb eine 50:50-Entscheidung. Hätte ich die Wahl, würde ich die Saison abbrechen."





Dennis Hasecke (Trainer der Spvg Schwerin und Fan von Schalke 04)

Dennis Hasecke (Trainer der Spvg Schwerin und Fan von Schalke 04) © Volker Engel

Dennis Hasecke (Trainer der Spvg Schwerin und Fan von Schalke 04)

„Für die Fans sind Geisterspiele traurig. Ich denke da an die Dauerkarten-Inhaber. Die zahlen, um im Stadion zu sein - nicht um im Fernsehen bei Sky zu schauen. Auch für die Profis wird das komisch. Wenn jetzt all diese Regeln nur gemacht werden - Abstand halten im Training, Corona-Tests alle paar Tage oder mit Mundschutz spielen - um die Saison durchzuboxen und an das TV-Geld zu kommen, hat das einen Beigeschmack. Für Schalke wäre das Geld natürlich wichtig. In den vergangenen Jahren hat man leider nicht gut gewirtschaftet und musste viele Spieler ablösefrei ziehen lassen."

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