Bundestrainer plädiert für Saisonabbruch wegen Corona - trotz Nachteil für seinen Verein

hzKorfball-Regionalliga

Die Regionalliga-Korfballer kommen aufgrund der Corona-Krise nicht zum Zuge. Kein Spiel, kein Training. Zu der ausgesetzten Saisonentscheidung hat sich der Bundestrainer Gedanken gemacht.

Castrop-Rauxel

, 06.04.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In der Regionalliga der Korfballer, in der aus Castrop-Rauxel der KV Adler Rauxel (1.), der Schweriner KC 1 (4.), der HKC Albatros (6.) und Schlusslicht Schweriner KC 2 mitspielen, ruht wegen der Corona-Krise seit dem 13. März der Ball. Für die Zeit nach Ostern standen ursprünglich die Endspiele um den Meister-Titel und die Relegation gegen den Abstieg im Terminkalender.

Ob die Saison wieder angepfiffen wird, soll sich am 26. April entscheiden. Eines steht fest: Das Technische Komitee Korfball im Deutschen Turnerbund (DTB) hat festgelegt, dass die Saison am 30. Juni beendet sein muss.

Van den Bos: „Albatros bleibt in der Liga“

Korfball-Bundestrainer Wilco van den Bos, der zugleich Coach des aktuellen Regionalliga-Zweiten TuS Schildgen ist, hat sich Gedanken über den Ernstfall gemacht. Wenn nach der Corona-Pause keine Fortsetzung praktikabel ist, solle die Spielzeit abgebrochen werden.

Van den Bos lässt bei seinem Gedankenspiel jeglichen Egoismus beiseite. Denn er sagt: „In der aktuellen Tabelle ist der KV Adler Rauxel Erster und sollte somit der neue Meister sein.“ Obwohl van den Bos’ Team Schildgen dann keine Chance hätte, in den Play-Offs zum Meister zu werden.

Die Abstiegsfrage würde der Bundestrainer so beantworten: „Schwerin 2 steigt ab. Der Tabellenvorletzte, derzeit HKC Albatros, sollte diesmal keine Relegation spielen müssen und bleibt drin. Als Aufsteiger kommt Schildgen 2 in die Liga.“

Patrick Fernow, Trainer des KV Adler Rauxel, würde direkt von einem Saisonabbruch und einer Wertung nach Vorschlag von Wilco van den Bos profitieren.

Patrick Fernow, Trainer des KV Adler Rauxel, würde direkt von einem Saisonabbruch und einer Wertung nach Vorschlag von Wilco van den Bos profitieren. © Jens Lukas

Patrick Fernow, Trainer des KV Adler Rauxel, sagt: „Eine Meisterschaft nimmt man natürlich gerne mit, auch wenn ich sie definitiv lieber regulär auf dem Feld gewonnen hätte.“ Die Vorzeichen waren für das Fernow-Team mit der Tabellenführung positiv.

Das Endspiel-Ticket war den Rauxelern, die alle Topduelle mit Schildgen und Pegasus bestritten haben, kaum mehr zu nehmen. Fernow: „Endspiele haben natürlich eigene Gesetze. Aber es war unser Ziel, als Erster die Play-Off-Finale zu erreichen. Und das hätten wir meiner Meinung nach auch geschafft, wenn der Spielstopp nicht gekommen wäre.“

Nicht jubeln würde Trainer Henning Peuters. Seine SG Pegasus Rommerscheid würde bei einem Saisonabbruch mit Wertung der aktuellen Tabelle leer ausgehen.

Nicht jubeln würde Trainer Henning Peuters. Seine SG Pegasus Rommerscheid würde bei einem Saisonabbruch mit Wertung der aktuellen Tabelle leer ausgehen. © Jens Lukas

Henning Peuters, der Coach des Titelverteidigers und aktuellen Tabellendritten SG Pegasus Rommerscheid, meint: „Mich überrascht die Aussage von Wilco van den Bos.“ Peuters hofft darauf, dass die Regionalliga-Punktspiele noch ausgetragen werden können: „Falls vertretbar und bis zu den Sommerferien möglich, sollte die reguläre Saison der Regionalliga zu Ende gespielt werden - ohne abschließende Finals.“ Sollte das nicht möglich sein, dann sollte die Saison laut Henning Peuters „nach aktuellem Stand beendet werden“.

Marc Lüßer, Coach des HKC Albatros, würde einen Wegfall der Relegation begrüßen und schlägt eine Aufstockung der Regionalliga vor.

Marc Lüßer, Coach des HKC Albatros, würde einen Wegfall der Relegation begrüßen und schlägt eine Aufstockung der Regionalliga vor. © David Döring

Der HKC Albatros hätte am Tag nach dem Saison-Stopp mit einem Erfolg gegen das sieglose Schlusslicht Schwerin 2 die Chance gehabt, das Abstiegsgespenst endgültig zu verscheuchen. Derzeit sind die Albatrosse aber nicht Dritt- sondern Vorletzter. Diese Platzierung führt normalerweise in eine Relegation.

HKC-Trainer Marc Lüßer will nicht den Bundestrainer kritisieren, gibt aber eines zu bedenken. Das Schildgener Team mit Coach van den Bos hätte mit Rang zwei einen internationalen Platz sicher: beim Europa-Shield-Turnier.

Lüßers Vorschlag ist, dass die wichtigen Partien mit der Entscheidung um Platz zwei (Schildgen gegen Pegasus 1) und gegen den Abstieg (HKC gegen Schwerin 2) noch gespielt werden sollen. Danach plädiert Marc Lüßer für einen Wegfall der Relegation zwischen dem Regionalliga-Vorletzten und dem Oberliga-Zweiten. Der Übungsleiter erklärt: „Mit einem Ausfall der Relegation wäre es eventuell jetzt der beste Zeitpunkt, um über eine Aufstockung der Liga nachzudenken.“ Lüßer ist bereits seit Jahren ein Befürworter solch einer Maßnahme.

Nicht nur der Oberliga-Meister Schildgen 2 solle aufsteigen, so Marc Lüßer, auch der Tabellendritte Adler 2 solle freie Fahrt ins Oberhaus bekommen. Der Tabellenzweite Schildgen 3 darf laut den Statuten des Technischen Komitees Korfball im DTB nicht aufsteigen. Jan Weber-Winkels (KC Grün-Weiß), im TKK für den Regionalliga-Spielbetrieb zuständig, erklärt: „Die Regeln sagen, dass in der Regionalliga und in der Oberliga jeweils maximal zwei Teams eines Vereins antreten dürfen.“

Fabian Kloes ist Trainer des Schweriner KC 1.

Fabian Kloes ist Trainer des Schweriner KC 1. © Volker Engel

Fabian Kloes: „Kein Zeitdruck“

Jenseits von Gut und Böse in der Tabelle steht Trainer Fabian Kloes mit seinem Team des Schweriner KC 1. Der ehemalige Pegasus-Coach meint: „Es gibt momentan keinen Zeitdruck, die Frage der Saisonwertung zu beantworten. Wenn der Staub sich gelegt hat und wir wieder eine Situation haben, in der man die Zukunft planen kann, wird sich zeigen, ob es sinnvolle und faire Möglichkeiten gibt, die Saison zu beenden.“ Sollte dies dann nicht der Fall sein, könne man durchaus die aktuelle Tabelle heranziehen, um den Meister zu bestimmen.

Die Castrop-Rauxelerin Ina Heinzel (l) hat eine Doppel-Rolle in der Regionalliga: als Spielerin von Pegasus sowie Coach von Absteiger Schwerin 2.

Die Castrop-Rauxelerin Ina Heinzel (l) hat eine Doppel-Rolle in der Regionalliga: als Spielerin von Pegasus sowie Coach von Absteiger Schwerin 2. © Volker Engel

Die Castrop-Rauxelerin Ina Heinzel hat eine Doppel-Rolle in der Regionalliga: als Spielerin von Pegasus sowie Coach von Absteiger Schwerin 2. Sie sagt: „Aus Pegasus-Sicht wäre ein Abbruch natürlich unglücklich, weil wir uns nicht für ein internationales Turnier qualifizieren würden.

Wichtig ist mir zu sagen: Ich kann es kaum erwarten, wieder Korfball zu spielen.“ Bedenklich sei es, nach der Corona-Pause direkt wieder von 0 auf 100 zu starten, so Heinzel: „Auch wenn sich alle Spieler fit halten, muss man nach so einer langen Zeit erst einmal wieder sein Ballgefühl und das Zusammenspiel wiederfinden.“

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