Castrop-Rauxeler Fußball, Du fehlst!

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Wegen des Shutdown während der Corona-Krise wird kein Spiel angepfiffen. Unser Autor hat aufgeschrieben, warum er den Castrop-Rauxeler Fußball-Sport vermisst, mit einer imaginären Rundreise.

Castrop-Rauxel

, 11.05.2020, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spätestens in dieser Woche wären wir in der entscheidenden Fußballphase des Jahres angelangt. Aufstiegsfeier, Abstiegstränen. Dann nach Mallorca - Trink- statt Ballsport. Doch all das wird erst einmal nichts. Corona ist gekommen, der Amateurfußball in Castrop-Rauxel vorerst gegangen.

Gähnende Leere auf den Plätzen

So schnell wird er wohl auch nicht zurückkehren. Der Verband empfiehlt einen vorzeitigen Saisonabbruch. Wo jedes Wochenende alle Schichten der Gesellschaft zusammenkommen, herrscht gähnende Leere. Eine Reise durch das Castrop-Rauxeler Fußballgebiet ist dieser Tage ziemlich trist.

Eng sind die Umkleidekabinen im Castrop-Rauxeler Amateurfußball.

Eng sind die Umkleidekabinen im Castrop-Rauxeler Amateurfußball. © Christian Woop

Angefangen im Norden beim TuS Henrichenburg, wo auf dem Grill nicht mehr die Henrichen-Burger gebraten werden dürfen, sich aber der gute Rasenplatz immerhin erholen kann. Vielleicht schaut bald mal wieder ein Bundesligist vorbei. Die Profis dürfen ja wieder spielen.

Über die B235 geht es nach Habinghorst und Ickern. Nirgends sind die Plätze so nah beisammen: Der „Habichthorst“ ist unbewohnt, in der Glückauf-Kampfbahn, wo sonst zwei Klubs beheimatet sind, spielt nicht mal einer. An der Uferstraße ist die A2 noch ein bisschen lauter zu hören als sonst. Der Gänsebusch von Victoria Habinghorst ruht, beim SuS Pöppinghausen hat schon länger niemand mehr aus dem in Eigenregie zusammengezimmerten Kassenhäuschen Eintrittskarten verkauft.

Der Standard im Castrop-Rauxeler Fußball: Direkt neben der Kasse mit den Eintrittsgeldern steht der Tombolagewinn: ein Frühstückskorb.

Der Standard im Castrop-Rauxeler Fußball: Direkt neben der Kasse mit den Eintrittsgeldern steht der Tombolagewinn: ein Frühstückskorb. © Christian Woop

Über den Westring ist es nicht weit zum VfR Rauxel. Nach der Corona-Pause wird die Kante zwischen Rasenfeld und Asche-Strafraum hoffentlich nicht noch höher sein. Das Stadion an der Bahnhofstraße hat schon viele Geschichten erlebt: Namenswechsel (einst als Ludwigkampfbahn nach Turnvater Friedrich Ludwig Jahn benannt und an der Ludwigstraße (heute Europaplatz) gelegen, Bürgerbegehren für den Erhalt, große Umbaumaßnahmen, höherklassiger Fußball, ein Training der Nationalmannschaft unter Rudi Völler. Eine Pandemie-Pause war noch nicht dabei.

In Merklinde gibt es einen Deich

In der Erin-Kampfbahn kann man sich derweil auf die Westfalenliga freuen. In Merklinde ist hinter dem nordsee-artigen Deich derzeit nichts los. In Frohlinde hat schon lange niemand mehr einen Fußball auf den Tennisplatz geschossen, selbst die berüchtigte Meckerecke schweigt. Auf Schwerin haben wenigstens die Pferde auf der Koppel neben dem Feld ihre Ruhe. Nur in Dingen hat sich nichts verändert - da war schon Pause, als es Corona gar nicht gab.

Nach Abpfiff in der Kreisliga gibt es das "Bier danach".

Nach Abpfiff in der Kreisliga gibt es das "Bier danach". © Christian Woop

Der Amateurfußball wird schmerzlich vermisst. Das kommt nicht von ungefähr:

Die Originale: Egal ob Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder Zuschauer. Auf den lokalen Sportplätzen finden sich jede Menge waschechter Typen. Es ist immer ein Kicker dabei, der „mal höher gespielt hat“. Meist trägt er die Nummer Zehn, bunte Schuhe und es wird deutlich, warum der vorausgegangene Satz in der Vergangenheitsform steht. Am Spielfeldrand stehen manchmal Kreisliga-Zampanos, die meinen es besser zu können als Pep Guardiola oder Jürgen Klopp. Beim tiefen Griff in die Taktik-Kiste holen sie doch nur „lange Bälle und tief stehen“ heraus. Denn die eiserne Regel besagt: „Hoch und weit bringt Sicherheit!“

Eng sind die Umkleidekabinen im Castrop-Rauxeler Amateurfußball.

Eng sind die Umkleidekabinen im Castrop-Rauxeler Amateurfußball. © Christian Woop

Was wären nicht nur der Fußball, sondern der gesamte Sport ohne das Ehrenamt? Vorstände und Jugendtrainer opfern ihre Freizeit. Am Wochenende müssen Leute stundenlang in Containern stehen, Karten verkaufen, Würstchen braten und Pommes frittieren. Die Einnahmen sind überlebenswichtig. Und da sie nun - genauso wie das Lieblings-Hobby an sich - fehlen, kann es schon um die Existenz der Klubs gehen - und damit um das Lebenswerk vieler.

Blutige Knie sind im heimischen Amateurfußball - vor allem auf den verbliebenen Ascheplätzen und in der Nachbarstadt Herne.

Blutige Knie sind im heimischen Amateurfußball - vor allem auf den verbliebenen Ascheplätzen und in der Nachbarstadt Herne. © Christian Woop

Oft wird auf die gesellschaftspolitische Verantwortung des Fußballs verwiesen. Das völlig zurecht. In Castrop-Rauxel ist das nicht anders. Zugezogene haben immer über den Fußball in die Gesellschaft gefunden. Egal welche Herkunft, Religion, Alter oder Bildungsschicht. Auf dem Platz sind tatsächlich alle gleich. Wer drohte, auf die schiefe Bahn zu geraten, hat schon oft wieder die Kurve über die lokalen Vereine bekommen.

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