Das halten die Castrop-Rauxeler Fußballer von der Regeländerung des Fußballverbands

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Zwei neue Regeln für die heimischen Fußballer gibt es ab der Saison 2019/20. Teams mit vielen Spielern kommt das gelegen. Wir haben nachgefragt, was die Castrop-Rauxeler davon halten.

Castrop-Rauxel

, 10.04.2019, 16:46 Uhr / Lesedauer: 3 min

Amateurfußballvereine in Nordrhein-Westfalen von der Regional- bis in die Kreisliga, die in der Schlussphase einer Saison nicht mehr zu ihren Pflichtspielen antreten, werden künftig mit Punktabzug bestraft. Das hat der Beirat des Westdeutschen Fußball-Verbands (WDFV) auf Empfehlung des Fußballausschusses des WDFV final beschlossen. „Wir haben im vergangenen Jahr gesehen, dass viele Spiele ausgefallen sind“, sagte Manfred Schnieders, Vorsitzender des Fußball-Ausschusses, „und zwar einfach nur, weil eines der Teams keinen Bock mehr hatte.“

An die 400 Spiele seien alleine in Nordrhein-Westfalen gezählt worden, die nach dem 1. Mai nicht mehr ausgetragen wurden. Deshalb gilt ab dem 1. Juli: Wer in der kommenden Saison nach dem 1. Mai 2020 nicht antritt, kassiert nicht nur wie bisher eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro, sondern auch einen Punktabzug für die darauffolgende Saison: „Diese Regelung haben wir aus Berlin übernommen, wo sie seit Längerem durchgeführt wird und funktioniert“, sagt Schnieders. Die Höchststrafe ist zunächst auf neun Punkte pro Saison beschränkt. Für NRW wolle man das Modell nun ausprobieren und anschließend bewerten.

Die Ausfallzahlen der Spiele sollen eingedämmt werden

Wir haben einige Verantwortliche und Trainer der Castrop-Rauxeler Klubs nach ihrer Meinung zur neuen Regelung befragt. Kein einziger der Befragten äußerte sich negativ darüber. „Ich finde das gut. Dann werden die Spiele, die ausfallen, sicher eingedämmt. Gerade in den überkreislichen Ligen geht es ja auch um die Tordifferenz und dann ist ein Nichtantritt auch schlichtweg Wettbewerbsverzerrung“, sagt Spielertrainer Marc Olschewski vom VfB Habinghorst. Auch der Coach Stefan Hoffmann vom FC Frohlinde äußerte sich ähnlich: „Die Vereine lachen sich doch bislang über die Strafe von 100 Euro kaputt.“

Warum der 1. Mai als Stichtag verwendet wurde, erklärt Schnieders so: „Wir haben das tatsächlich lange diskutiert, aber wenn man die gesamte Saison betrachtet, waren es vorher wirklich einzelne Ausnahmen. Erst nach dem 1. Mai, wenn die Mannschaftsfahrten beginnen, nahmen die Absagen zu.“ Einige Teams seien sogar so dreist gewesen, dass sie in Sozialen Netzwerken mit ihren früheren und natürlich günstigeren Fahrten geprahlt hätten: „Das kann es nicht sein“, sagt Schnieders.

Sogar fünf Auswechslungen wären möglich gewesen

Eine zweite Änderung der Spielordnung soll vor allem den Nachwuchs fördern und enttäuschte Spieler besänftigen: Statt wie bisher drei Auswechslungen sind nun von der Regionalliga abwärts bis in die Kreisligen vier Auswechslungen möglich: „Auch hier haben wir viel mit den Kreisen diskutiert und uns letztendlich für vier entschieden“, sagt Schnieders. Fünf Auswechslungen wären nach einer Regelanpassung durch den DFB denkbar gewesen.

Doch bereits diese Aufstockung der Wechselkapazität sorgt für Diskussionen. „Durch die vierte Einwechslung entfernen wir uns meiner Meinung nach ein wenig vom Profifußball, aber das haben wir auch beim Gehaltsgefüge gefühlt vor 100 Jahren schon gemacht“, sagt Dennis Dannemann, der zur kommenden Saison als spielender Co-Trainer bei der SG Castrop agieren wird. „Wir haben nun eine weitere Alternative, die wir sicherlich jedes Spiel auch nutzen werden. Es gibt so viele talentierte Fußballer im Amateurbereich, die es verdient haben zu spielen.“

Das halten die Castrop-Rauxeler Fußballer von der Regeländerung des Fußballverbands

Frohlindes Trainer Stefan Hoffmann ist bei der neuen Regelung eines vierten Einwechselspielers zwiegespalten. © Volker Engel

Dirk Konisch von der Victoria Habinghorst freut sich ebenfalls über die neue Regelung. „Eine vierte Wechselmöglichkeit finde ich super, da wir dann auch dem 15. Mann sonntags die Möglichkeit geben können, Fußball zu spielen“, so Konisch. Die Spieler würden dann für ihren Trainingsfleiß belohnt werden können, fügt Jimmy Thimm vom FC Frohlinde II hinzu.

Doch sein Frohlinder Trainerkollege Stefan Hoffmann ist mit der neuen Regelung nicht zufrieden. „Ich bin zwiegespalten. Ich muss gestehen, dass ich das mit den drei Spielern gut finde, denn so kann man nun fast die halbe Mannschaft auswechseln, den Torwart mal ausgenommen, wenn es mal schlecht läuft. Ich finde das zu viel“, begründet Hoffmann seine Meinung. Er sehe in den Kreisligen dadurch für Vereine, die sowieso mehr Spieler zur Verfügung haben, einen Vorteil gegenüber Teams, die Jahr für Jahr um die nötige Spieleranzahl kämpfen müssen.

Mehr Fußballer können sonntags ihrem Hobby nachgehen

Laut dem Fußballverband gehe es vor allem darum, Spielern mit wenig Einsatzzeiten „bei der Stange zu halten“, sagt Manfred Schnieders vom Fußball-Ausschuss, „wenn die drei, vier Mal nicht spielen, hören heutzutage viele auf.“ Zudem sei es eine weitere Möglichkeit für die Vereine, Nachwuchsspieler einzubinden. Dennis Dannemann von der SG Castrop bringt es daher auf den Punkt: „Die Spieler investieren sehr viel Zeit in den Fußball und da wäre es schade, wenn sie am Sonntag nicht spielen.“

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