KC Grün-Weiß: Als der FC Bayern des Korfball-Sports vor einem Jahrzehnt abstieg

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Vor genau 10 Jahren musste der KC Grün-Weiß den Gang in die 2. Liga antreten. Vor dem Absturz standen drei Endspiele für den mehrfachen Deutschen Korfball-Meister und Europa-Cup-Teilnehmer.

29.03.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An das, was sich heute vor zehn Jahre anbahnte, musste man sich damals erst noch gewöhnen: Am 29. März 2009 lautete eine Überschrift im Lokalsport dieser Zeitung: „Ins Finale gerettet“. Die Korfballer des in Ickern beheimatete KC Grün-Weiß hatten im zweiten Spiel der Abstiegsrelegation der Regionalliga einen 13:8 (3:4)-Sieg gegen die SG Pegasus Rommerscheid gefeiert. Durch den Erfolg in der Sporthalle Dammwiese in Lünen hatten die Castrop-Rauxeler das Duell mit den Rheinländern zum 1:1 ausgeglichen.

Drei Wochen später musste in der dritten Begegnung die Entscheidung fallen. Hier hatte die damalige GW-Trainerin Melanie Sponholz großes Pech: Die halbe Formation fehlte wegen Verletzung oder Urlaub. Marcel Balzuweit, Sarah Kurbjun, Timo Scholz und Christian Sasse standen in Odenthal nicht zur Verfügung. Die Castrop-Rauxeler kassierten auch deswegen eine 12:15-Niederlage und mussten erstmals in der Vereinsgeschichte die höchste deutsche Spielklasse verlassen.

Als wenn der FC Bayern aus der Bundesliga abstiege

Gefühlt war das so, als ob der FC Bayern München aus der 1. Bundesliga absteigen würde. Eigentlich gar nicht denkbar. Denn die grün-weißen Korbjäger waren zwischen 1992 und 2006 elf Mal Deutscher Meister geworden und waren mehrfache Europacup-Dritte.

In der Saison 2008/09, in der die Ickerner auch am Europa Shield (Europa League der Korfballer) in Barcelona mitwirkten, kam aber einiges zusammen. Das sagte der damalige GW-Vorsitzende Edgar Hensel am Donnerstag im Rückblick: „Wir hatten das Pech, dass sich einige unserer Leistungsträger schwer verletzten und lange ausfielen.“ In Erinnerung ist Hensel dabei der Bänderriss von Goalgetter Marcel Balzuweit geblieben. Und auch Patrick Pellny fiel mit einer solchen Verletzung aus.

Der endgültige Absturz aus der Beletage der deutschen Korbjäger war für die Schützlinge von Trainerin Melanie Sponholz im letzten Spiel bereits in der ersten Halbzeit (3:8) besiegelt. Auch wenn die Übungsleiterin nach der Partie betonte: „Das hört sich schlimm und klar an. Pegasus war aber nicht besser, wir haben nur unsere Chancen nicht verwertet.“

„Australier“ trifft dreimal

Mehr als ein Zwei-Körbe-Rückstand beim 8:10 sprang jedoch nicht mehr heraus. Da konnte auch Michael Zahlmann in seinem ersten Spiel nach einem einjährigen Australien-Aufenthalt trotz dreier Körbe nicht mehr helfen.

Konsequenzen aus dem Abstieg erwartete Melanie Sponholz, die zudem 2. GW-Vorsitzende war, offenbar im Verein nicht. Schon vor dem finalen Gastspiel im Rheinland hatte sie kurz und knapp gesagt: „Dann müssen wir halt im nächsten Jahr wieder aufsteigen.“

Daran kann sich auch Edgar Hensel erinnern: „Wir haben vor dem Saisonfinale den Abstieg als ‚möglich‘ einkalkuliert, hatten aber sofort die Prämisse ausgegeben, dass wir sofort zurück in die Regionalliga wollen.“ Die Rückkehr gelang dann sogar auf imposante Art und Weise: Der KC Grün-Weiß gewann alle seine 14 Oberliga-Spiele und kam dabei auf 291:119 Körbe.

KC Grün-Weiß: Als der FC Bayern des Korfball-Sports vor einem Jahrzehnt abstieg

Melanie Sponholz (Mitte) war 2009 GW-Trainerin. © Jens Lukas

Edgar Hensel berichtet: „Ich hatte mit Trainer Patrick Pellny damals gewettet, dass das Team keine 300 Körbe schafft – um eine Kiste Bier.“ Das Kaltgetränk kam letztlich bei der Meisterfeier doch bei der Mannschaft an – obwohl der Coach bei der Wette eine Niederlage einstecken musste.

Nach dem Abpfiff der Saison 2015/16 verschwand der KC Grün-Weiß ein zweites Mal von der Regionalliga-Bildfläche – und verabschiedete sich mangels Spielern freiwillig sogar in die 3. Liga. Dort gingen die Grün-Weißen eine Spielgemeinschaft mit dem einstigen Dauerrivalen im Kampf um dem Meister-Titel, dem KV Adler Rauxel, ein.

Gründervater durfte nicht zuschauen

Übrigens: 2009 erlebte Jochen Brückner, der Ende 2013 verstorbene Gründungsvater und langjährige Präsident des KC Grün-Weiß, das 12:15 bei der SG Pegasus im entscheidenden Relegationsspiel nicht vor Ort. Nicht, dass ihn das nicht interessiert hätte oder er die Partie in Bergisch Gladbach nicht mit ansehen wollte. Nein, der damals 85-jährige Ehrenpräsident hatte von seinen Angehörigen Hallenverbot bekommen. Aus Rücksicht auf seine Gesundheit.

Schließlich war Brückner auch im hohen Alter nach wie vor mit Leib und Seele den „Grün-Weißen“ verbunden gewesen. Unter seiner Ägide waren sie zum größten und über Jahre erfolgreichsten Korfballverein hierzulande geworden. „Das hätte sein Herz nicht mitgemacht“, sagte Melanie Sponholz, Brückners Enkelin, „Opa musste zu Hause bleiben.“ Die Nachricht vom Abstieg wollte Sponholz übrigens nicht selbst dem Großvater überbringen: „Das müssen andere aus der Familie machen.“

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