Dirk Vierhaus (45): „Die tragen bunte Schuhe und glauben, alles läuft von selbst“

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Mit 45 Jahren ist er zum Teil mehr als doppelt so als wie seine Mitspieler. Dirk Vierhaus spielt immer noch in der Kreisliga A für den FC Frohlinde II. Die heutige Mentalität stört ihn.

Frohlinde

, 18.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Inzwischen gehört er sozusagen zum Inventar auf dem Fußballplatz an der Brandheide. Dirk Vierhaus, 45 Jahre alt, trägt seit 1981 mit zwei Unterbrechungspausen das Trikot des FC Frohlinde. Er hat Spieler kommen und gehen sehen, Aufstiege gefeiert, Abstiege hingenommen. Eigentlich wollte er schon längst seine Fußballschuhe an den Nagel gehangen haben. Eigentlich. Dann kam Jimmy Thimm, Trainer des A-Kreisligisten FC Frohlinde II.

Wie dieser ihn vom Comeback auf dem Fußballplatz überzeugt hat und warum der Routinier mit Spielern in bunten Schuhen nur wenig anfangen kann, verrät er im Interview.

Herr Vierhaus, wer oder was hat Sie aus dem verdienten Ruhestand geholt?

Jimmy Thimm kam in der vergangenen Saison vor dem Spiel gegen den FC Castrop-Rauxel auf die glorreiche Idee, dass ich doch bitte meine Tasche mitbringen sollte. Wir hatten damals in der Abwehr einen personellen Aderlass, einige Leute hatten aufgehört oder den Verein verlassen. Ursprünglich habe ich also wieder angefangen, um dem Jimmy einen Gefallen zu tun, damit er in dieser Zeit wenigstens eine Sorge weniger hatte. Ob das geholfen hat oder ob ich ihm nicht noch die eine oder andere weitere bereitet habe, muss er sagen. (lacht)

Das ist nun anderthalb Jahre her. Und Sie stehen weiter regelmäßig in den Mannschaftsaufstellungen.

Eigentlich war der Plan, dass ich nur noch als Co-Trainer dabei bin. Nun ja, ich habe zwar mein Trainingspensum etwas zurückgefahren, war aber als Spieler weiter dabei. Es macht mir ja auch immer noch Spaß. Alles unter der Voraussetzung, dass ich jederzeit wieder aufhöre, wenn ich Montagmorgens aufstehe und ich das Spiel vom Vortag noch zu stark in den Knochen spüre.

Das ist offenbar nicht der Fall…

Nein. Obwohl ich zwei schwere Verletzungen hatte: einen Wadenbeinbruch und einen Kreuzbandriss im anderen Knie. 35 Jahre ist nichts passiert und dann sowas in kürzester Zeit. Da habe ich mir gedacht: Das ist ein Zeichen, das war’s.

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Es kam dann doch anders. Was ist Ihr Geheimnis, dass Sie immer noch mithalten können?

Ich habe keines. Ich habe immer so gelebt, wie ich es für richtig gehalten habe.

Nun sind Ihre Mitspieler halb so alt wie Sie. Fällt es leicht, sich da zu integrieren?

Das ist wirklich eine ganz andere Welt, aber man lernt ja auch noch im Alter dazu.

Wo liegen denn die größten Unterschiede, wenn Sie den Amateurfußball und das Mannschaftsklima von früher mit heute vergleichen?

Als ich in dem Alter war, hatten wir vor den älteren Spielern viel mehr Respekt. Wir haben denen zugehört, versucht, etwas mitzunehmen und haben gemacht, was die gesagt hatten - auch wenn sie uns auf die Schippe nehmen wollten.

Und wie ist das heute?

Die Jungs tragen bunte Schuhe und glauben, dass damit alles von selbst läuft. Dazu kommen selbstdiagnostizierte Ausfallzeiten von vier bis sechs Wochen bei kleinen Wehwehchen. Das war früher definitiv anders. Der Zusammenhalt ist im Laufe der Zeit etwas auf der Strecke geblieben.

Dirk Vierhaus (45): „Die tragen bunte Schuhe und glauben, alles läuft von selbst“

Dirk Vierhaus (l.) im Duell mit Chris Kasprzak vom FC Castrop-Rauxel. Sein Gegenspieler ist ganze 14 Jahre jünger als der Routinier. © Volker Engel

Nichts beschreibt Generationskonflikte besser als der Musikgeschmack, oder?

Beim Jimmy habe ich glücklicherweise das Privileg, nicht als erster in der Kabine sein zu müssen. Da können die Jungs ihre zwei Lieder ruhig hören. Wenn ich reinkomme, wird die Musik ausgemacht oder die Lieder gewechselt. Klar, da gibt’s dann von beiden Seiten Sprüche. Ein wenig dummes Zeug halt. Das ist aber alles nur Spaß. Die Jungs können von mir aus gern die Musik laufen lassen.

Sie sind mit dem FC Frohlinde durch Höhen und Tiefen gegangen. Wie blicken Sie auf die vergangenen Jahre zurück?

Es sind viele schöne Erinnerungen und Erlebnisse dabei, klar. Auf- und Abstiege. Da bilde ich mir aber nichts drauf ein. Ich weiß nicht, ob man beispielsweise einen Bezirksliga-Aufstieg so hoch hängen muss. Es gibt andere Sachen im Leben, die wichtiger sind.

Wir wollen nicht unhöflich sein, aber wann ist denn jetzt mal endgültig Schluss?

Der Plan ist eigentlich, zum Jahreswechsel aufzuhören. Wir bekommen zwei, drei Neuzugänge für meine Position. Ob ich dann ab Januar wirklich nicht mehr spiele, kann ich aber jetzt noch nicht sagen.

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