FC Frohlindes Matchwinner verdankt seinen Einsatz Corona

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Mit einer gehörigen Portion Glück nach einem verschossenen Resser Elfmeter holte der FC Frohlinde endlich den ersten Landesliga-Sieg. Dem Siegtorschützen war es letztlich egal.

Frohlinde

, 28.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die äußeren Umstände auf dem Sportplatz „Im Emscherbruch“ waren bezeichnend für ein Kellerduell. Tiefe Wolke zogen vorüber, Regen tröpfelte unaufhörlich herab. Beim Anpfiff um 15 Uhr war es fast duster, beim Abpfiff nach 95 Minuten gegen 17 Uhr kurz vor stockfinster. Das waren für die Fußballer des Landesligisten FC Frohlinde aber nur Marginalien am Rande des 2:1-Sieges bei Viktoria Resse, sie hatten den ersten „Dreier“ der Saison eingefahren.

Matchwinner war Andreas Kluy mit seinem Tor nach einem Eckball. War es Absicht, das 2:1 praktisch ins Netz zu streicheln - oder hat Kollege Zufall mitgespielt? „Diese Eckball-Variante auf den kurzen Pfosten, von dort weiter in die Mitte, trainieren wir schon. Dass es so gut geklappt hat wie in Resse, dazu gehört immer etwas Glück, da man den Ball so nehmen muss, wie er kommt“, sagt Kluy.

Andreas Kluy hat einen Job beim VfL Bochum

Dass er im Kellerduell überhaupt für den FC Frohlinde auflaufen konnte, ist im positiven Sinne auch Corona geschuldet. Als Leiter Partner-Management beim Zweitligisten VfL Bochum musste Kluy beim Heimspiel gegen Erzgebirge Aue (2:0) eigentlich im Stadion sein. Zum Glück spielte der VfL am Sonntag um 13.30 Uhr. „Vor dem Zweitliga-Spiel war ich im Bochumer Stadion, habe meine Arbeit erledigt, um danach sofort loszufahren nach Resse. Bei nur 300 Zuschauern ließ sich unsere Arbeit während des VfL-Spiels gut auf mehrere Schultern verteilen.“

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Und wie war das mit dem Elfmeter für Resse in der 93. Minute? „Der Schiedsrichter hat dazu gesagt, dass er einen Kontakt gehört hat. Von unseren Spielern hatte keiner einen Kontakt gespürt. Unser Glück war, dass der Elfer neben das Tor geschossen wurde“, sagt Kluy.

Darüber, dass es beim FC Frohlinde insgesamt nicht läuft wie erhofft, merkt Kluy an: „Wir haben zu Anfang der Saison nicht gut gespielt, und sind dann in einen Abwärtsstrudel geraten. Hoffentlich war der 2:1-Sieg in Resse die Trendwende.“

Das Karriereende ist noch nicht beschlossene Sache

Im Dezember wird Andreas Kluy 38 Jahre alt, da darf ein Fußballer durchaus ans Aufhören denken. „Jetzt schon eine Entscheidung zu treffen, dafür ist noch zu früh. Im Hinterkopf bewege ich diesen Gedanken aber durchaus.“ Außerdem wisse man ja derzeit auch nicht, ob die Saison wegen der Corona-Zahlen unterbrochen oder sogar abgebrochen wird. Was auch passiert, eins will der Routinier auf keinen Fall: „Ich möchte meine Karriere nicht mit einem Abstieg beenden.“

Dass es beim FC Frohlinde besser werden muss, darüber gibt es keine zwei Meinungen. Spielertrainer Stefan Hoffmann sagte kurz nach dem Resser Schlusspfiff: „Jetzt müssen wir in den nächsten Spielen nachlegen.“ Er selbst hatte ein Riesenspiel abgeliefert: Im Aufbau mit klugen Passen, in der Defensive beim Stopfen vieler Löcher. Kämpferisch haben in Resse auch alle anderen Frohlinder alles gegeben bis zur Erschöpfung - spielerisch gibt es aber Luft nach oben.

FC Frohlinde wartet noch auf den ersten Punkt auf heimischer Anlage

Fünf Punkte in der Tabelle machen sich jedoch optisch besser als zwei. Nachdenklich macht, dass alle fünf Zähler auswärts geholt wurden - vom 20. September bis zum 25. Oktober sogar keiner mehr.

„Was für ein Gegurke, die können beide nichts“, moserte ein Fan schon früh. Ganz so negativ hat Spielertrainer Hoffmann die fußballerisch mäßige (um es positiv auszudrücken) erste Halbzeit nicht gesehen: „Da spielt der Vorletzte gegen den Letzten, alle sind nervös, keiner will einen Fehler machen.“ Den durch Regen glatten Rasenplatz nutzte er nicht als Ausrede: „Der war besser als wir vermutet hatten.“

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Richtig kribbelig wurde es nach dem Kluy-Tor zum 2:1 (83.) in den exklusive Extrazeit noch zu spielenden letzten Minuten. Resse kam mit Macht, der FCF stemmte sich dagegen.

Dann der Elfmeter für Viktoria Resse (93.). Vor der Ausführung gab es nervenaufreibende Diskussionen zwischen dem Schiedsrichter und Spielern beider Seiten. Hat diese Verzögerung den am Elfmeterpunkt wartenden Lokman El Kasmi nervös gemacht, so dass er den „Elfer“ links am Tor vorbei schoss? Frohlinde jubelte, Resse versank im „Tal der Tränen“. Hoffmann und einige Frohlinder Spieler trösteten El Kasmi nach dem Schlusspfiff - eine faire Geste. So sollte es im Amateurfußball immer sein.

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